Nahverkehr in Stuttgart S-Bahn verliert weiter an Pünktlichkeit

Von Konstantin Schwarz 

Die Bahn investiert seit einigen Jahren mehr in ihre Infrastruktur und kann so die Zahl der Störungen abbauen. Doch auf die Pünktlichkeit schlägt sich das noch nicht wie erhofft durch.

Die Pünktlichkeitsprobleme der S-Bahn werden die Fahrgäste weiter beschäftigen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die Pünktlichkeitsprobleme der S-Bahn werden die Fahrgäste weiter beschäftigen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die S-Bahn bleibt weiter das Sorgenkind des Verbands Region Stuttgart (VRS). Gegenüber 2016 verlor sie im Jahresvergleich bis einschließlich Juni beim wichtigen Wert (bis zu drei Minuten Verspätung) an Pünktlichkeit, beim Verspätungswert bis sechs Minuten verbesserte sie sich nicht. S-Bahn-Chef Dirk Rothenstein interpretierte die Entwicklung vor dem Verkehrsausschuss der Verbandsversammlung am Mittwoch so: Man sei so gut wie seit fünf Jahren nicht, sagte er. Dabei verglich er nicht Monatswerte bis Juni, sondern das erste Halbjahr 2017 mit den jeweils kompletten Vorjahren. Bei der Sechs-Minuten-Pünktlichkeit bekamen die Ausschussmitglieder eine Grafik präsentiert, die komplette Vorjahreswerte dem Wert bis April 2017 gegenüberstellte. Diese Kurve zeigte eine positive Entwicklung.

Kaum wahrnehmbare Verbesserungen

Tatsächlich gibt es Verbesserungen bei der S-Bahn, die sich aber bisher nicht wesentlich auf die Pünktlichkeit auswirken. So ist die Zahl der Infrastrukturstörungen, also zuvorderst von der Bahn beeinflussbarer Malaisen, von 2077 im Jahr 2014 auf 1879 im Jahr 2016 zurückgegangen. Oder umgerechnet von 5,7 am Tag auf 5,1 am Tag. Die Leit- und Sicherungstechnik auf der Stammstrecke, vom Hauptbahnhof tief bis zur Schwabstraße, zeigte 2014 noch 190 Störungen, an jedem zweiten Betriebstag eine. 2016 waren es dann 115. Zurück gingen auch die Störungen auf der Strecke Korntal-Renningen, und zwar von umgerechnet einer pro Tag 2014 auf eine Störung alle zwei bis drei Tage (2016). Die Überschreitungen der Haltezeit im Hauptbahnhof konnten von 362 Minuten (Januar bis April 2014) auf 190 Minuten (2017) gedrückt werden. Die Bahn investierte 2016 rund 1,7 Millionen Euro mehr in die Entstörung als 2013 und gab 1,6 Millionen mehr für die Wartung aus. Nicht zu beeinflussen sind die Einflüsse Dritter, also zum Beispiel Personen im Gleis. Sie ergaben 2012 rund 14 000 nicht gefahrene Kilometer. 2016 waren es 30 500.

80 Millionen Euro für neue Züge

Um die Pünktlichkeitswerte zu stützen investiert auch der VRS massiv, daran erinnerten Regionaldirektorin Nicola Schelling und die Fraktionen. Allein 80 Millionen Euro flossen in neue Züge. Dabei stehen zusätzliche S-Bahnen am Endbahnhofs bereit. Verspätete Züge müssen ihre Fahrt dadurch nicht mehr vor dem Endhalt abbrechen. Diese Fahrzeuge, sagte Rainer Ganske (CDU), brauche man aber für die Ausdehnung des 15-Minuten-Takts. Bernhard Maier (FW) und Eva Mannhardt (Grüne) sagten, sie hätten das Gefühl, dass die Werte besser würden. Thomas Leipnitz (SPD) sieht die S-Bahn weiter in der Krise. Die Infrastruktur sei verlottert. Unisono scharfe Kritik gab es an verzögerten und widersprüchlichen Fahrgastinfos bei Verspätungen. „Ich verzweifle da manchmal selbst“, sagte Rothenstein. Es gebe zu viele Schnittstellen im Konzern

Bei der Verbesserung der Pünktlichkeit setzen alle Fraktionen auf neue Technik, mit der die Abstände der S-Bahnen im Tunnel verkürzt werden sollen. Das dafür nötige ETCS-System müsse kommen. Der Bund hat die Förderung einer Pilotstrecke, die die Firma Thales beantragt hatte, abgelehnt. Regionalrat Armin Serwani (FDP) warnte vor den Kosten: „ETCS wird mit um die 60 Millionen Euro nicht billig.“ Damit Anschlüsse weniger oft verpasst werden, soll der Puffers beim Umstieg auf andere Verkehrsmittel von zwei auf bis zu fünf Minuten wachsen.