Die scharfen Kufen kratzen geräuschvoll über die weiße Fläche, ziehen mit jedem Schwung tiefe Furchen in die Eislaufbahn. In jeder Kurve und bei jedem Abbremsen der Läufer staubt das abgekratzte Eis wie Schnee auf. Diese Atmosphäre können in dieser Woche alle interessierten Zuschauer in der neuen Eiswelt in Degerloch genießen: Am Freitag und Samstag nehmen internationale Profis und ebenso der Nachwuchs die spiegelglatte Eisfläche unter ihre Kufen - zum bereits 21. Mal findet dort der Heiko-Fischer-Pokal im Eiskunstlaufen statt. "Wir sind in den letzten Zügen der Organisation", sagt Stefanie Schorn, Vorsitzende des Vereins tus Stuttgart Eissport, der das Gedächtnisturnier seit 1990 organisiert. Im Jahr zuvor war der erfolgreiche Eiskunstläufer Heiko Fischer im Alter von nur 29 Jahren an den Folgen eine Herzmuskelentzündung gestorben. Seither wird ihm jährlich mit dem großen, internationalen Turnier gedacht.
Lediglich einmal musste die traditionelle Veranstaltung aussetzen. Während des Jahres 2011 wurde der Austragungsort, das ehemalige Eissportzentrum auf der Waldau grundlegend umgebaut. 8,5 Millionen Euro hat die Stadt in das Projekt investiert, das nun den Namen Eiswelt trägt.
Doch nicht nur der Name hat sich verändert. "Die Halle ist jetzt viel attraktiver für die Läufer geworden", erzählt Schorn, die sich auf die Veranstaltung in der modernisierten Umgebung freut. Die Umkleiden sind schöner, die Technik fortschrittlicher, und "wir haben jetzt eine richtige Zuschauertribühne", sagt sie Das werde sicher auch die Zuschauer sehr freuen und vielleicht noch mehr Fans am Freitag und Samstag in die Halle locken, meint Schorn.
Gemütlich sitzend können sie dann die Läufe der 70 Sportler aus sechs europäischen Nationen genießen. Zum Bedauern der Organisatoren sind es heuer weit weniger Teilnehmer als üblich. In den vergangenen Jahren haben im Durchschnitt jeweils etwa 120 Eiskunstläufer teilgenommen. "Ich denke, das liegt aber nur am Termin", sagt Stefanie Schorn. Normalerweise findet das Gedächtnisturnier nämlich im Februar statt, möglichst nahe am 25., dem Geburtstag von Heiko Fischer. "Dieses Jahr war es terminlich einfach nicht anders möglich wegen anderer Wettkämpfe und Meisterschaften", erklärt die Vorsitzende des tus Eissport.
An Arbeit mangelt es den rund 30 ehrenamtlichen Helfern trotz weniger Startern jedoch nicht. "Ohne die Hilfe der Vereinsmitglieder, wäre das ganze nicht machbar", sagt Schorn. Es gebe viel zu organisieren. Die Ausschreibung, die Anmeldung und die Gelder müssen verwaltet, die Hotelzimmer für die Läufer und Preisrichter gebucht sowie kleine Geschenke und Essen gekauft werden. "Die Unterstützung ist wirklich großartig. Auch die Hilfe, die wir von der Stadt bekommen", sagt Schorn.
Die fleißigste Helferin ist seit jeher Helga Fischer. Die Mutter des fünfachen deutschen Meisters hat das Turnier nicht nur initiiert, sondern ist auch jedes Jahr von Anfang bis Ende dabei. Von der Eröffnung bis zur Preisverleihung. Bei dieser wird auch in diesem Jahr wieder neben den Preisen der Einzelwertung auch der begehrte Wanderpokal für die Gesamtwertung übergeben. Momentan ist der noch im Besitz des Teams Schweiz, das den Pokal durch die einjährige Pause gleich zwei Jahre in seiner Vitrine bewundern hatte können. Von Freitag an müssen sich die Eidgenossen aber wieder der hochkarätigen Konkurrenz stellen, die um den begehrten Pokal kämpfen werden. Ob bei Pflicht oder Kür - der Leitspruch von Heiko Fischer wird für alle gelten: "Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten."
Beginn des Heiko-Fischer-Pokals 2012 ist am Freitag, 13. Januar, um 11 Uhr in der Eiswelt. Die Wettbewerbe beginnen um 14 Uhr mit dem Kurzprogramm und dauern bis 22 Uhr. Am Samstag werden von 9 bis 18 Uhr die Küren gezeigt. Die Meisterklasse, die Senioren-Damen und Senioren-Herren, starten am Freitag gegen 21 Uhr mit dem Kurzprogramm und am Samstag gegen 16.45 Uhr mit der Kür. Die Siegerehrung findet um 18 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.
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