Neuausrichtung bei Air Berlin Der Hauptstadtflughafen soll Air Berlin retten
Thomas Wüpper, 02.11.2011 20:07 Uhr
Umgeben von guten Freunden: Hartmut Mehdorn, Vorstandschef von Air Berlin (Mitte) posiert zusammen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (rechts) und dem Flughafenchef Rainer Schwarz bei einem Pressetermin.  Foto: dpa
Umgeben von guten Freunden: Hartmut Mehdorn, Vorstandschef von Air Berlin (Mitte) posiert zusammen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (rechts) und dem Flughafenchef Rainer Schwarz bei einem Pressetermin. Foto: dpa
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Berlin - In sieben Monaten soll Berlins neuer Großflughafen in Schönefeld eröffnet werden. Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin will den künftigen "Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt" zur Heimatbasis und Drehscheibe machen. Der neue Konzernchef Hartmut Mehdorn hat große Pläne, muss aber erst einmal das verlustreiche Unternehmen erfolgreich sanieren.

Gut zwei Monate nach seinem Amtsantritt präsentierte sich der frühere Bahn-Chef Mehdorn in Schönefeld erstmals öffentlich. Und das so, wie man ihn kennt: vital, energiegeladen, mit kühnen Aussagen. Mit 69 Jahren will es der Manager, der bei der Bahn am Börsengang und Datenskandal scheiterte, offenbar noch einmal wissen. Zu Bahn-Zeiten lag Mehdorn mit Berlins wiedergewähltem Regierungschef Klaus Wowereit mächtig über Kreuz. Der einflussreiche SPD-Politiker war gegen den Börsengang des Staatskonzerns, gegen den einst geplanten Umzug nach Hamburg und kritisierte den Manager wegen des Datenskandals scharf. Alles vergessen? In Schönefeld jedenfalls lächelten die Kontrahenten über die Animositäten einfach hinweg. Denn nun braucht man einander.

Die Fluglinie will ihre Passagierzahlenerhöhen

Denn wenn Air Berlin nicht aus der tiefen Krise kommt, ist auch der Erfolg des neuen Hauptstadtflughafens gefährdet. Die Fluglinie will ihre Passagierzahlen an der Spree bis 2020 von 8 auf 13 Millionen erhöhen, kündigte Mehdorn an.

Dazu darf sich der größte deutsche Konkurrent des Marktführers Lufthansa in Schönefeld so richtig breitmachen und bekommt exklusiv 24 Schalter für den Check-in, eine große Lounge für Vielflieger mit insgesamt 200 Plätzen sowie zehn Flugsteige. Das Unternehmen selbst investiert 25 Millionen Euro am Flughafen, unter anderem in einen großen Hangar. "Wir bauen voll auf den Standort Berlin", kündigte Mehdorn an.

Gute Nachrichten kann das Milliardenprojekt gebrauchen

Das hört Regierungschef Wowereit gerne. Denn gute Nachrichten kann das Milliardenprojekt gebrauchen. Zu viel lief schon schief beim neuen Hauptstadtflughafen, der eigentlich längst in Betrieb sein sollte. Nach dem Fall der Mauer wollten der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg den ersten deutschen Flughafen verwirklichen, der komplett privat geplant, finanziert, gebaut und betrieben werden sollte. Doch das Vorhaben versank nach vielen großspurigen Ankündigungen kläglich im Berliner Bausumpf. Gerichte, Staatsanwälte und Untersuchungsausschüsse mussten sich mit dem Skandal beschäftigen. Die privaten Bewerber Hochtief und IVG stritten zunächst erbittert miteinander, schlossen dann aber eine Allianz. Am Ende entschied die Politik, das Projekt lieber in staatlicher Regie durchzuziehen. Auch das führte aber zu weiteren Kostenerhöhungen und Terminverschiebungen. Mittlerweile aber sind die Berliner Strategen zuversichtlich, dass am 3. Juni 2012 tatsächlich die erste Maschine starten wird. Es spricht sogar vieles dafür, dass es ein rot-weißer Langstreckenflieger von Air Berlin sein wird.

Bis zu 27 Flugzeuge von Air Berlin täglich sollen künftig in Schönefeld landen, wo der Ausbau des einstigen DDR-Zentralflughafens noch auf Hochtouren läuft. Damit würde die Fluglinie gut ein Fünftel der Gesamtkapazität in Beschlag nehmen. Mit einem Marktanteil von einem Drittel ist Air Berlin schon bisher größter Kunde der Berliner Flughäfen.

Auch die Lufthansa will auf dem Hauptstadtflughafen expandieren

Unter anderem soll es tägliche Nonstop-Flüge nach New York sowie Miami und dreimal pro Woche nach Los Angeles geben. Für mehr als 10.000 Anschlussverbindungen ab Berlin sollen auch die Partnerfirmen der Allianz One World sorgen, der Air Berlin im Frühjahr beitreten will. Derzeit gibt es nur 13 Nonstop-Ziele aller Fluggesellschaften ab Berlin auf der Langstrecke. Auch die Lufthansa will auf dem neuen Hauptstadtflughafen expandieren, setzt aber weiter vor allem auf ihre Drehkreuze Frankfurt/Main und München.

Das Engagement von Air Berlin sei "ein wichtiges Signal für die Region", betont der Chef der staatlichen Flughafenholding, Rainer Schwarz. Zunächst allerdings muss die hochverschuldete Fluglinie in den kommenden Monaten aus dem wirtschaftlich gefährlichen Sinkflug kommen.

Kommentare (2)
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NOV
03
H. Meier, 10:16 Uhr

Die Spuren des Herrn Mehdorn

Daimler, Bahn und nun Air Berlin. Egal wo er war es blieb immer verbrannte Erde übrig, aber er hat immer gut daran verdient und seine Freunde eingeschleust. Mal sehen ob Grube auch noch zu Air Berlin wechselt, wenn er die Bahn ruiniert hat. Bei Daimler/Chrysler mussten nach Grubes größenwahnsinnigen Spielchen zehntausende ihren Arbeitsplatz räumen.

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NOV
03
W. Helfrich, 09:38 Uhr

Auch hier bin ich neugierig, was denn die Berliner dazu sagen!

Von 8 auf 15 Millionen steigende Passagierzahlen. Und die Kosten? http://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Berlin_Brandenburg Auch so eine Krake, die sich ins Land frisst. Bin neugierig, ob hier mit oder ohne Nachtflugverbot geplant wird?

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