Nationalpark Nordschwarzwald Union uneins beim Nationalpark

Andrea Koch-Widmann, 25.01.2013 08:34 Uhr

Baiersbronn - Hoffnungen, Ängste und viele offene Fragen kennzeichnen den erbitterten Streit über einen Nationalpark Nordschwarzwald. Jetzt haben sogar die beiden evangelischen Landesbischöfe Ulrich Fischer und Frank Ottfried July eine „faire Debatte“ angemahnt.

Ein vom Land in Auftrag gegebenes Gutachten soll Anfang April Antworten liefern. Erst dann will sich die CDU im Landtag festlegen. Zuvor aber wolle die Union die Stimmung vor Ort erkunden und die Argumente der Menschen hören, sagte der Fraktionschef Peter Hauk in Baiersbronn. Gut 600 Menschen waren der Einladung der Union zu einer Diskussionsveranstaltung gefolgt, deren einseitig kritisch besetztes Podium im Vorfeld Ärger gemacht hatte – auch in den Reihen der CDU.

IHK fürchtet ein Image als „Waldland“

Diesen Eindruck mühte man zu mindern. Alle Teilnehmer debattierten zwar engagiert, aber zumeist sachlich. So kritisierte etwa Gerhard Fassnacht, der Chef des Freudenstädter Kreisbauernverbands, dass die Landwirte in den regionalen Arbeitskreisen nicht beteiligt worden waren. Er sieht im Borkenkäfer eine große Gefahr für die bäuerlichen Wälder. Seine kämpferische Äußerung beim Kreisbauerntag in Schopfloch, die der „Schwarzwälder Bote“ berichtet hatte, den Nationalpark, „dieses irrsinnige und wahnwitzige Projekt einer Minderheit von Fanatikern“, zu stoppen, wiederholte er tunlichst nicht.

Die Sorgen der Wirtschaft verdeutlichte Martin Keppler von der IHK Nordschwarzwald. Ein Image als „Waldland“ sei nicht geeignet, „Universitätsabsolventen aus Hamburg oder Essen“ in die Region zu ziehen. Wenn die Gesellschaft aber dafür sei und es „klare Aussagen zu den Finanzen“ gebe, „wird sich die Wirtschaft einem Nationalpark nicht verschließen“. Ein Zusage, die das Publikum mit Pfiffen abstrafte. Der frühere Freudenstädter Landrat Peter Dombrowsky (CDU) hingegen will mehr Mittel und Angebote für einen „Naturpark plus“. „Keine sachlichen Argumente“ erkennt der Forstprofessor Wolfgang Tzschupke. Er sieht auch keine Vorteile für die Artenvielfalt. Der Nabu-Chef Andre Baumann, einziger Befürworter auf dem Podium, betonte, dass die Artenvielfalt in nicht genutzten Wäldern größer sei als in bewirtschafteten. Deshalb habe auch Peter Hauk als früherer Landwirtschaftsminister das „Alt- und Totholzkonzept“ entwickelt. Ein Nationalpark wäre „Hauk im Quadrat“.

CDU ist beim Nationalpark im „Zielkonflikt“

Die CDU übt sich weiter im Spagat. Der Abgeordnete Patrick Rapp etwa, Experte für Tourismus, Naturschutz und Forst, gestand ein, sich angesichts der divergierenden Themen ständig im „Zielkonflikt“ zu befinden. Für den Baiersbronner Abgeordneten Norbert Beck aber ist klar: „Wir lassen uns unseren Wald nicht nehmen.“ Der frühere CDU-Staatsrat und EnBW-Chef Gerhard Goll rückte das zurecht. Es handle sich um Staatswald, „der gehört allen Baden-Württembergern“.

 
 
Kommentare (25)
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JAN
27
Matthias Klemm, Tübingen, 16:37 Uhr

@ Forbacher

Werter Forbacher, bemühen Sie doch auch mal 'google maps', um sich die von 'Wiebke' und 'Lothar' bereits großflächig 'umgebauten' Waldflächen innerhalb des Suchraumes für den geplanten Nationalpark anzuschauen. Das dürfte die Diskussion versachlichen. Viele Grüße nach Forbach ins tief eingeschnittene Murgtal, von dem aus die Waldflächen im geplanten Nationalpark ganz offensichtlich nicht einsehbar sind!

