Neue Pächter des Fernsehturms
"Tagsüber Café, abends Bar"
Fragen von Matthias Ring,
23.06.2010 11:07 Uhr
Blick vom Turm: die neuen Pächter Alex Deißler (links) und Leif Urtel wollen oben mit der Aussicht punkten und unten mit regionalen Spezialitäten locken. Foto: factum/Granville
Stuttgart - Mit dem Bravo Charlie in der Lautenschlagerstraße haben sie Maßstäbe in Sachen urbanem Schick gesetzt, nun haben die Gesellschafter der Szenebar die Pacht des Fernsehturms übernommen. Der Biergarten ist schon in Betrieb, im Herbst folgen Café und Bar in luftiger Höhe, nächstes Jahr das Restaurant am Fuße des Turms. Ein Gespräch mit den Geschäftsführern Alex Deißler und Leif Urtel über ihre Pläne.
Deißler: Wir sind seit dem 1. Januar draußen, weil es hieß, das sei dann der Baubeginn dieses Hotels. Warum das jetzt so lange dauert, die Frage stellen wir uns nicht, weil uns das auch nichts angeht. Wir hatten ein exzellentes Verhältnis mit unserem Vermieter Herrn Piëch. Es war eine schöne Zeit da unten. Doch wir werden sicher als Bravo Charlie in absehbarer Zeit wieder was in der Innenstadt machen.
Deißler: Ja, wir haben in den fünf Jahren mit schwäbischen Tugenden gearbeitet und uns ein Polster aufgebaut, das solche Schritte wie hier oben zulässt.
Urtel: Das ist für uns ein kalkulierbares Risiko. Als wir uns beworben haben, haben wir auch ein Statement abgegeben bezüglich des Mietzinses. Vom Niveau her würde ich sagen, dass es in der Innenstadt sogar noch ein bisschen teurer war.
Urtel: Es ist ja doch ein bisschen mehr als nur eine Bar. Das Objekt hat was Dreidimensionales: Wir sind eine Gastronomie, eine Eventlocation und ein touristisches Ausflugsziel. Wir wollen auch den Souvenirshop betreiben. Zudem hatten die Leute im Bravo Charlie zu Beginn keine Erwartungshaltung - das ist hier anders.
Deißler: Es ist natürlich unsere schwierigste Aufgabe, den Turm für Stuttgarter attraktiv zu machen. Wir kennen ja unsere Nachtschwärmer, die sagen: So weit da oben? Aber wir wollen jetzt nicht wöchentlich Party feiern, sondern eine schöne Bar machen. Da kann man mit einer wahnsinnigen Aussicht punkten, was vielen gar nicht so präsent ist, weil sie zehn, fünfzehn Jahre nicht hier waren.
Deißler: Ja, aber die Investitionen des SWR betreffen die Instandhaltung des Turms, beispielsweise die Rohre und die Elektrik, die zum Teil noch Baujahr 1956 sind. Die Gestaltung von Restaurant, Bar und Souvenirshop wird von uns übernommen. Schnittstellen gibt es meist dort, wo es in die Technik reingeht. Und natürlich im Alltagsbetrieb - da arbeiten wir eng mit den SWR-Mitarbeitern zusammen, die den Turm hegen und pflegen.
Urtel: Tagsüber wird oben ein Café sein, abends wird das Mobiliar umgestellt, um eine schöne Baratmosphäre zu schaffen.
Deißler: Da steht uns die Nutzungsordnung im Weg, aber ein DJ oder eine kleine Band sind durchaus drin. Es muss nicht totenstill sein, und der eine oder andere wird sich vielleicht auch bewegen können. Aber es wird sich keine Disco mit beschlagenen Scheiben werden.
Deißler: Die stählerne Wuchtigkeit wird genommen, aber der Glasanbau als solcher bleibt. Man soll ja auch den Turm sehen. Unsere Architekten Cyrus Ghanai und Joerg Heinrich haben da beide schon Ideen: wir bekommen immer zwei verschiedene Entwürfe zur Diskussion.
Urtel: Es ist ein ganzheitliches Konzept. Das fängt beim Kuchenbäcker aus einem Familienunternehmen an, Salat und Gemüse kommen aus der Region, selbst beim Olivenöl kann man einen Bezug zu Baden-Württemberg herstellen. Schmeck den Süden ist nicht unser Slogan, aber im Prinzip wollen wir das schon aufgreifen. Das Gutbürgerliche ist auch bei den Jüngeren ein Thema, und ich denke, so ein guter Tafelspitz muss da einfach auch mal auf der Karte stehen.
