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Neue Bibel-Generation räumt Preise ab
"Filder-Zeitung", 30.08.2011 02:45 Uhr
Möhringen. Die erste Auflage ist bereits vergriffen. Basisbibel übertrifft Erwartungen der Deutschen Bibelgesellschaft (DBG). Von Kai Müller

Das Projekt "Basisbibel" hat Markus Hartmann die eine oder andere unruhige Nacht beschert. "Es war fast nicht möglich abzuschalten", sagt der Verlagslektor. Er ergänzt: "Es gab Tage, da saß man an der Übersetzung von drei Versen und ist fast verzweifelt." Dennoch will der 38-Jährige diese Episode seines Lebens keinesfalls missen: "Es war ein Privileg, das machen zu dürfen."

Es war ein echtes Mammutprojekt, das die DBG im vergangenen Jahr abgeschlossen hat. Seit dem Herbst ist die neue Generation Bibel, wie die DBG vollmundig wirbt, im Handel und hat die Erwartungen übertroffen "Die erste Auflage ist vergriffen", erklärt Hartmann. Fünf Jahre begleitete er als Lektor die Übersetzungsarbeit.

Die ersten Überlegungen reichen aber bis zu einer Vollversammlung der DBG vor zehn Jahren zurück. Damals beschäftigte sich das Gremium mit der Frage, wie eine zeitgemäße Heilige Schrift aussehen muss. Das Ergebnis der Debatte war ernüchternd: Keine der Übersetzungen sei für Jugendliche geeignet. Schnell war man sich einig, dass dies nicht an der äußeren Form liegt. "Es war das Signal, etwas tun zu müssen", sagt Hartmann. Schließlich ist der Stiftungsauftrag klar formuliert: Die DBG hat sich die Verbreitung der Bibel auf die Agenda geschrieben.

13 Übersetzer machten sich daran, das Neue Testament aus dem griechischen Originaltext zu übersetzen und das Zukunftsprojekt in die Tat umzusetzen. Die Maßgaben glichen einer Quadratur des Kreises: Die deutsche Version sollte nah am Urtext dran sein, zugleich sollte auf lange Schachtelsätze verzichtet werdenund die Sprache möglichst einfach und prägnant sein. Die Vorgabe, höchstens 16 Wörter pro Satz, wurde in der Regel eingehalten.

Damit die Verständlichkeit gewährleistet ist, stehen am Rand neben dem übersetzten nicht nur Erklärungen, sondern finden sich zugleich auch weitergehende Informationen zu der Passage im Internet. Dort gibt es auch Videos. "Das ist natürlich weiter ausbaufähig", sagt Hartmann, der das Projekt Basisbibel gemeinsam mit seinen Kollegen Hannelore Jahr, Mathias Jeschke und Christian Brenner vorangetrieben hat. Im Team wurde dann oftmals um die richtigen Wörter gerungen.

Der Verlagslektor sieht die neue Generation Bibel, die auch durch ihre kräftigen Farben ins Auge sticht, als "Sprungbrett zur Lektüre der Heiligen Schrift". Gleichwohl soll die neue Version, die für "medienaffine Nutzer" gedacht ist, die Luther-Bibel nicht ablösen: "Das wollen wir nicht gegeneinander ausspielen. Die Luther-Übersetzung bleibt unser Premiumprodukt."

Natürlich habe es auch kritische Stimmen gegeben, als die Basisbibel auf dem Markt kam: "Sie waren aber in der Minderheit." Einen jugendlichen Jargon habe man bewusst nicht verwendet, sondern eine "zeitlose Sprache" und einen "zeitlosen Satzbau". Hartmann ist stolz darauf, dass er an einem Projekt beteiligt war, das es so zuvor nicht gegeben hat und natürlich auch darauf, dass die Basisbibel in der jüngsten Zeit einige Preise abgeräumt hat. Dazu zählten unter anderem der Goldene Löwe, der Internationaler Designpreis für Kommunikation in Cannes und der erst kürzlich verliehene "red dot award communication design". Weitergehende Pläne gibt es bereits. So soll nicht nur das Neue Testament in der anderen Form erscheinen. Derzeit werden die Psalmen übersetzt. "Ziel ist eine Vollbibel, sonst wird die Basisbibel immer in einer Nische bleiben", sagt Hartmann. Konkrete Pläne gebe es da aber noch nicht. "Was die Textmenge betrifft, ist das Alte Testament auch eine Nummer größer", erklärt der Verlagslektor. Von der neuen Übersetzung ist auch der Blindenschriftverlag begeistert. Er hat einen Basisbibel in Braille-Fassung herausgebracht.

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