Nationalpark Nordschwarzwald Alternative zu Nationalpark gesucht

Von akw 

Die Gegner des Großschutzgebietes haben vor 900 Teilnehmern in Baiersbronn ihre Vorschläge für mehr Naturschutz präsentiert. Um das zu leisten, braucht es keinen Nationalpark, meinen sie.

Die Gegner eines Nationalparks im Nordschwarzwald machen seit langem mobil – hier ein Protestplakat, das im Mai vorigen Jahres in Wolfach angebracht wurde. Foto: dpa
Die Gegner eines Nationalparks im Nordschwarzwald machen seit langem mobil – hier ein Protestplakat, das im Mai vorigen Jahres in Wolfach angebracht wurde.Foto: dpa

Baiersbronn - Mit einem „Forum der Vernunft“ haben die Gegner des geplanten Nationalparks in der voll besetzten Schwarzwaldhalle in Baiersbronn auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht: „Ja zum Wald – nein zum Nationalpark.“ Vor rund 900 Bürgern, Vereinsmitgliedern, Gemeinderäten, Bürgermeistern und Vertretern der Wirtschaft kritisierte der Sprecher und Vorstandsmitglied des Vereins „Unser Nordschwarzwald“, Andreas Fischer das kompromisslose Festhalten der Landesregierung an einem Nationalpark, Das habe „wenig mit gelebter Demokratie“ zu tun.

Fischer, der es stets vehement abgelehnt hat, über das Pro und Kontra eines Nationalparks zu diskutieren – „ich spreche nur über Alternativen“ – stellte am Samstag einen Forderungskatalog vor, mit dem mehr Naturschutz, mehr Tourismus und die Energiewende mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz zu schaffen wäre. Ohne Einschränkungen für die Bürger, ohne Reglementierungen einer neuen Behörde, ohne die Geldverschwendung, die seiner Meinung nach ein Nationalpark mit sich bringt. Mit diesen Forderungen wollen die 974 Mitglieder des Vereins der Landesregierung „eine Brücke bauen“ für einen konstruktiven Dialog mit der Region und mit den Bürgern.

Etliche Forderungen sollen Natur und Tourismus fördern

Zu den Forderungen zählen der konsequente Umbau des fichtendominierten Waldes zum Bergmischwald; die Ausweisung von mehr Bannwäldern, um mehr ungestörte Natur zu haben; der Ausbau des Alt- und Totholzkonzepts im Staatswald und ein Informationsprogramm für Kommunal- und Privatwaldbesitzer, damit in diesen Wäldern den Alt– und Totholzanteil steigt. Außerdem soll ein weiteres Naturschutzzentrum, etwa in Herrenwies (Forbach) eingerichtet werden, ebenso wie Erlebnisgebiete zur Förderung des regionalen Tourismus im seit 1998 bestehenden Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Der Forstprofessor Wolfgang Tzschupke sowie der frühere Freudenstädter Landrat und ehemalige Vorsitzende des Naturparks, Peter Dombrowsky (CDU), unterstützten diese Forderungen. Dombrowsky, terminlich verhindert, plädierte im Videointerview für einen „Naturpark plus“. Es gäbe nichts, was ein Nationalpark besser könne. Wie schon bei der Veranstaltung der Landtags-CDU jüngst in Baiersbronn forderte er mehr Geld für den Ausbau des Naturparks.

Zwei Sägewerksbesitzer erläuterten, wie in einem „Naturreservat“ oberhalb von 900 Metern mehr Naturschutz erreicht und der Nordschwarzwald zur Bioenergieregion werden könne – mit staatlicher Lenkung, etwa bei der Windkraft, und entsprechender finanzieller Förderung. Die Gemeinden seien klamm und abhängig von der Förderung des Landes. Deshalb, so ihre „ernüchternde Erkenntnis“ aus dem regionalen Arbeitskreis Infrastruktur, setzten viele Bürgermeister Hoffnungen auf neue Fördertöpfe durch einen Nationalpark. Dass ihnen damit indirekt Käuflichkeit unterstellt wurde, kam bei einigen Amtsträgern nicht gut an.

