Neubau in Besigheim Musterbuch des Betonbaus

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In Besigheim haben Wittfoht Architekten aus Stuttgart für das Bauunternehmen Köhler einen Neubau geplant, der Arbeitsplatz und Aushängeschild der Firma zugleich ist.

Der kompakte Solitär des Firmengebäudes scheint auf zurückgesetztem Sockel knapp über dem Boden zu schweben. Foto: Dietmar Strauß
Der kompakte Solitär des Firmengebäudes scheint auf zurückgesetztem Sockel knapp über dem Boden zu schweben. Foto: Dietmar Strauß

Besigheim - Ein bisschen versteckt hinter dem Freibad von Besigheim liegt, eingebettet zwischen Neckar und Äckern, das Gelände der Karl Köhler GmbH. Bis vor kurzem traf man dort auf ein unschein­bares Ziegelgebäude mit komischem, sargdeckelartigem Dachgeschoss und den Bauhof, auf dem Maschinen und Material des Bauunternehmens lagern. Normalfälle im allgegenwärtigen Gewerbegebietsgeraffel, das sich auch zu Füßen der malerisch über dem Fluss thronenden Altstadt breit macht. Neuerdings aber erhebt sich in vorderster Linie ein Bau, dem man ansieht, dass seine Erbauer mehr wollten, als das banale Nächstbeste: ein scharfkantiger, auf zurückgesetztem Sockel gleichsam schwebender Kubus aus Sichtbeton, ein ebenso sachlicher wie markanter Solitär, durch den sich die Firma eine „Adresse“ gibt, und ein Haus, das zugleich dem Ort, an dem es steht, Reverenz erweist.

Hauptsächlich war es den Brüdern Horst und Karl Köhler, die den wachsenden Betrieb in dritter Generation führen, darum gegangen, alle Mitarbeiter wieder unter einem Dach zusammenzubringen und ihnen attraktive Arbeitsplätze zu bieten. Ein Aushängeschild für die Betonbau-Kompetenz des Unternehmens sollte der neue Firmensitz aber auch werden, möglichst sprechend in seiner Erscheinung, aber – „Urangst jedes Schwaben“, wie Horst Köhler selbstironisch anmerkt – „nicht zu protzig“.

Aus einem Planungswettbewerb, den die Köhlers unter sechs Büros ausschrieben, gingen Wittfoht Architekten aus Stuttgart als Sieger hervor. Das kompakte Volumen hatte der Entwurf mit der Mehrzahl der konkurrierenden Teilnehmer gemeinsam. Was der Jury aber besonders gut gefiel, war das zentrale zweigeschossige Atrium mit seiner durch Lichtschlitze im Dach einfallenden natürlichen Belichtung, in dem Schulungen, Versammlungen und Firmenfeste stattfinden können.

Vor den Fenstern: die Hessigheimer Felsengärten

Um diese kommunikative Mitte herum gruppieren sich die Büros. Eine Wette, wer im Landkreis von seinem Arbeitsplatz aus die großartigste Aussicht hat, würden die Besigheimer Betonbauer mit dem Panorama der Hessigheimer Felsengärten spielend gewinnen. Die raumhohen Fenster mit ihren jeweils auf einer Seite „aufgeklappten“ Leibungen öffnen sich weit zu dieser vom Weinbau und den „schwäbischen Dolomiten“ geprägten Landschaft – was man vielleicht für eine Selbstverständlichkeit halten könnte. Das benachbarte Bürogebäude der Firma aus den Sechzigern nimmt von dieser Umgebung aber kaum Notiz, so dass sich an diesem Gegensatzpaar von alt und neu geradezu exemplarisch studieren lässt, was Architektur (unter anderem) dem bloßen Hochbau voraus hat. (Immerhin ist der frühere Sarg­deckel inzwischen einer erträglicheren Holzlamellen-Verkleidung gewichen.)

Unempfindlich sollte der Neubau sein, weil alle Mitarbeiter, vom „Schreibtisch­täter“ bis zum Polier, darin Platz finden sollen. Zugleich ist das Haus ein Musterbuch des Betonbaus im 1:1-Maßstab, um der Kundschaft die Fertigkeiten des Unternehmens vorzuführen. Die Balance zwischen den verschiedenen Anforderungen hält der Neubau so unangestrengt wie unaufdringlich, so elegant wie robust. Der auf Sicht­beton, Glas, Crailsheimer Muschelkalk und Industrieparkett beschränkte Material­kanon verträgt auch matschige Baustellenstiefel. Und die fugenfreien, mal makellos glatt geschalten, mal „gespitzten“, also behauenen Sicht­betonfassaden und –wände können mit der Betonvirtuosität der Schweizer ohne weiteres konkurrieren.