Urtel: Es wird ein ganzes Team sein, aber den Namen des Küchenchefs wollen wir jetzt noch nicht nennen. Und wir wollen ein Lokal, bei dem keiner sagen wird, das kann ich mir nur einmal im Jahr leisten.
Deißler: Da sind wir optimistisch. Ein Tag hat 24 Stunden. Wir hatten im Bravo Charlie tagsüber auch ein anderes Publikum als abends. Wir freuen uns auf alle Gäste, die zu uns kommen. Den Spagat kann man hier sehr gut machen. Hier gibt's ja schon was. Die Leute kommen wegen dem Fernsehturm - und wir möchten sie mit unserem Anspruch, unseren Ideen und unserem Service begeistern. Alle, die man vom Fernsehturm aus sieht, die sollen auch hier hoch kommen. Das Stuttgarter Nachtleben kann ja auch nicht nur mit Stuttgartern funktionieren. Dann wären alle pleite.
Urtel: Viele Leute aus der Stadt fahren zum Essen in andere Stadtteile. Und hier hat man noch das Plus mit der Bar, in der man einen Aperitif oder einen Digestif nehmen kann. Vielleicht bekommen die Gäste zur Rechnung zwei Karten für die Aufzugfahrt. Da ist vieles vorstellbar.
Deißler: Ich bin sehr stolz, habe keine Angst vor der Aufgabe, aber Respekt. Es ist das Objekt, das wir in Stuttgart haben. Und wir sind uns auch darüber im Klaren, dass man dafür einen langen Atem braucht.
Herr Deißler, Herr Urtel, bevor wir über die Zukunft sprechen, noch ein paar Worte zur Vergangenheit: Sie mussten das Bravo Charlie wegen eines Neubaus aufgeben, aber es tut sich immer noch nichts. Was ist da los?
Deißler: Wir sind seit dem 1. Januar draußen, weil es hieß, das sei dann der Baubeginn dieses Hotels. Warum das jetzt so lange dauert, die Frage stellen wir uns nicht, weil uns das auch nichts angeht. Wir hatten ein exzellentes Verhältnis mit unserem Vermieter Herrn Piëch. Es war eine schöne Zeit da unten. Doch wir werden sicher als Bravo Charlie in absehbarer Zeit wieder was in der Innenstadt machen.
Der Erfolg mit dem Bravo Charlie dürfte Sie für das Projekt Fernsehturm finanziell ganz gut ausgestattet haben, oder?
Deißler: Ja, wir haben in den fünf Jahren mit schwäbischen Tugenden gearbeitet und uns ein Polster aufgebaut, das solche Schritte wie hier oben zulässt.
Wie ist das Verhältnis der Pacht zwischen der 1-A-Innenstadtlage und einer, die etwas ab vom Schuss ist, dafür aber die Popularität des Wahrzeichens zu bieten hat?
Urtel: Das ist für uns ein kalkulierbares Risiko. Als wir uns beworben haben, haben wir auch ein Statement abgegeben bezüglich des Mietzinses. Vom Niveau her würde ich sagen, dass es in der Innenstadt sogar noch ein bisschen teurer war.
Aber die Fläche, die Sie hier bespielen müssen, ist deutlich größer.
Urtel: Es ist ja doch ein bisschen mehr als nur eine Bar. Das Objekt hat was Dreidimensionales: Wir sind eine Gastronomie, eine Eventlocation und ein touristisches Ausflugsziel. Wir wollen auch den Souvenirshop betreiben. Zudem hatten die Leute im Bravo Charlie zu Beginn keine Erwartungshaltung - das ist hier anders.
Wie wollen Sie also den Fernsehturm wieder zum richtigen Leben erwecken?
Deißler: Es ist natürlich unsere schwierigste Aufgabe, den Turm für Stuttgarter attraktiv zu machen. Wir kennen ja unsere Nachtschwärmer, die sagen: So weit da oben? Aber wir wollen jetzt nicht wöchentlich Party feiern, sondern eine schöne Bar machen. Da kann man mit einer wahnsinnigen Aussicht punkten, was vielen gar nicht so präsent ist, weil sie zehn, fünfzehn Jahre nicht hier waren.
Reden wir über die anstehenden Investitionen: Sowohl oben wie unten muss eine Menge umgestaltet werden. Es heißt, der SWR stelle 800.000 Euro bereit.
Deißler: Ja, aber die Investitionen des SWR betreffen die Instandhaltung des Turms, beispielsweise die Rohre und die Elektrik, die zum Teil noch Baujahr 1956 sind. Die Gestaltung von Restaurant, Bar und Souvenirshop wird von uns übernommen. Schnittstellen gibt es meist dort, wo es in die Technik reingeht. Und natürlich im Alltagsbetrieb - da arbeiten wir eng mit den SWR-Mitarbeitern zusammen, die den Turm hegen und pflegen.
