Krimikolumne

Neal Barrett jr. gestorben Alles geben, was man drauf hat

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Ob Krimi, SF, Western oder Comic, Neal Barrett jr. scheute vor nichts zurück. Der bei uns leider kaum bekannte Texaner war davon überzeugt, dass ein Schriftsteller unabhängig von den Bausteinen und Kulissen gute Geschichten erzählen sollte.

Etliche Bücher des US-Autors Neal Barrett jr. wurden zwar ins Deutsche übersetzt, aber sie blieben Geheimtipps. Foto: SFWA
Etliche Bücher des US-Autors Neal Barrett jr. wurden zwar ins Deutsche übersetzt, aber sie blieben Geheimtipps.Foto: SFWA

Stuttgart - Neal Barrett jr. war ein großartiger Kerl mit dem Humor der Angepissten. Er war nicht zufrieden mit dem Zustand der Welt und der Hirnbenutzungsbereitschaft seiner Mitmenschen, und er ließ uns das wissen. In Deutschland haben leider viel zu wenige Leser mitbekommen, was für prächtige Krimis der am 3. November 1929 in San Antonio, Texas, Geborene geschrieben hat, obwohl sie im Haffmans-Verlag und später als Taschenbücher bei Heyne verlegt wurden: „Pink Vodka Blues“, „Dead Dog Blues“, „Skinny-Annie-Blues“, „Bad Eye Blues“. Am 12. Januar ist Barrett im Alter von 84 Jahren gestorben. Sie sollten seine Bücher schnell aus dem Antiquariat fischen, bevor doch noch ein anderer auf die Idee kommt.

Zum Krimi kam Neal Barrett relativ spät, zuvor hatte er vor allem Science Fiction geschrieben – 2010 empfing er die Author-Emeritus-Ehrung der Science Fiction Writers of America (SFWA). Vielleicht war der Impuls zum Wechsel wirklich nur ein ökonomischer. Das aber macht den in Oklahoma City aufgewachsenen Amerikaner nur sympathischer, denn es bezeugt das Selbstverständnis, nicht der Altardiener irgendeines von Reinheits- und Überlegenheitskonzepten durchsetzten Genrekultes zu sein, sondern ein Berufserzähler, der dorthin geht, wo die Leute etwa erzählt bekommen wollen, und der sich so schlau und ideenhaltig wie möglich jener Formen zu bedienen hat, die das Publikum akzeptiert.

Was ein Profi tun muss

In Garretts Selbstbeschreibung klang das so: „Wie viele Vollerwerbsautoren habe ich Western geschrieben, Krimis, Horror, Kriegsfliegererzählungen, für die Hardy-Boys- und die Tom-Swift-Reihe, Bücher zu Filmen und Spielen wie ‚Judge Dredd’, ‚Barb Wire’ und ‚Dungeons & Dragons’. Eine meiner absoluten Lieblingsjobs ist das Schreiben von Comics – mittlerweile dürfte ich über 100 Seiten abgeliefert haben. Verstehen sie, genau das ist es, was Schriftsteller tun – sie schreiben das, was geschrieben sein will. Und mir ist klar geworden, dass ein echter Profi alles, was er drauf hat, in jedes Projekt steckt, das ihm nur unterkommt.“

Die von einem begeisterten Leser betreute inoffzielle Neal-Barrett-jr. Homepage bietet einen breiten Überblick über Barretts SF und sonstige Arbeit, enthält Links zu Print- und Audiointerviews sowie zu E-Book-Ausgaben. Und man möchte dann beispielsweise sofort jene Buchreihe lesen, in der Schweine die Welt regieren ...

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