Schutzgebiet-Gegner geben ihre Statements ab

Unter dem Motto „Aus Fehlern lernen“ schilderten zwei Vertreter von Initiativen gegen die Nationalparks aus dem Harz und dem Bayerischen ihre Erfahrungen, außerdem gab es vorbereitete Statements von Bürgern – von der Schülerin bis zur Rentnerin, vom Mechaniker bis zum Pfarrer. Sie fürchteten sich vor dem Rummel der Tagestouristen, wollten sich weiter frei und ohne Eintrittsgeld im Wald bewegen und ihr Naturidyll vor den Grünen schützen.

Den „Tugendterrorismus“ der Grünen prangerte der ehemalige Moderator des „Heute-Journals“, Alexander Niemetz, an. „Machen sie Ihren Politikern Beine“, forderte Niemetz den Aufschrei der „Wutbürger“ ein. Das ist auch die Intention des Veranstalters – gut 26 000 Unterschriften gegen den Nationalpark wurden schon gesammelt. Nun richtet sich die Wut auch gegen die „Macht der Medien“, vor der Halle gesammelte Unterschriften sollen Druck aufbauen gegen die Lokalzeitung.

Umfrage: Mehrheit für Alternativen zum Nationalpark


Mit Unterstützung der Holz- und Sägeindustrie hat der Verein „Unser Nordschwarzwald“ nach Greenpeace ( in der Umfrage waren 65 Prozent der Baden-Württemberger für einen Nationalpark) ebenfalls eine Umfrage beim Forsa-Institut in Auftrag gegeben: Demnach sind 31 Prozent der Menschen im Südwesten für die Verwendung von Holz aus heimischen Wäldern. Und 72 Prozent wollen keine weiteren Naturschutzgebiete, wenn dafür auf die Nutzung von einheimischen Holz verzichtet werden muss. 75 Prozent finden die Prüfung von Alternativen für einen Nationalpark gut bis sehr gut. Das Fazit des Vereinssprechers: „Wir können auch Forsa.“

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11 KommentareKommentar schreiben