Wie soll künftig der Betrieb im Turmkorb aussehen?
Urtel: Tagsüber wird oben ein Café sein, abends wird das Mobiliar umgestellt, um eine schöne Baratmosphäre zu schaffen.
Mit Tanz und allem drum und dran?
Deißler: Da steht uns die Nutzungsordnung im Weg, aber ein DJ oder eine kleine Band sind durchaus drin. Es muss nicht totenstill sein, und der eine oder andere wird sich vielleicht auch bewegen können. Aber es wird sich keine Disco mit beschlagenen Scheiben werden.
Und welche Veränderungen wird es unten im Restaurant geben?
Deißler: Die stählerne Wuchtigkeit wird genommen, aber der Glasanbau als solcher bleibt. Man soll ja auch den Turm sehen. Unsere Architekten Cyrus Ghanai und Joerg Heinrich haben da beide schon Ideen: wir bekommen immer zwei verschiedene Entwürfe zur Diskussion.
Wie sieht das kulinarische Konzept aus?
Urtel: Es ist ein ganzheitliches Konzept. Das fängt beim Kuchenbäcker aus einem Familienunternehmen an, Salat und Gemüse kommen aus der Region, selbst beim Olivenöl kann man einen Bezug zu Baden-Württemberg herstellen. Schmeck den Süden ist nicht unser Slogan, aber im Prinzip wollen wir das schon aufgreifen. Das Gutbürgerliche ist auch bei den Jüngeren ein Thema, und ich denke, so ein guter Tafelspitz muss da einfach auch mal auf der Karte stehen.
Haben Sie schon einen Koch? Und wie wird das preisliche Niveau sein?
Urtel: Es wird ein ganzes Team sein, aber den Namen des Küchenchefs wollen wir jetzt noch nicht nennen. Und wir wollen ein Lokal, bei dem keiner sagen wird, das kann ich mir nur einmal im Jahr leisten.
Dann lassen Sie uns über die Zielgruppe sprechen. Da müssen Sie ja einen ganz schönen Spagat machen zwischen Szenepublikum und Bustouristen.
Deißler: Da sind wir optimistisch. Ein Tag hat 24 Stunden. Wir hatten im Bravo Charlie tagsüber auch ein anderes Publikum als abends. Wir freuen uns auf alle Gäste, die zu uns kommen. Den Spagat kann man hier sehr gut machen. Hier gibt's ja schon was. Die Leute kommen wegen dem Fernsehturm - und wir möchten sie mit unserem Anspruch, unseren Ideen und unserem Service begeistern. Alle, die man vom Fernsehturm aus sieht, die sollen auch hier hoch kommen. Das Stuttgarter Nachtleben kann ja auch nicht nur mit Stuttgartern funktionieren. Dann wären alle pleite.
Urtel: Viele Leute aus der Stadt fahren zum Essen in andere Stadtteile. Und hier hat man noch das Plus mit der Bar, in der man einen Aperitif oder einen Digestif nehmen kann. Vielleicht bekommen die Gäste zur Rechnung zwei Karten für die Aufzugfahrt. Da ist vieles vorstellbar.
Das hört sich so an, als hätten Sie mit dem Fernsehturm eine neue Lebensaufgabe, auf die Sie nur gewartet haben.
Deißler: Ich bin sehr stolz, habe keine Angst vor der Aufgabe, aber Respekt. Es ist das Objekt, das wir in Stuttgart haben. Und wir sind uns auch darüber im Klaren, dass man dafür einen langen Atem braucht.
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Neuer Pächter des Fernsehturms
Ich wünsche den jungen Unternehmern viel Erfolg bei deren Plänen; hoffentlich wird sich bald wieder die Möglichkeit bieten mit Gästen, neben einer Auffahrt in den Turm, sehr gut und gepflegt zu speisen!
.... VIEL GLÜCK !
Die jungen Unternehmer werden sehr viel Glück brauchen, um das Abenteuer Fernsehturm finanziell zu überleben. Wäre der Turm heute noch ein Geschäft, wie damals, als Fedor Radmann aktiv war, dann hätten sich erfahrene Gastronomen für das Objekt beworben. Ich wünsche den mutigen jungen Leuten viel Glück, sie übernehmen das härteste Geschäft von ganz Stuttgart.
Das hört sich...
... für mich als Degerlocher schon mal ganz gut an. Endlich tut sich da was. Ich freu mich!