Naturschutz im Kreis Ludwigsburg In den Wäldern dröhnen die Kettensägen

Von Julian Illi 

In diesen Tagen werden vielerorts im Kreis Ludwigsburg Bäume gefällt. Die Behörden begründen das mit Baumpflege in den Wäldern. Doch einige Bürger stören sich an den Arbeiten – und wehren sich jetzt.

Die Markierung bedeutet nichts Gutes für die Hochberger  Bäume. Foto: factum/Granville
Die Markierung bedeutet nichts Gutes für die Hochberger Bäume.Foto: factum/Granville

Kreis Ludwigsburg - Jürgen Zorn ist sauer. Direkt vor seiner Haustüre, im Hochberger Wald in Remseck, sind in den vergangenen Wochen einige Bäume mit Farbe markiert worden – für die Kettensägen der Forstarbeiter. Exakt 88 angesprühte Bäume hat Zorn gezählt, die meisten davon Eschen und Buchen. Viele davon stünden direkt am Waldrand, wenn diese gefällt würden, sei die Silhouette des Waldes „komplett zerstört“, meint der Remsecker.

Für Zorn sind die geplanten Arbeiten daher ein „unmögliches Vorgehen“. Unter den markierten Stämmen sei auch eine 100 Jahre alte Eiche, ein „echtes Naturdenkmal“. Außerdem sei der Hochberger Wald ein Landschaftsschutzgebiet, die geplanten Fällungen würden gegen Auflagen des Naturschutzes verstoßen.

Zorn hat kurzentschlossen eine Unterschriftenaktion in dem Remsecker Ortsteil gestartet, in wenigen Tagen hätten sich bereits mehr als 150 Unterstützer gefunden. Das Ziel sei es, die geplanten Arbeiten zu verhindern, mindestens bis in den März hinein. Denn danach dürfe das Forstamt ohnehin keine Bäume mehr umsägen.

In Remseck gibt es Widerstand gegen die Forstarbeiten

Im Landratsamt, das für die Forstwirtschaft in dem Wald verantwortlich ist, sieht man die Dinge etwas anders. Keineswegs sei eine flächenmäßige Rodung des Waldes geplant, sagt der Sprecher Andreas Fritz. Die markierten Bäume zu fällen sei eine völlig normale Pflegeaktion in dem Wald, die auch nur auf 20 Prozent der Fläche vorgenommen werde. Dort würden einzelne Bäume entnommen, am Randes des Waldes vor allem aus Gründen der Verkehrssicherheit. Das sei auch in Landschaftsschutzgebieten nicht verboten.

Um den Konflikt beizulegen, haben das Forstamt und die Bürger um Jürgen Zorn ein Treffen im Wald vereinbart. Klar ist laut Zorn, dass viele Hochberger verärgert sind: Spaziergänger, weil sie den Wald nicht nutzen könnten, Naturschützer, weil dort Greifvögel heimisch seien und Anwohner, die um die schöne Silhouette des Waldes bangten. Doch Ärger über dröhnende Sägen gibt es nicht nur in Remseck-Hochberg.

Auch in Freiberg und Ludwigsburg wird gesägt

In Freiberg wurden in den vergangenen Tagen entlang der Mühlstraße rund 100 Bäume gefällt, auch hier die meisten davon Eschen. Das Landratsamt begründet auch hier die Arbeiten mit der Verkehrssicherheit. Durch das Eschentriebsterben seien viele Stämme und Äste angegriffen und drohten, auf die Straße zu stürzen. Daher habe man die Bäume entfernt – ein Vorgehen, das der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in einer Mitteilung kritisiert. Das „ersatzlose Beseitigen großer Baumbestände“ sei ein „schwerer Rückschlag“, schreibt das Bündnis. Nach Meinung des Kreisvorsitzenden des BUND, Stefan Flaig, ist das Argument des Pilzbefalls der Bäume durch die Behörden nur vorgeschoben, um sich „aus der Verantwortung zu stehlen und künftig Pflegekosten zu sparen“. Die Naturschützer fordern vielmehr, die abgesägten Bäume zu ersetzen.

Auch im Ludwigsburger Favoritepark kreischen vom kommenden Montag an die Kettensägen. Am ersten Tag wird der Park daher für Besucher gesperrt. Vor allem kleinere Bäume würden entfernt, um Buchen und Eichen im Wachstum zu fördern, teilt das Landratsamt mit. Die Arbeiten seien im Vorfeld mit Naturschützern und Experten abgestimmt worden.

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