Strohgäu Extra
 
Natürliche Lebensräume schaffen
"Strohgäu Extra", 13.12.2011 02:46 Uhr
Ludwigsburg Wer im Winter Vögel füttert, unterstützt vor allem populationsstarke Arten. Von Stephanie Köhler

Füttern oder nicht füttern, fragen sich Vogelfreunde im Winter. Viele Natur- und Tierschutzorganisationen wie der Deutsche Tierschutzbund, der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) oder die Umweltstiftung NatureLife-International finden es zwar in Ordnung, wenn man Vögeln mit Futter den Winter erleichtert. Was sich manche Deutsche nicht zweimal sagen lassen: Jedes Jahr geben sie 15 bis 20 Millionen Euro für Vogelfutter aus.

Manche Verbände sind aber der Ansicht, dass Äpfel und Körner höchstens bei extremer Kälte und Schnee nützen. Und bedrohten Arten selbst dann kaum. Laut BUND fliegen nur acht Prozent der deutschen Brutvogelarten zu Futterhäuschen und profitieren von der Winterfütterung. Die Vögel, die meist in den Garten fliegen, kommen besonders oft vor.

Das sagt auch Charis Mutschler von der Nabu-Gruppe Marbach. "Es sollte einem bewusst sein, dass die Winterfütterung nichts mit Naturschutz zu tun hat." Mit Ausnahme des Spatzes, der auf der Vorwarnliste bedrohter Arten steht, unterstützt man vorwiegend populationsstarke Arten wie Meisen, Amseln, Drosseln, Rotkehlchen und Feldsperlinge. Dem Nabu zufolge kommt die Vogelfütterung in Städten und Dörfern bis zu 15 Vogelarten zugute. "Diese Arten sind nicht vom Aussterben bedroht und finden immer etwas zu fressen", sagt die Nabu-Expertin. Gerade Marbach mit seinen Streuobstwiesen böte Vögeln genug Futter.

Bei Eis und geschlossener Schneedecke hilft den Vögeln die Winterfütterung dagegen. Charis Mutschler sagt, dass Vögel tatsächlich verhungern können, wenn dicker Schnee liegt oder es lange kalt ist, wie es im vergangenen Winter der Fall war.

Claus-Peter Hutter, der Präsident der Umweltstiftung NatureLife-International in Ludwigsburg, hält die Winterfütterung bei Wildvögeln ohne Einschränkung für "absolut sinnvoll". Auch wenn teilweise häufigere Arten wie Meisen oder Amseln gefüttert werden. Die Winterfütterung, sagt Hutter, sei immer ein Thema. Es verschärfe sich jedoch zunehmend.

Eine Ursache ist der Klimawandel. Anders als Langstreckenzieher wie Nachtigallen wandern Teilzieher - Finken oder Stare - je nach Witterung aus. "Die Wärmeperioden im Herbst und Winter gaukeln manchen Vogelarten Nahrungssicherheit vor, so dass sie nicht nach Süden ziehen", sagt Hutter. Plötzlich bricht dann die Kälte ein, es schneit, "und die Vögel können nicht mehr rechtzeitig über die Alpen hinweg ausweichen".

Der schrumpfende Lebensraum ist ein weiterer Grund, warum Hutter die Winterfütterung wichtig findet. Bauern bewirtschaften beispielsweise immer größere Flächen einheitlich. Das schränkt das Nahrungsangebot ein. Auch die schwindenden Hecken an Feldern lassen Vögel hungrig zurück. "Viele Landwirte haben außerdem die Tierhaltung aufgegeben", sagt Hutter. Deshalb fehlen Düngehaufen, die Buchfinken oder Goldammern als Nahrungsquellen dienen. Und der restliche Mist landet sofort in Güllesiedlungen. Die Folge: Vögel finden immer weniger Nahrung, besonders schwer fällt es ihnen im Winter.

Den Tieren natürliche Lebensräume anzubieten, ist der beste Vogelschutz, sagt Hutter. Die Winterfütterung sieht er als Ergänzung dazu. Gartenbesitzer könnten jetzt Laub und Reisig anhäufen. Oder in Komposthaufen mit dem Spaten frostfreie Stellen freischaufeln. Dort scharren Vögel nach Insekten. "Diese Futterstelle hält wegen Frost aber nicht allzu lange an", sagt Hutter. Im Frühjahr legen Gartenbesitzer bestenfalls "naturnahe Überlebensinseln" an: Gehölze, Hecken, heimische Beerensträucher wie Liguster, Holunder oder Weißdorn. "Vögeln hilft es auch, wenn man Wildstauden mit ihren Samenständen bis in den Winter stehen lässt", sagt Claus-Peter Hutter.

Für die Nabu-Expertin Mutschler steht die "naturnahe Gartengestaltung" an erster Stelle. Sie helfe den Vögeln deutlich mehr als die Winterfütterung. "Wer wirklich etwas für Vögel tun will, gestaltet und schützt ihren Lebensraum."

Kommentare (1)
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DEZ
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Sabine Schmidt, 16:53 Uhr

Vogelhaus

Sicher ist Vögel füttern nicht billig, aber es lohnt sich. Ich habe nun schon seit mehreren Jahren eine Vogelfutterstelle im Garten und freue mich immer wenn mehr Vögel zum knabbern vorbei schauen. Mein Häuschen hab ich bei www.vogelhaus-experte.de gekauft. Ich finde es wichtig dass jeder einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Vogelpopulation beiträgt. Lieber Gruß Sabine

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