Neubaugebiet in Hemmingen Das New York des Strohgäus

Von Patricia Elsner 

Bis zu 800 neue Einwohner sollen in Hemmingen durch das Neubaugebiet Hälde im Norden der Gemeinde dazukommen. Der Bürgermeister will den Ort weiter entwickeln und die 8000-Einwohner Marke knacken.

Die Gleise der Strohgäubahn sind die Trennlinie der Hälde zum etwa ein Kilometer entfernten alten Ortskern. Eine Unterführung ist in der Planung. Foto: factum/Weise
Die Gleise der Strohgäubahn sind die Trennlinie der Hälde zum etwa ein Kilometer entfernten alten Ortskern. Eine Unterführung ist in der Planung. Foto: factum/Weise

Hemmingen - Almendstraße, Stangenweg und Flauchhalde: Die neu entstandenen Straßen im Neubaugebiet Hälde in Hemmingen tragen alte, historische Namen. Die Almendstraße zum Beispiel ist eine Anspielung auf die Almende – die Hemminger Wiese.

Genau 115 Häuser werden seit dem Jahr 2014 auf der rund 7,5 Hektar großen Hälde gebaut. Etwa 220 Wohnungen sollen dabei entstehen. „Wir rechnen mit 500 bis 800 neuen Bürgern, die künftig ein neues Zuhause in der Hälde in Hemmingen finden werden“, sagt der Bürgermeister Thomas Schäfer. Er glaubt, dass damit die 8000-Einwohner-Marke im Ort zeitnah geknackt werden könne.

Bereits vor mehr zehn Jahren hatte die Gemeindeverwaltung das Gebiet auf der Hälde in ihren Flächennutzungsplan aufgenommen. Zusammen mit dem westlich davon gelegenen Gebiet Herzengrund. Auch hier würde Bürgermeister Schäfer gerne neue Wohnungen und Häuser bauen. Allerdings will der Besitzer sein etwa 5,5 Hektar großes Grundstück nicht verkaufen: „Das lohnt sich im Moment gar nicht. Wer klug nachdenkt, verkauft heutzutage nicht“, sagt Ulrich Freiherr von Varnbüler. „Außerdem: Ein bisschen landwirtschaftliche Fläche muss erhalten bleiben“, ist er überzeugt.

Neuer Kindergarten mit Eigentumswohnungen

Viel freie Ackerfläche gibt es rund um das neue Gebiet. Zehn Mehrfamilienhäuser stehen am Rand der Hälde, direkt vor dem Feld, in dem gerade Zuckerrüben geerntet werden. Weiter südlich folgen die Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften.

Noch sieht alles recht einheitlich aus. Das soll sich allerdings bald ändern. „Die Hausbesitzer können ihre Häuser so gestalten, wie sie möchten“, sagt der Bürgermeister. „Natürlich im Rahmen der Bauvorgaben.“ Falls jemand sein Haus pink anstreichen wolle, könne er aber auch dies gerne tun. Man gehe hier mit dem Zeitgeist, sagt der Rathauschef. Toskanische Dächer, wesentlich flachere Satteldächer die von allen vier Seiten gleich aussehen, seien deshalb beispielsweise mit in die Baupläne aufgenommen worden.

Am westlichen Rand entsteht ein Kindergarten mit 50 Kindergartenplätzen und zehn Krippenplätzen. Darüber werden drei Eigentumswohnungen angeboten. „Wir hatten die Möglichkeit, hoch zu bauen, wieso sollten wir das nicht nutzen und auf die Tagesstätte noch Wohnungen aufsetzen“, sagt der Bürgermeister pragmatisch.

Anfangs habe die Stadtverwaltung Sorge gehabt, ob sich die Bauplätze überhaupt verkaufen werden, sagt der Bürgermeister. Das erwies sich als unbegründet. Die Grundstücke, die die Gemeinde von den 50 bis 60 Grundstücksbesitzern erworben hatte, seien mittlerweile alle verkauft, sagt Schäfer. Allerdings seien einige der Besitzer noch bereit, weitere Grundstücke zu veräußern – und es stehen noch Häuser zum Verkauf bereit. „Der Bedarf in der Gemeinde ist da“, sagt Schäfer.

Was Hemmingen und New York gemein haben

Um den Ortsteil attraktiver und besser erreichbar zu machen, sollen die Bürger die Hälde über eine Unterführung und einen oberirdischen Übergang von der Stadt aus besser erreichen können. „Die Hälde soll keine Trabantenstadt werden“, sagt Schäfer. „Daran arbeiten wir.“ Denn noch trennen die Bahngleise die Neubürger von einem direkten Zugang zur anderen Straßenseite. „Die abgestimmten Planungen der Überführung und der Unterführung liegen derzeit beim zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart. Wir warten auf den Abschluss des Plangenehmigungsverfahrens“, sagt Schäfer. Er hofft, dass die Bauarbeiten zur Unterführung Anfang des nächsten Jahres beginnen können.

Über den Schlosspark ist die Ortsmitte, die etwa einen Kilometer entfernt liegt, bereits jetzt erreichbar. „Wenn ich mich eines abstrakten Bildes bedienen darf, dann stelle ich mir Hemmingen vor wie New York“, sagt Schäfer. „In der Mitte der Schlosspark, und außenrum Hemmingen, so wie der Central Park im Centrum New Yorks liegt.“

Weitere Flächen im Ort und im Süden

Auch im Ort selbst möchte der Bürgermeister noch Bauplätze ausweisen. Die Gemeinde sei im Besitz von mehreren Grundstücken, die in nächster Zeit bebaut werden sollen. Zum Beispiel an der Laurentiusstraße. Dort soll ein neuer Kindergarten entstehen. Auch den Bedarf an Pflegeheimplätzen gebe es . „Allein im kommenden Jahr haben wir 90 Bürger, die 80 Jahre alt werden“, sagt der Bürgermeister.

Weitere Flächen, die entwickelt werden können, gebe es noch im Süden des Ortes. „Hemmingen liegt in einer Region mit vielen prosperierenden Firmen. Der Bedarf an Wohnraum ist sicherlich da“, sagt Schäfer.