Neigetechnik spielt verrückt Notfahrplan für Neitec

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Es wird wohl noch viele Wochen dauern, bis die Neigetechnik wieder genutzt werden darf. Ein Notfahrplan berücksichtigt nun die Verspätungen auf den Strecken Stuttgart-Tübingen-Aulendorf und Ulm-Friedrichshafen-Basel.

Ein VT 612   neigt sich in die Kurve, doch  die Technik darf nicht  genutzt werden, Foto: DB AG
Ein VT 612 neigt sich in die Kurve, doch die Technik darf nicht genutzt werden,Foto: DB AG

Stuttgart - Im Prinzip ist die Neigetechnik in Triebwagen eine gute Sache: Wenn sich die Fahrzeuge wie ein Fahrradfahrer in die Kurven legen, lassen sich deutlich höhere Geschwindigkeiten erzielen, ohne Komforteinbußen für die Fahrgäste. Und wenn die Kurven mit 160 Kilometern in der Stunde durchfahren werden statt mit 120, führt zu deutlich geringeren Fahrzeiten. So beträgt der Zeitgewinn beispielsweise auf der Verbindung von Stuttgart nach Sigmaringen bis zu 18 Minuten, von Stuttgart bis Aulendorf sogar bis zu 25 Minuten.

Jedenfalls dann, wenn die Technik funktioniert. Leider tut sie das mitunter nicht. Zuletzt musste die Neigetechnik bei allen damit ausgerüsteten Triebwagen seit dem 19. Dezember abgeschaltet bleiben. Die Folge: Die Triebwagen fahren aufrecht und langsamer durch die Kurven, der Zeitgewinn ist dahin, die Fahrpläne sind nicht mehr zu halten. Die Technik bleibt aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, teilte die Bahn kürzlich mit, ein Ende der Störung sei nicht abzusehen.

Fahrplan wird Verspätungen angepasst

Von diesem Montag an sollen die Züge ungeachtet der technischen Einschränkungen wieder laut Fahrplan verkehren. Aber nur, weil dieser nachgebessert wurde. Die Verspätung kann durch verkürzte Standzeiten in den Bahnhöfen teilweise aufgefangen werden. Ohne Reserven wird der Fahrplan jedoch auch anfälliger.

Der Notfahrplan, er ist bereits in die elektronische Fahrplanauskunft eingearbeitet worden, soll zunächst bis Ende März gelten. Falls sich die Störungen früher beheben lassen, ist eine raschere Rückkehr zum bisher geltenden Fahrplan möglich. In der Fahrtrichtung Aulendorf–Stuttgart kommt es laut einer DB-Mitteilung nur zu geringfügigen Änderungen. In der Fahrtrichtung Stuttgart–Aulendorf erreicht der IRE Sigmaringen fünf Minuten, die Bahnhöfe zwischen Mengen und Aulendorf bis zu zehn Minuten später. Die Auswirkungen auf die Strecke Ulm-Friedrichshafen-Basel sind etwas größer.

Züge der HzL indirekt betroffen

Der Notfahrplan legt dennoch offen, dass Fahrgäste, die auf der Zollernbahn in Richtung Friedrichshafen unterwegs sind, ihren Interregio in Aulendorf verpassen werden. Sie müssen auf Züge der Bodensee-Oberschwaben-Bahn ausweichen und somit einen weiteren Zeitverlust in Kauf nehmen. Nicht nur das: Weil der Neitec langsamer unterwegs ist, hat das auch Folgen für manche Züge der Hohenzollerischen Landesbahn. Die müssen mitunter in den Bahnhöfen warten, bis der im Prinzip schnellere IRE-Zug der DB durch ist.

Im Triebwagen VT 611 wurde die Neigetechnik vor 20 Jahren eingeführt, in seinem Nachfolger, dem in vielen Bereichen neu konstruierten VT 612, nach 1998 verbessert. Hersteller Adtranz setzt nicht auf ein hydraulisches System, wie es im Falle der Pendolinos von Fiat in Italien verwandt wird. In Deutschland kommt ein System mit Elektromotoren zum Einsatz mit Anleihen an die Militärtechnik. Eisenbahner berichten von einer nahen Verwandtschaft zum Panzer Leopard II. Dessen Geschützrohr soll möglichst gerade ausgerichtet sein, unabhängig davon, ob das Fahrgestell des Panzers schräg steht.

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5 KommentareKommentar schreiben

DB-Neigetechnik: Es mußte ja eine db-eigene Zug-Neigetechnik sein. ------------------------------------------------------------------------------------- Man wollte nicht die FIAT-Neigetechnik TILTRONIX - aus basta. ------------------------------------------------------------------------------------- Alstom baut die Züge auch für Frankreich, Benelux, Spanien, Italien, Tschechien usw. auch für den hohen Norden (Finnland). Also die Ausrede, der Pendolino=FIAT ist nichts für Regionen nördlich der Alpen, zieht nicht. Deshalb bleibt nur noch der eine Grund: Lizenzgebühren einsparen. Einsparen wo es nur geht, das ist das Motto nummero 1 seit es die DB AG gibt. Auswirkungen sind zu genüge bekannt. Weiter so DB AG.

Es zeigt sich einmal mehr: daß wir weit mehr nicht können als hochdeutsch. Statt funktionierendem Rollmaterial macht man dann auch lieber dysfunktionale und unrentable Tiefbahnhöfle.

und das auch nicht richtig: Aber zu den Triebwagen, die sich in die Kurve legen: Da gab es seinerzeit die BR 610. Deutsche Super-Technik, funktionierte aber nicht + wurde ohne Kommentar stillgelegt. Fahrzeuge in Bayern mit der FIAT-Neigetechnik fuhren aber wohl.

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