Neue Internetdomänen Billigfusel soll nicht „.vin“ heißen dürfen

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Die französischen Winzer sind alarmiert: Die US-Internetagentur Icann hat die Internetdomänen „.wine“ und „.vin“ einfach an den Meistbietenden versteigert. Sie fürchten, dass sich unseriöse Anbieter diese unter den Nagel reißen.

Frankreich will – wie hier bei der Ernte in  der Region Bordeaux – seine Weintradition ­schützen. Foto: AFP
Frankreich will – wie hier bei der Ernte in der Region Bordeaux – seine Weintradition ­schützen.Foto: AFP

Paris - Könnenein paar Buchstaben den globalen Weinhandel aushebeln? Das befürchten immer mehr Weinproduzenten in der Welt, vor allem aber in Frankreich. Schuld ist die an sich private, aber von der US-Administration abhängige Internetagentur Icann. Die „Internet Corporation for Assigned Names and Numbers“ gibt neue Internet-Endungen heraus und wollte auch den kommerziell wertvollen Domainnamen .wine und ihre französische Entsprechung .vin an die Meistbietenden verkaufen.

Drei Unternehmen aus den USA, Irland und Gibraltar bewarben sich schon vor zwei Jahren für den Kauf dieser Endungen. Im April erwarb die US-Firma Donuts beide Domain-Namen für die bescheidene Summe von 185 000 Dollar, um sie dann mit Gewinn weiterzuverkaufen. Auflagen werden den Händlern, die solche Endungen kaufen, nicht gemacht. Wenn sie auf „champagne.vin“ gepanschten Krimsekt anbieten wollen, ist das ihr Bier.

Das hat den französischen Winzern die Augen geöffnet. „Ein chinesischer Weinhändler könnte die Domäne ‚Bordeaux.wine’ schaffen und darüber Billigfusel vertreiben, der nichts mit einem geschützten Weingebieten zu tun hat“, sagt Pascal Bobillier-Monnot vom französischen Branchenverband Cnaoc. Auf der Strecke blieben auch die aus dem 19. Jahrhundertstammenden, genauen Regelungen für die Ursprungsbezeichnungen für angesehene französische Weine. Indirekt würden auch eifersüchtig geschützte Markennamen wie Champagne aufgeweicht.

Auch US-Winzer zeigen sich solidarisch

Deshalb schlägt nun die gesamte französische Weinbranche Alarm. Winzer aus Spanien und Italien haben sich ihnen angeschlossen - und selbst Berufskollegen im kalifornischen Napa Valley schlagen sich auf ihre Seite. Sie wollen ganz einfach, dass Icann die Domänen .wine und .vin streicht. Das Nonprofit-Unternehmen stellt sich aber taub und beruft sich auf die Unterstützung von Staaten wie den USA, Australien oder Neuseeland. Die stören sich nicht daran, wenn der digitale Weinhandel ungeschützt in private Hände übergeht, auch wenn das sämtliche Branchenregeln auszuhebeln droht.

In diesem Kulturkampf zwischen Produzenten- und Händlermentalität greift nun auch die Regierung in Paris ein. Axelle Lemaire, Frankreichs Ministerin für digitale Fragen, droht Icann in einem harschen Brief mit Folgen. Die Vergabe der Wein-Domänen sei „undurchschaubar“, schrieb sie vor dem Icann-Treffen von dieser Woche in London. Werde Schindluder oder gar unkontrollierter Betrug damit betrieben, könnten Traditionen einer ganzen Berufszunft durch den Online-Wildwuchs zerstört werden. Abhilfe gibt es laut der Regierung in Paris nur, wenn Icann unter die Kontrolle der UN käme. So einsichtig der Vorschlag ist, hat er doch gegen die USA keine Chancen. Washington hat zwar Anfang des Jahres verlauten lassen, einer gewissen öffentlichen Mitsprache bei Icann stehe nichts im Weg. Die Unterstellung unter eine internationale Rechtsprechung komme aber nicht in Frage.

Auch die französische Forderung, Endungen wie .wine fallenzulassen, scheiterte auf der Icann-Tagung. Frankreichs Ministerin Lemaire erklärte am Donnerstag wutentbrannt, das Icann sei „nicht mehr das geeignete Gremium, um über die Internet-Regulierung zu disktuieren“. Sie werde deshalb bei der EU vorstellig, um Abhilfe zu schaffen. Zudem würden auch die Freihandelsgespräche zwischen USA und EU „gefährdet, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius. So kampflos wie die Italiener die Endung .pizza verloren haben, werden die Franzosen ihren .vin bestimmt nicht aufgeben.