@Karl Frey, 29. Januar 2013: Spätgutenabend, Herr Frey (und andere Nationalparkgegner), mit dem Fachgebiet 'Naturschutz' verhält es sich ja (leider) ebenso wie beim Thema Fußball. Allzuviele, welche von der Thematik nur eine laienhafte Vorstellung haben, empfinden sich als Experten. Das geht auch aus Ihrem Forumsbeitrag hervor; wobei ich Sie jetzt nicht 'herunterputzen', sondern einfach nur darum bitten will, sich einfach einmal mehr Zeit und Muße für eine nüchterne Betrachtung der Sachlage zu nehmen. Sie schreiben: 'Wir Schwarzwälder haben immer im Einklang mit der Kultur- und Naturlandschaft Wald gelebt'. Belege für diese Behauptung bleiben Sie aber schuldig. Ich widerspreche Ihnen anhand von zwei Fallbeispielen: Beispiel (1): Blicken wir in die Geschichte des Schwarzwaldes zurück, ist zunächst festzustellen, dass er vor ca. 200 Jahren großflächig 'entwaldet' wurde. Die ursprünglichen Weißtannen-Buchenwälder wurden großflächig gerodet, und Unmengen von Holz via Flößerei rheinabwärts bis in die Niederlande 'verschifft'. Angesichts der großflächigen Waldzerstörung begann man sich dann im Anblick des Desasters erstmals Gedanken über 'nachhaltige Waldwirtschaft' zu machen, mit dem Ergebnis, dass der Schwarzwald großflächig mit der schnellwachsenden Fichte (Picea abies) wiederaufgeforstet wurde. Obwohl diese Baumart zuvor nur in den Höchstlagen als Hauptbaumart auftrat. Mit der großflächigen Anpflanzung der flachwurzelnden, austrocknungsempfindlichen Fichte auf schlecht wasserspeichernden Böden (Buntsandstein) wurden unbeabsichtigt (monotone) Waldbestände begründet, welcher den extremen Anforderungen der Natur (siehe Orkanereignisse 'Wiebke' und 'Lothar' ) nur sehr schlecht standhielten. Großflächige Borkenkäfer-Kalamitäten wie in den durch Industrieabgase ('saurer Regen') noch wesentlich stärker vorbelasteten Waldflächen in den Hochlagen des Bayerischen Waldes blieben aber dennoch aus. In den Kernzonen des geplanten Nationalparks finden sich bereits heute sehr viele, ehemalige Sturmwurfflächen, in denen jetzt an Stelle der standortfremden Fichtenforste wieder wesentlich naturnähere (d.h. den ursprünglichen Waldbildern deutlich besser entsprechende) Mischwälder heranwachsen. Beispiel (2): Auerhuhn. Die Bestände des Auerhuhns im Nordschwarzwald sind in den vergangenen 100 Jahren stark zurückgegangen. Der Hauptgrund dafür liegt in der 'Verschwarzwaldung des Schwarzwaldes' durch dicht geschlossene Fichten-Alterklassenwälder. Die derzeit feststellbare, leichte Erholung der Auerhuhnbestände im Nordschwarzwald beruht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf der 'Entschwarzwaldung' durch zahlreiche Windwurfflächen (s.o.). Im Waldgebiet 'Schlangenkirche' 3 km östlich des Ruhesteins könnten Sie, Herr Frey, einen ersten Einblick bekommen, wie die (durch 'Katastophenereignisse' erzwungene) Umgestaltung von Waldflächen auf natürlichem Wege ablaufen kann. Sehr geehrter Herr Frey, im Zusammenhang mit der Nationalpark-diskussion meldete sich ja kürzlich auch eine CDU-Landtagsabgeordnete öffentlich zu Wort, sie verwies auf angeblich bliblisch verankerte Verpflichtungen, gegen die Nationalparkplanung anzutreten (sinngemäß: der Mensch müsse sich ja die Erde 'untertan' machen). Ich halte als ausgebildeter Biologe und Anhänger einer christlich-humanitär geprägten Weltsicht dagegen, dass die allgegenwärtige Abwesenheit von anerkennender 'Demut' gegenüber der 'Schöpfung' das Hauptproblem vermeintlich moderner Gesellschaften darstellt. In Nationalparken wird weltweit Millionen von Besucher(inne)n aufgezeigt. dass es auch eine andere Dimension jenseits von menschlichen 'Ordnungsgedanken' gibt. Warum also auch nicht im Nordschwarzwald ?!

@Karl Frey, 17:32 Uhr: Vielen Dank, Herr Frey für so viel ehrliche Selbstreflektion! Sie gestehen offen ein, dass die von Ihnen aufgeführten Fragen zur angeblich 'objektiven Befragung der Bevölkerung' - für jeden nachvollziehbar - nur tendenziöse Phrasen sind, die clever formuliert wurden, um damit per Umfrage Stimmungsmache zu betreiben. Ich finde dies ziemlich widerwärtig, aber wenigsten geben Sie recht unverblümt zu, dass es den von der CDU aufgehetzten NP-Gegnern nur um billige Propaganda geht ('kreativ informieren' etc.). __________________________________________________________ Ich rate Ihnen, sich mit den Argumenten der Befürworter, Gutachter etc. auseinanderzusetzen und in einen konstruktiven Dialog einzutreten. Mit tendenziösen Umfragen werden Sie nicht viel erreichen.

