Neubaustrecke für Stuttgart 21 Bahn rechnet intern mit weiterer Verspätung

Von , Berlin 

Offiziell soll die Schnellbahntrasse für Stuttgart 21 von Wendlingen nach Ulm im Jahr 2020 fertig sein – jetzt wird’s wohl 2021.

Über diese Brücke bei Weilheim fahren wohl erst 2021 die ersten Züge. Foto: Rudel 23 Bilder
Über diese Brücke bei Weilheim fahren wohl erst 2021 die ersten Züge.Foto: Rudel

Stuttgart - Laut einem Dossier der Deutschen Bahn (DB) wird die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm frühestens Ende 2021 fertig sein. Damit könnte auch der Bahnknoten Stuttgart 21 erst später in Betrieb gehen. Von einer erneuten Korrektur des Fertigstellungstermins um mindestens ein weiteres Jahr hat die Bahn den Projektpartnern, den Aufsichtsräten und der Öffentlichkeit aber nichts mitgeteilt. Das Dossier von Anfang März, aus dem diese Information stammt, liegt bisher unter Verschluss.

Nach der letzten Sitzung des Lenkungskreises, an der am 23. März die Projektpartner Bahn, Land, Stadt Stuttgart und Verband Region Stuttgart teilgenommen hatten, räumte Bahn-Technikvorstand Volker Kefer lediglich ein, dass Stuttgart 21 teurer und später fertig wird. Die Kosten für den Bau des Tiefbahnhofs lägen nun bei 4,33 Milliarden Euro. Das Gesamtprojekt werde erst im Dezember 2020 in Betrieb gehen können – ein Jahr später, als die DB noch zur Volksabstimmung versprochen hatte. Diese „harmonisierte“ Terminplanung wurde auch dem Prüfausschuss des DB-Aufsichtsrats schriftlich vorgelegt.

Ein Projektdossier der DB Netz AG, das von Anfang März 2012 datiert und der Stuttgarter Zeitung vorliegt, belegt aber zweifelsfrei, dass die Fachexperten des Staatskonzerns bei der geografisch schwierigen Trasse von Wendlingen nach Ulm auch mit viel größeren Verzögerungen rechnen. Bei der 64 Kilometer langen ICE-Strecke, deren Kosten momentan auf 2,89 Milliarden Euro beziffert werden, gibt es erhebliche Genehmigungs-, Bau- und Finanzierungsprobleme.

Genehmigungs-, Bau- und Finanzierungsprobleme

Auf Seite 3 des internen DB-Dossiers wird der Projektstand ausführlich in einer Tabelle dokumentiert. Bei allen sechs Bauabschnitten zwischen dem Albvorland und dem Bahnhof Ulm heißt es jeweils in der Spalte Inbetriebnahme: „vsl. 12.2021“. Öffentlich hatte die DB lange Zeit eine termingerechte Fertigstellung bis Ende 2019 fest versprochen. Erst in den am 16. März – also nach dem internen Dossier – erstellten DB-Unterlagen, die Technikvorstand Kefer dem Lenkungskreis und dem Prüfausschuss des Konzernaufsichtsrats vorlegte, wurde als Termin für die Inbetriebnahme erstmals „12/2020“ genannt, damit aber nur eine Verzögerung um ein Jahr eingestanden. Das interne Dossier der DB Netz von Anfang März belegt nun, dass die zuständigen Experten in Kefers Fachbereich schon Wochen vor der Sitzung des Lenkungskreises mindestens zwei Jahre Verspätung erwartet und dies auch schriftlich so fixiert haben.

198 Kommentare Kommentar schreiben

Nichts geändert, außer gesparten Kosten!: @Bimbam: es ist schade, dass sie immer noch nicht verstanden haben, dass sich seit 2007, und damit auch seit der letzten Wirtschaftlichkeitsberechnung aus 2010, NICHTS an den Erwartungen geändert hat. Die Bahn hat lediglich die damals gegenüber 2003 reduzierten Güterzugumfänge in ihre Planungen eingearbeitet, um die Kostenseite zu optimieren. Damit wird das Gesamtprojekt insgesamt wirtschaftlicher als noch 2010 angenommen.