JAN
27
Dreizehenspecht (Alias M. Klemm, Tübingen), 16:22 Uhr

@ Buntspecht

Nun denn, werter Herr Buntspecht, meine an Herrn Schmidt gerichtete, rhethorische Frage bezüglich einer Auswanderung nach China bezog sich auf seine gehässige und extrem polemische Haltung zu allen Fragen des Umwelt- und Naturschutzes. Natürlich darf er hier bleiben, und sich - dank des erfolgreichen 'Umweltgetues' in den letzten 4 Jahrzehnten - an einer wieder recht sauberen Umwelt erfreuen. Was nun das Thema Nationalpark betrifft: Im Jahr 2007 hat das Bundeskabinett die Nationale Strategie zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt verabschiedet. Damit erfüllt Deutschland Artikel 6 des internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt, dem bisher 187 Staaten und die EU beigetreten sind. Die nationalen Ziele für den Lebenraum 'Wald' sind auf den Seite 31-32 der folgenden Veröffentlichung dargelegt: http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/monitoring/biolog_vielfalt_strategie_nov07.pdf . Hier heißt es u.a.: 'Unsere Ziele sind: Bis zum Jahre 2020 haben sich die Bedingungen für die in Wäldern typischen Lebensgemeinschaften (Vielfalt in Struktur und Dynamik) weiter verbessert. Bäume und Sträucher der natürlichen Waldgesellschaft verjüngen sich ganz überwiegend natürlich. Mit naturnahen Bewirtschaftungsformen werden die natürlichen Prozesse zur Stärkung der ökologischen Funktionen genutzt. Alt- und Totholz sind in ausreichender Menge und Qualität vorhanden.' Von ganz besonderem Interesse in unserem Streitfall ist die folgende Formulierung: '2020 beträgt der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung 5 % der Waldfläche'. Dieses von der Bundesregierung festgelegte, durchaus ehrgeizige Ziel lässt sich nur durch die weitere Ausweisung von Bannwäldern, wie sie z.B. in den Kernzonen eines Nationalparks Nordschwarzwald erfolgen wird, umsetzen. Die innerhalb des Suchraums für den Nationalpark gelegenen Waldflächen sind durchweg als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen, und genießen somit bereits heute einen europäischen Schutzstatus. Die Flächen befinden sich durchweg im Landesbesitz. Wie die beiden Orkanereignisse 'Wiebke' und 'Lothar' zeigten, erwiesen sich die (nach der großflächigen Abholzung des Schwarzwaldes) neugründeten, überwiegend standortfremden Fichtenwälder als besonders empfindlich. Auf den einstigen Sturmwurfflächen wachsen heute bereits wesentlich naturnähere Waldgesellschaften nach, genauso, wie es im Rahmen der Nationalparkidee auch beabsichtigt ist. P.S. Ihnen schreibt ein gebürtiger Schwarzwälder, welche das Gebiet des geplanten Nationalparks seit frühester Kindheit aus eigener Anschauung kennt ;=)

JAN
27
Agenbacherin, 15:37 Uhr

@Forbacher, 13:17 Uhr

In Ihrem privaten 'Familienwald' können Sie pflanzen und umsägen was Sie wollen. Wer nach Sturm Wiebke und Lothar weiterhin auf Fichtenmonokultur setzt, ist allerdings selbst schuld. Das zur Diskussion stehende Waldgebiet für einen Nationalpark befindet sich dagegen komplett im Besitz des Landes Baden-Württemberg. Ihr 'Familienwald' liegt mit Sicherheit nicht darin. Insofern sind Sie hier auch nicht mehr betroffen als jeder andere Bürger. Wem ein natürlicher Wald mit Alt- und Totholz nicht gefällt, der möge woanders hinschauen. Ich persönlich freue mich sehr auf einen Nationalpark und bin stolz, dass er hier in meiner Heimat entstehen soll. Dem Kommentar des 'Wertkonservativen' kann ich mich nur von Herzen anschließen.

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