Nationalpark im Nordschwarzwald CDU-Politiker bekennen sich zu Nationalpark

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Erstmals haben sich jetzt prominente CDU-Politiker für einen Nationalpark im Nordschwarzwald ausgesprochen. Sie empfehlen der CDU im Land, einen „gut gemachten Nationalpark“ zu unterstützen, „auch wenn sie derzeit nicht die Landesregierung anführt“.

Die CDU äußert sich zum Nationalpark Nordschwarzwald. Foto: dpa
Die CDU äußert sich zum Nationalpark Nordschwarzwald.Foto: dpa

Stuttgart - Erstmals haben sich jetzt prominente CDU-Politiker für einen Nationalpark im Nordschwarzwald ausgesprochen. Der frühere Umweltminister Erwin Vetter, der frühere Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Ludwigsburger Oberbürgermeister Hans-Jochen Henke, etliche CDU-Politiker und Vertreter der Wirtschaft halten eine Nationalpark-Idee für „zutiefst konservativ“. Sie haben eine Resolution unterzeichnet und empfehlen der CDU in Baden-Württemberg, einen „gut gemachten Nationalpark“ zu unterstützen, „auch wenn sie derzeit nicht die Landesregierung anführt“.

Das ist als deutlicher Appell an die CDU-Landtagsfraktion zu werten, sich an sachlichen Argumenten zu orientieren und nicht dem im Landtag üblichen Automatismus zu verfallen, aus parteipolitischem Kalkül einem „Prestigeprojekt“ der Regierungsmehrheit einen Dämpfer zu verpassen. „Ich bin für einen Nationalpark, weil ich schon immer dafür war“, sagt Erwin Vetter und erinnert daran, dass der Nationalpark schon vor 20 Jahren ein CDU-Projekt war, das ursprünglich der CDU-Agrarminister Gerhard Weiser initiierte. Als in der Großen Koalition 1992 der SPD-Umweltminister Harald Schäfer das Projekt realisieren wollte, machte der Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) aufgrund von Protesten einen Rückzieher. „Wenn die Landesregierung jetzt eine alte Idee von Umweltfachleuten und von Gerhard Weiser und von mir aufnimmt, kann ich das nicht kritisieren“, sagte Erwin Vetter der Stuttgarter Zeitung.

Gutachten soll Fakten liefern

Die Fakten für die Entscheidung soll ein Gutachten liefern, das die grün-rote Landesregierung in Auftrag gegeben hat. Im Frühjahr soll es vorgelegt und in der Region diskutiert werden. Bis dahin, so haben sich die Bürgermeister und Landräte im Nordschwarzwald und auch die CDU-Fraktion im Landtag verständigt, wolle man sich nicht festlegen. Eine Positionierung ohne sachlichen Hintergrund hält der Tourismus- und Naturschutzexperte der Fraktion, Patrick Rapp, schlicht für „zu kurz gesprungen“. Auch der Fraktionschef Peter Hauk weicht offiziell von dieser Linie nicht ab. „Die Gruppe um Erwin Vetter vertritt eine Einzelposition, nicht die der Landtagsfraktion“, betonte er.

In der Plenardebatte zum Landeshaushalt kritisierte er die Werbetour des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zum Nationalpark, der am Sonntag dort gewandert war, scharf. Sich „mitten im Dialog“ festzulegen, entlarve die versprochene Bürgerbeteiligung als Farce. Hauk sprach von „Bastapolitik“, die Region „hat nichts zu melden“, die Meinung der Bürger werde nicht gehört.

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15 KommentareKommentar schreiben

@Monika Frey-Möhrle, 10:52 Uhr: Welche Nachteile und welche Belege, bittesehr? Ich kann beim Widerstand gegen den Nationalpark bisher nur eine kleingeistige Panikkampagne erkennen. Spätestens für die öffentliche Diskussionsrunde der Fachleute werden Sie sich noch was überlegen müssen, wenn Sie sich nicht vollständig blamieren wollen.

@Freilich 0.32 Uhr: GRÜNE und das Schwarzwälder Wolkenkuckucksheim: Werter Freilich, Sie sind es, der für den Mix aus grüner Zwangsbeglückung und Folklore zwecks grüner Parteiimage-Förderung steht. Allein schon die schiere Existenz des Menschen steht Ihrer grünen Wünsch-Dir-Was-Welt entgegen. Das weiß auch die Mehrheit der ortsansässigen Bevölkerung. Da aber die 'dummen Schwarzwälder' im Raum Baiersbronn von der einzig geltenden, nämlich grünen Wahrheit überzeugt werden müssen, definiert die grüne Staatsrätin Erler das Projekt Nationalpark flugs als nationale Angelegenheit. Hierdurch wird verhindert, dass die betroffenen, ortsansässigen Bürger/innen sich bei einer Abstimmung mehrheitlich gegen das Projekt NATIONALpark aussprechen können. Den meisten bei uns genügt der bestehnde NATURpark vollkommen, da er den Erfolg Baiersbronns mit seiner guten Mischung aus Natur, Hotellerie, Wanderhimmel, Sport, Spitzengastronomie, Forstwirtschaft und Handwerk begründet hat. Der Nationalpark bringt uns nichts - außer den schon oft belegten Nachteilen.