Neubaustrecke: Wirtschaftlichkeit ist nicht mehr gegeben!: Um es noch mal ganz klar zu sagen: wenn jetzt nur noch die wenigen Güterzüge auf der NBS geplant sind, was angesichts des starken Gleisgefälles auch richtig ist, dann ist die Wirtschaftlichkeitsberechnung (angenommen 40 Güterzüge) der Neubaustrecke hinfällig! Eine Neuberechnung ohne Güterzüge bedeutet, dass die NBS von Bund und EU gesetzlich nicht mehr gefördert werden darf.

Die Brücke in der Landschaft: Letztes Jahr hieß es noch, die Brücke bei Aichelberg müsse ganz schnell gebaut werden, weil sonst die Zeitpläne der Bahn nicht eingehalten werden können. Es war wohl eher so, dass man die Brücke schnell vor der Volksabstimmung hinstellen musste, um die möglichen Ausstiegskosten aus S21/Neubaustrecke in die Höhe zu treiben. Denn seit der Volksabstimmung ist an der Brücke kaum mehr was gearbeitet worden. Warum wohl ?

@Aufmerksamer Leser –„untertänigsten Dank“ für das Füllhorn an Komplimenten über meine „freien Erfindungen: Um ihr Ego nicht anzutasten, nehme ich hiermit die Behauptung der NKF für die NBS basiere auf Kosten von 2,0 Mrd EUR zurück. Allerdings handelt es sich um keine freie Erfindung, sondern um einen Irrtum in der Zeitschiene (zum Zeitpunkt der Überarbeitung des BVWP waren die Kosten in de Tat schon von 2,0 Mrd EUR auf 2,9 Mrd EUR korrigiert) Bleibt natürlich die „Kleinigkeit“, dass die 2,9 Mrd ohne Normalisierung und ohne Rsikopuffer kalkuliert sind auf Preisbasis 2009. http://www.schlichtung-s21.de/fileadmin/schlichtungs21/Redaktion/pdf/101126/Kefer_Kosten_Neubaustrecke_Wendlingen-Ulm_2010-1 Heute schreiben wir 2012 – 3 Jahre + 2 Jahre Verzögerung Fertigstellung = 5 *1,5% = 7,5% Inflation = 3,1 Mrd EUR Kosten, Stand 2012 ohne – ich wiederhole mich – Auswirkungen auf den NKF. (Risken gibt es ja ohnehin keine bei der NBS, sowenig wie beim Bau des Tiefbahnhofes) ____________________________________________________________ Was die „erfundenen“ Zugzahlen anbelangt, hier die Bildunterschriften und die aus dem Bild abgelesenen Zahlen Abbildung 9.3-4: Streckenbelastungen des Schienengüterverkehrs im Bezugsfall B0 im Auswirkungsbereich des Planfalles 4 (41/39 Züge) Abbildung 9.3-8: Streckenbelastung des SGV im Zielnetz im Auswirkungsbereich des Planfalles 4 Alt: (47/49 Züge) NBS (<8/>8 Züge) Wenn ich etwas falsch interpretiert habe, oder die falschen Abb.en genommen, bitte korrigieren. ____________________________________________________________ Zu der „genialen“ Konstruktion des ortsunabhängigen Nutzens ist nur zu sagen, das dies Wunschdenken ist, schon heute wird die Altstrecke wegen der teuren Schiebelok gemieden, d.h. es gibt bereits freie Kapazitäten. Dazu das passende „Lügenmärchen“: http://parkschuetzer.org/presse/Hintergrundinfos_extern/Behnsen_Die_Zukunft_war_gestern.pdf

Lesen bildet!: @Aufgeklärter, @Erwin Kober, es würde Ihnen beiden extrem gut tun, wenn Sie damit anfangen würden Dokumente sorgfältig zu lesen, BEVOR Sie dazu Behauptungen aufstellen, und insbesondere bevor Sie Behauptungen WIEDERHOLEN, von denen Ihnen bereits mitgeteilt wurde dass diese nicht stimmen.

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