Von der Schläue der Grünen lernen: Endlich beginnen die Nationalpark-Gegnern den tendenziösen Umfragen grüner Politiker und deren politischer Vorfeldorganisationen wie BUND und Nabu zu widersprechen und die Bevölkerung kreativ zu informieren und zu befragen. Die Frage 'Sind Sie weiterhin für Holz aus heimischen Wäldern?' war ein guter Einstieg. Folgende Fragen interessieren auch: - Möchten sie weiterhin in ortsnahen Wäldern wandern? - Sind sie für das Existenzrecht der heimischen, mittelständischen Holzwirtschaft? - Schadet der Borkenkäfer unserem Wald? - Soll den im Gebiet des zukünftigen Nationalparks wohnenden Menschen ein großes Mitspracherecht eingeräumt werden? - Sind für sie Traufe und Kanzeln landschaftsprägend und sollen diese weiterhin 'frei' bleiben? Ist der touristische und gastronomische Erfolg Baiersbronns ohne einen Nationalpark eingetreten? Halten sie die Verwendung von Steuergeldern für höhere Kosten beim Betrieb eines Nationalparks im Vergleich zum bestehenden Naturpark für gerechtfertigt? Das reicht vorerst. Wir Schwarzwälder haben immer im Einklang mit der Kultur- und Naturlandschaft Wald gelebt. Wir brauchen daher keinen grünen Vormund und schon gar keinen Nationalpark. Wer Chancen und Risiken abwägt, votiert bei uns zumeist für den bestehenden Naturpark.

..die Meinung der Region: Bei der Veranstaltung kam die Meinung der Region deutlich zum Ausdruck. Endlich mal eine Veranstaltung, die offen die Probleme eines möglichen Napa aufzeigen. Und die Erfahrungen eines bekannten Fernsehsprechers zeigen doch deutlich, wie man mit Versprechungen der Grünen umgehen muss. Danke an die Veranstalter, es war einfach eine großartige Veranstaltung. Macht weiter so. Mit jeder Veranstaltungen werden den Menschen der Region weiter die Augen geöffnet.

Grüne Tricks und Enttäuschungen: Die meisten Ausführungen in der Schwarzwaldhalle bestätigten die Vorbehalte der ortsansässigen Bevölkerung gegen einen Nationalpark. Dieser würde in den betroffenen Gemeinden sehr wohl zu starken Beeinträchtigungen führen. Gravierende Nachteile haben vor allem Tourismus, Wanderer (Wer läuft noch zu eingewachsenen Traufen und Kanzeln oder schaut sich gerne Borkenkäfer-Totholz an?), Landwirte, Sport- und Freizeitnutzer, Waldbauern und Sägewerke zu befürchten. Ein Blick in die einschlägigen Vorschriften untermauert die Befürchtungen ganz klar. Der Nationalpark soll von außen durch grüne Politiker den Schwarzwäldern übergestülpt werden, weil die Thematik den so gern postulierten grünen Markenkern der Partei betrifft und es sich hierdurch bundesweit mit dem Naturschutz-Image politisch punkten lässt. Trotz der Argumentation mit der 'Biodiversität' kann kein einziger Nationalparkbefürworter sagen, wie eigentlich das ZIEL des ganzen Unterfangens aussehen soll. Dürfen wir mit einem 'Urwald' oder 'Bannwald' oder einem sonstigen Wald aus dem Jahr 1592, 1066 oder der Geburt Jesu rechnen? Zuweilen beschleicht mich der Verdacht, die ganzen Befürworter, Öko-Größen und angeblichen Naturschützer gehen nach folgendem Credo vor: 'Jetzt fangen wir mal an und dann sehen wir, was daraus wird. Geld genug ist ja da.' Plötzlich ist die grüne Partei auch nicht mehr an der Meinung der Basis interessiert, weil die nicht so will wie man es gern bei den Ökos hätte. Auf einmal wird nun auf die Zuständigkeit des Landtags und irgendwelche Meinungsumfragen hingewiesen. Ein grünes Trauerspiel!

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