""Die CDU ist mit großem Abstand stärkste Kraft. Sie verfügt über eine intakte Substanz.""
Thomas Strobl, CDU-Generalsekretär
Stuttgart - Nur in einem sind sich die Parteien einig: die am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" sei eine "Momentaufnahme". Bei CDU, SPD und FDP dient diese Einschätzung der Schadensbegrenzung, bei den Grünen dazu, Übermut zu dämpfen. "Wir nehmen den Rückenwind gerne zur Kenntnis und hoffen, dass er bis März trägt", lässt die Grünen-Landeschefin Silke Krebs ausrichten. 24 Prozent für ihre Partei lässt diese zur zweitgrößten politischen Kraft im Land werden - wenn auch punktgleich mit der SPD.
Grüne erzielen Rekordhoch
Damit erzielen die Grünen ein Rekordhoch. Die SPD erholt sich leicht vom 19,3Prozent-Landesergebnis bei der Bundestagswahl 2009. Bei anderen Umfragen lagen die Genossen dieses Jahr aber schon bei 25 Punkten. "24 Prozent stellen uns nicht zufrieden", sagt der Generalsekretär der Landes-SPD, Peter Friedrich. "Da ist wahrlich noch Luft nach oben." Doch: "Der politische Wechsel ist nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich", sagt Friedrich. Das gefällt den Sozialdemokraten.
Friedrich muss einräumen, dass die SPD beim Thema Stuttgart 21 "ein Stück weit innerlich zerrissen ist"; denn "das lässt auch unsere Wählerschaft nicht kalt". Wenn man von Kommunikationsfehlern spricht, "haben wir als SPD sicher auch nicht alles richtig gemacht". Das will man ändern: innerparteilich soll der Diskussion jetzt "breiter Raum" geboten werden.
FDP nimmt eine Zwischenposition ein
Die FDP nimmt eine Zwischenposition ein: "Die Werte sind Wasserstände, die mit der Stimmung im Bund und Stuttgart 21 zu tun haben mögen", erklärt der Chef der liberalen Landtagsfraktion gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Doch sei die Umfrage noch keine seriöse Prognose für die Wahl am 27. März nächstes Jahr. Die FDP sehe jedenfalls keinen Anlass, ihre positive Haltung zu Stuttgart 21 zu revidieren.
Bei der CDU überwiegt noch immer die Einschätzung, das Umfragetief hänge mit der bundespolitischen Stimmungslage zusammen. Zwar sei es versäumt worden, "die Menschen über Stuttgart 21 umfassend und richtig zu informieren", stellt der Generalsekretär der Südwest-CDU, Thomas Strobl, fest. "Daran müssen wir nun arbeiten." Bei seiner Reise durchs Land treffe der Ministerpräsident aber auch "viele Menschen, die von den kürzeren Fahrzeiten im Regionalverkehr begeistert sind".
Bundesregierung beeinflusst Umfrage
Das - ramponierte - Ansehen der Bundesregierung beeinflusse das Ergebnis der Umfrage mehr als die Landtagswahl 2011. "Insofern ist die Umfrage ein Warnsignal", sagt Strobl. Doch zeige sie auch, dass die CDU "die mit großem Abstand stärkste Kraft" sei und "über eine intakte Substanz" verfüge.
Der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Peter Hauk, sieht die aktuelle Dominanz des Themas Stuttgart 21 auch als Folge der nachrichtenarmen Zeit. "Ich bin überzeugt, dass die Menschen in den nächsten Monaten weitere Themen beschäftigen werden." Die Union werde sich bemühen, landespolitische Themen wieder in den Vordergrund zu rücken. "Die Leute müssen wissen, dass sie sich darauf verlassen können, dass wir über den Wahltag hinausdenken und nicht auf kurzfristige Stimmungen eingehen." Die Linke wäre dieser Umfrage zufolge nicht im Landtag.