Neckarweihingen Munition gefährdet das Grundwasser
Ludwig Laibacher, 03.02.2011 13:30 Uhr
Auch wenn der Jäger mal nicht ins Schwarze getroffen hat – die Umwelt wurde immer in Mitleidenschaft gezogen. Foto: factum/Archiv
Auch wenn der Jäger mal nicht ins Schwarze getroffen hat – die Umwelt wurde immer in Mitleidenschaft gezogen. Foto: factum/Archiv
Stuttgart - Das Grundwasser rund um den Schießplatz in Ludwigsburg-Neckarweihingen ist noch stärker gefährdet als bereits bekannt. Nicht nur die schiere Masse kleiner Bleikügelchen im Erdreich stellt eine Bedrohung für die Umwelt dar. Gefahr bedeutetet nach Ansicht der Experten im Landratsamt vor allem auch das der Munition beigefügte Antimon. Die Behörde dringt nun darauf, das Erdreich rund um die Anlage an manchen Stellen bis zu einer Tiefe von 90 Zentimetern das Erdreich abzugraben-bisher war man davon ausgegangen, dass 30 Zentimetern genügen. "Wir müssten etwa 8000 Kubikmeter Erde ausheben und wieder verfüllen", sagt Carsten Scholz, der Leiter des Fachbereichs Umwelt in der Behörde.

Bereits seit dem Jahr 1999 ist bekannt, dass der Boden des Schießstandsund angrenzender Äcker verseucht ist. Doch geschehen ist bisher nichts, nur die Kostenschätzungen für die dringende Sanierung fallen immer höher aus: Aktuell wird mit 1,6 Millionen Euro kalkuliert. Doch schon als die Beteiligten vor mittlerweile acht Jahren noch von Sanierungskosten von nur einer halben Million Euro ausgingen, war klar: weder der Ludwigsburger Schützenverein noch der Kreisjägerverein Hubertus, deren Mitglieder dort seit mehr als 50 Jahren üben, könnte das stemmen. Wiederholt ist deswegen nach einer Lösung gesucht worden, die die Verantwortlichen am Bodenaustausch beteiligt, sie aber nicht in die Insolvenz treibt.

Landratsamt duldet keine Kompromisse


Jetzt hat Scholz vorgeschlagen, die Vereine könnten den Betrag über 30 bis 40 Jahren abstottern. "Wir wollen die Vereine nicht an die Wand fahren, aber wir können dem Steuerzahler auch nicht zu viel zumuten", sagt der Fachbereichsleiter. "Das Land wird erst einmal einen Großteil der Kosten tragen müssen, aber wir werden das Geld von den Verantwortlichen wieder holen." Aus der Landesjagdabgabe könne im Übrigen nur ein Teil des Schadens beglichen werden. Der Kreisjägermeister Robert Kühn widerspricht: Die Kasse, in die jeder Jäger einzahle, solle gerade solche Schäden ausgleichen. Die Behörden bezahlten damit aber zu viele fachfremde Dinge.

Seit dem Jahr 2007 darf am Schießstand Neckarweihingen nur noch mit Weicheisenprojektilen geschossen werden. Über kurz oder lang solle nur noch eine etwa einen halben Hektar große Anlage für das Schießen auf Keiler und Kipphasen bestehen bleiben, sagt Kühn, das sei nötig für dieJägerausbildung. Die restlichen rund 3,5Hektar Gelände möchten die Vereine gerne an die Stadt abtreten. "Ludwigsburg könnte es als Ausgleichsfläche für Baumaßnahmen einsetzen und aufforsten", meint Kühn. Auf dem Areal müsse ja nicht unbedingt Weizen angebaut werden. Dann käme auch die Sanierung nicht so teuer.

Das Landratsamt indessen duldet keine Kompromisse. "Die Äcker um den Schießstand müssen so wiederhergestellt werden, dass keine Bedenken für die Landwirtschaft bestehen", sagt Carsten Scholz. Seit bekannt ist, dass die Erde verseucht ist, müssen die Landwirte, denen die Äcker rund um den Schießstand gehören, Einbußen hinnehmen: Sie dürfen nur noch Futtermais anbauen.
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