Neubau des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Die Energiewende bekommt ein Gesicht

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Der Neubau für das Zentrums für Sonnenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg auf dem Stuttgarter Step-Areal soll energetisch Maßstäbe setzen. Die Wissenschaftler sind in ihrem Gebiet längst Weltrekordler.

Die Solarforscher des ZSW  sind Effizienz-Weltmeister in der Dünnschicht-Fotovoltaik; im Bild:  eine Beschichtungsanlage für CIGS-Solarzellen. Foto: ZSW
Die Solarforscher des ZSW sind Effizienz-Weltmeister in der Dünnschicht-Fotovoltaik; im Bild: eine Beschichtungsanlage für CIGS-Solarzellen.Foto: ZSW

Stuttgart - Der Standort ist markant: Der Neubau des Zentrums für Sonnenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) mit seinem viergeschossigen „Turm“ markiert zugleich die Einfahrt in das Step-Areal nahe dem Vaihinger Unicampus. Der 25 Millionen teure Bau werde „sicher auch eine architektonische Krönung des Step“, meinte Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) beim Richtfest am Donnerstag.

Auf 8000 Quadratmetern Nutzfläche bietet das vom Büro Henning Larsen Architects entworfene Gebäude dem ZWS erstmals die Möglichkeit, größere Forschungslabors, Werkstätten und Büros unter einem Dach unterzubringen. Das bedeutet, dass die 230 Forscher, die bisher auf drei Standorte verteilt und samt ihren Großgeräten sehr beengt untergebracht waren, demnächst auch räumlich in Sachen Energiewende Hand in Hand arbeiten können. Im Oktober soll der Neubau bezogen werden.

Land gibt acht Millionen Euro für den Neubau

Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) sprach von einem „wichtigen Entwicklungsschritt“. Denn seit seiner Gründung im Jahr 1988 habe das ZSW, das vom Land, den Unis Stuttgart und Ulm, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und von Wirtschaftsunternehmen als gemeinnützige Stiftung eingerichtet wurde, versucht, ein eigenes Gebäude zu bekommen, was unter anderem am Landeshaushalt gescheitert sei, wie der Minister einräumte. Jetzt sei es gelungen, acht Millionen Euro aus dem Landeshaushalt dafür locker zu machen – „das ist gut angelegtes Geld“, so Schmid.

Hinzu kommt, dass die Stadt Stuttgart für die Finanzierung weiterer 15 Millionen Euro eine Bürgschaft übernommen und dem ZSW das Filetgrundstück im Erbbaurecht überlassen hat. Der Neubau sei deshalb wirtschaftlich, weil man 2,2 Millionen Euro Miete im Jahr spare, rechnete Schmid vor. Mit seinen 32 Geothermiesonden und seiner Fassade aus Dünnschicht-Fotovoltaik-Modulen setze der Neubau auch energetisch Maßstäbe und werde somit der inhaltlichen Arbeit der Solarforscher gerecht, sagte der Minister.

Minister Schmid: Zentrum wichtig für Technologietransfer

Das ZSW hat die sogenannte Power-to-Gas-Technologie maßgeblich entwickelt – also eine Speichertechnologie von Elektrizität in Form von Wasserstoff und Methan. Und es hält den Effizienz-Weltrekord im Bereich der Dünnschicht-Fotovoltaik. Damit sei es auch international ein Aushängeschild. Vor allem aber sei das Zentrum „ein ganz wichtiges Instrument für Technologietransfer in Baden-Württemberg“, so Schmid. Denn zu den Aufgaben des ZSW gehört nicht nur die Forschung und Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, -wandlung und -speicherung, sondern auch, die Umsetzung der Ergebnisse in die industrielle Praxis voranzutreiben.

Auch Föll zeigte sich von den Erfolgen des ZSW beeindruckt und sprach von einem „Juwel in der Forschungslandschaft unserer Stadt“. Die Arbeit des Zentrums sei „maßgeblich für die wirtschaftliche Prosperität in der Zukunft“. Auch das Konzept des Neubaus, dessen Fotovoltaik-Fassade eine Leistung von 27 Kilowatt und dessen Solaranlage auf dem Dach weitere 20 Kilowatt bringen sollen, passe bestens zum Energiekonzept der Stadt Stuttgart, die im Jahr 2050 klimaneutral sein wolle. Frithjof Staiß, der geschäftsführende Vorstand des ZSW, sagte: „Das lange Warten hat sich gelohnt.“ Insbesondere wegen des Standorts im Step. Dort gehöre Technologietransfer ja ohnehin zum Programm. Bei der Feier beeindruckte Staiß die Gäste mit einem Tütchen mit Solarmodulen: „Damit können Sie ein Einfamilienhaus 30 Jahre lang mit Strom versorgen.“