@Karl G. Pfleiderer, 10:17 Uhr. Ich bin DAFÜR!: Sie schrieben: 'Die Schaffung eines Nationalpark bringt der Natur und dem Menschen rein gar nichts. Es ist der untaugliche Versuch, den Wald in einen Zustand 'umzufunktionieren', den es so nie gegeben hat. Die Kulturlandschaft Wald wurde stets von Menschenhand bewirtschaftet und begleitete unser Dasein durch verschiedenste Entwicklungsstufen. Die Protagonisten des Nationalparks wollen eine Art Urwald oder Bannwald kreieren, den es in Wirklichkeit nie gegeben hat.' ____________________________________________________________ Selten habe ich solch gequirlten Unsinn gelesen. Fakt ist, dass die Erde schon bewaldet war, als es noch gar keine Säugetiere und Menschen gab. Würde der Mensch nicht in die Natur eingreifen, so wäre Deutschland und Europa weitestgehend von Wald bedeckt. All unsere Kulturlandschaften (Äcker, Wiesen, Kulturwald), die unterhalb der Baumgrenzen liegen und nicht bereits Wüste sind, verwandeln sich ohne menschliches Zutun von selbst in natürlichen Mischwald zurück. Das ist nur eine Frage der Zeit und konnte z.B. nach den Sturmschäden (Wiebke, Lothar) in ganz BaWü beobachtet werden. Der Wald braucht den Menschen nicht, sondern kann als stabiles Ökosystem existieren, wenn er sich selbst überlassen wird. Zumindest in einem kleinen Teil des Schwarzwalds sollten wir der Natur diesen freien Lauf gewähren und uns an der sich entwickelnden Artenvielfalt erfreuen. Und wem dieser 'unaufgeräumte' Wald nicht gefällt, der kann getröstet werden: Es bleibt genügend bewirtschaftete Kulturlandschaft übrig (die durchaus auch ihren Reiz und ökologischen Wert haben kann, z.B. unsere Streuobstwiesen, Wachholderheiden etc.). ___________________________________________________________ Der von der CDU geschürte Widerstand gegen den Nationalpark kommt panisch, kleingeistig, intolerant und unsympathisch daher und erzeugt bei der Mehrheit der Bürger dieses Landes Kopfschütteln und abwinkende Handbewegungen. Schön, dass es in dieser Partei noch ein paar eigenständig denkende Persönlichkeiten gibt, die sich öffentlich von der aufgesetzten Dagegen-Kampagne distanzieren.

Nationalpark wirklich notwendig?: Naturschutz? Ja, ohne wenn und aber! Aber bedarf es dessen gleich eines Nationalparks? Schon heute stehen zwischen dem Hohen Ochsenkopf und dem Kniebisgebiet rund 2.700 ha überwiegend zusammenhängende Wald-, Grinden- und Hochmoorflächen unter Naturschutz. Hinzu kommen 399 ha im Gebiet um Kaltenbronn mit dem Wild- und dem Hohlohsee. Der Bannwald um den Wilden See unterhalb des Ruhesteins besteht schon seit 1911 und gewährt mittlerweile einen guten Einblick in die natürliche Verjüngung des Waldes. Das Naturschutzzentrum am Ruhestein, eröffnet im Herbst 1997, informiert die Besucher in vortrefflicher Weise über die natürlichen Besonderheiten und die Schutzwürdigkeit des Gebiets. Daneben gibt es verschiedene Waldlehrpfade wie z.B. den «Lotharweg». In Übereinkunft mit dem Naturschutz werden die Grinden am Schliffkopf z.T. wieder als Viehweide genutzt - der Schwarzwald ist also nicht nur Natur- und nicht nur Kulturlandschaft, sondern beides mit einem Male. Dies macht seinen ganz besonderen Reiz aus und den sollten wir erhalten, im Interesse von Auerhuhn und Uhu ebenso wie im Interesse der Menschen, die ihn bewohnen und besuchen. - Als großräumiges Versuchsgebiet ist der Bayerische Wald mit Sicherheit geeigneter als der Schwarzwald. Der Nationalpark Bayerischer Wald liegt in einem dünn besiedelten Randgebiet; zusammen mit dem angrenzenden tschechischen Nationalpark Sumava bildet er das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas und damit dessen am dünnsten besiedelten Landstrich. Die dort massenhaft abgestorbenen Fichten legen allerdings weniger ein Zeugnis für einen sterbenden als für einen sich selbst erneuernden Wald ab; es bedarf freilich einiger Geduld, um dort wieder in einem üppig sprießenden hochstämmigen Wald wandern zu können. Der Nordschwarzwald liegt dagegen inmitten einer der am dichtesten besiedelten Regionen Mitteleuropas und ist Naherholungsraum für mehrere Millionen Menschen, die wohl lieber in einem naturnah gepflegten Wald spazieren gehen wollen als in einem großen Freilandlabor mit großen Kahlflächen.

@Bürger mit Verstand?: Es ist traurig, dass viele derer, die einen NATIONALPARK fordern, nicht wissen, dass es bei uns bereits einen NATURPARK gibt. Würden Umfragen draußen im Land mit 'Sind sie für einen Naturpark im Nordschwarzwald?' vorgenommen, gäbe es auch dieselbe Zustimmungsquote wie bei den so gern von der grünen Partei ins Feld geführten Umfragen zu einem Nationalpark - obwohl wir den Naturpark bei uns längst haben! Daran sieht man, was von Umfragen zu halten ist. Das einzige, was demokratisch gut ist und zählt, wäre ein Bürgerentscheid in den betroffenen Gemeinden. Den scheuen Bonde, Kretschmann und die politischen, grünen Vorfeldorganisationen BUND, Nabu und Co. Die gern zur Schau gestellte Bürgerbeteiligung entpuppt sich als grüner Wahlkampfbluff. Und wenn ich mir die zuweilen besserwisserische und hochnäsige Argumentation der Ökos 'uns tumben Schwarzwäldern' gegenüber vor Augen halte, muss ich das von der grünen Partei propagierte Prinzip 'auf Augenhöhe' als gezielte Provokation werten.

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