Krimikolumne

Nana Rademacher: „Immer diese Herzscheiße“ Keine Drogen, bloß Gras

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Schwänzen, kiffen, klauen – die 15-jährige Sarah vom Stuttgarter Hallschlag hat so einiges auf dem Kerbholz. Genug jedenfalls, um Nana Rademachers „Immer diese Herzscheiße“ in unsere Krimikolumne aufzunehmen.

Nana Rademacher ist ein überzeugendes Debut gelungen. Foto: Wolfgang Schlabschi
Nana Rademacher ist ein überzeugendes Debut gelungen. Foto: Wolfgang Schlabschi

Stuttgart - Erwachsen zu werden und vorher halbwegs ungestreift durch die Pubertät zu kommen, ist an sich schon schwer genug. Aber es macht die Sache bestimmt nicht einfacher, wenn der Vater unbekannt und die Mutter weg ist und man bei „Gromi“ und „Gropi“ im Stuttgarter Problemstadtteil Hallschlag aufwächst. So wie die 15-jährige Sarah, die Heldin in Nana Rademachers Buch „Immer diese Herzscheiße“.

Der Kraftausdruck im Titel darf nicht den verkehrten Schluss nahelegen, dass es in dem Jugendbuch sprachlich wüst zugehe. Aber ganz ohne kommt die Autorin in ihrem 300-Seiter natürlich nicht aus.

Systematisch auf Diebestour im Cannstatter Carré

Im Vordergrund steht aber das Schicksal des Mädchens, das mit seiner Freundin Dixi im Römerkastell abhängt, die Schule schwänzt, systematisch im Cannstatter Carré klaut und sich abends am Neckar betrinkt. Dummerweise wird sie von ihrem Klassenlehrer beim Dealen erwischt: „Sarah, was du verkauft hast, waren Drogen.“ – „Das waren keine Drogen, das war doch bloß ein bisschen Gras.“ Außerdem sei der Käufer schon vierzehn gewesen – „der raucht, seitdem er laufen kann“.

Aus diesem lapidaren und auch witzigen Einstieg baut Nana Rademacher eine Geschichte, die durchaus böse enden könnte. Doch zum Glück für die Nachwuchsdealerin hat der Lehrer eine ausgefallene Sanktion für sie parat: Sie muss bis Schuljahresende in einer Theatergruppe mitspielen, ob sie will oder nicht. Und bei den Proben lernt sie einen Jungen kennen, der ihr gar nicht mal so schlecht gefällt . . .

Ohne erhobenen Zeigefinger

Rademachers „Herzscheiße“ ist ein Roman, der ohne erhobenen Zeigefinger daherkommt und der zeigt, dass auch vermeintlich chancenlose Jugendliche eine Perspektive haben, wenn da nur jemand ist, der an sie glaubt – Beispiele dafür hat es im realen Leben ja durchaus schon gegeben.

Nana Rademacher: Immer diese Herzscheiße.
Ravensburger. 320 Seiten, 15 Euro, ab 14.