Neue Pläne für „alte“ Göppinger Klinik am Eichert Ein Abriss ist nicht mehr in Stein gemeißelt

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Der Göppinger Unternehmer Johannes Krauter will aus der bisherigen Klinik am Eichert ein multifunktionales Gebäude machen. Die ehrgeizigen Pläne stoßen nicht überall auf Begeisterung.

Die Personalwohnungen und die Kita (im Vordergrund) müssen  in jedem Fall abgerissen werden, um Platz für den Neubau der Klinik am Eichert zu schaffen. Für eine Nachnutzung des seitherigen Krankausgebäudes hat ein Privatinvestor Pläne entwickelt. Foto: AFK/Archiv
Die Personalwohnungen und die Kita (im Vordergrund) müssen in jedem Fall abgerissen werden, um Platz für den Neubau der Klinik am Eichert zu schaffen. Für eine Nachnutzung des seitherigen Krankausgebäudes hat ein Privatinvestor Pläne entwickelt. Foto: AFK/Archiv

Göppingen - Mit der Sanierung von Altbauten hat Johannes Krauter seine Erfahrungen. Die Werfthalle im Stauferpark hat er vor dem Verfall bewahrt und in eine Messe- und Veranstaltungsstätte umgewandelt, die er zuletzt an die Firma Kleemann verkauft hat. Jetzt hat der Göppinger Unternehmer, wie aus dem nichtöffentlichen Teil der jüngsten Kreistagssitzung nach außen getragen worden ist, einen anderen „Altbau“ ins Visier genommen. Aus der jetzigen Klinik am Eichert möchte er ein Multifunktionsgebäude machen, wenn der Krankenhausneubau im Laufe des Jahres 2023 erst einmal fertig ist.

Bisher stand fest, dass der Klinikbau aus den 1970er-Jahren abgerissen wird. An seiner Stelle, so sieht es auch das städtebauliche Konzept vor, sollte ein Park entstehen. Nach Krauters Vorstoß ist der Abriss nun zumindest nicht mehr in Stein gemeißelt. Er will, wie aus den hinter verschlossenen Türen vorgestellten Plänen hervorgeht, zwischen 70 und 90 Millionen Euro investieren, das Bauwerk energetisch und technisch auf Vordermann bringen, um dort Wohnungen und ein Hotel, nicht zuletzt für die Angehörigen von Patienten, einzurichten. Außerdem könnte in dem Gebäude das Bildungszentrum für Pflegeberufe Platz finden, für das bis jetzt noch ein Neubau vorgesehen ist.

Öffentliche Information voraussichtlich am 20. Dezember

Dass sein Vorhaben schon jetzt bekannt geworden ist, passt Krauter dabei nicht wirklich ins Konzept. So hatte es zwar schon ein erstes Gespräch mit den Verantwortlichen und dem Aufsichtsrat der Alb Fils Kliniken (AFK) gegeben, aber noch keinen Kontakt mit der Göppinger Stadtverwaltung. Krauter will zu dem Projekt deshalb auch nichts Näheres sagen, weil die bisherigen Informationen „auf einer Indiskretion innerhalb einer nichtöffentlichen Sitzung des Kreistags beruhen“. Vielmehr sei beabsichtigt das Vorhaben voraussichtlich am 20. Dezember der Öffentlichkeit vorzustellen – und zwar dann, wenn die Pläne in den Gremien vorgestellt worden sind und wenn eine visualisierte Präsentation, die alle Fragen der Planung beantwortet, fertig ist.

Kommentare von anderer Seite gibt es hingegen schon. So beklagt Göppingens Oberbürgermeister Guido Till, dass das gesamte Verfahren bisher an der Stadt vorbeigelaufen sei. Sowohl der bestehende wie auch der sich im Aufstellungsverfahren befindliche neue Bebauungsplan würden für das Grundstück ein „Sondergebiet Klinik“ ausweisen. „Eine klinikunabhängige Nutzung wäre dort nach geplanten Festsetzungen also gar nicht zulässig“, erklärt Till. Außerdem befinde sich das jetzige Klinikgebäude etwa zur Hälfte außerhalb der überbaubaren Fläche. „Die Grundlage des Gemeinderatsbeschlusses zum neuen Bebauungsplan ist, dass die alte Klinik abgebrochen wird, insbesondere um die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen realisieren zu können“, fährt Till fort.

Offene Fragen und Punkte, die es zu prüfen gilt

Schon jetzt gebe es mit der bestehenden Siedlung Bergfeld, der neuen Klinik, den Personalwohnungen und dem Parkhaus eine massive Verdichtung. „Zudem brauchen wir an dieser Stelle weder ein Altenheim oder Studentenwohnungen noch ein Hotel“, betont der Rathauschef. Till kann sich daher nicht vorstellen, dass die Mehrheit des Gemeinderats einer Änderung des Bebauungsplans zustimme. Darüber hinaus bezweifle er, dass die geplante Investitionssumme ausreiche, wenn ein Gutachten des Landkreises allein für die Gebäudesanierung ein Vielfaches der Summe in Anschlag bringe, erläuterte Till.

Für Wolfgang Schmid, den kaufmännischen Geschäftsführer der AFK, ist „eine umfassende Bewertung der vorgestellten Pläne derzeit noch nicht möglich“. Allerdings verweist auch er auf einige Punkte, wie etwa auf das städtebauliche Konzept, die bereits Oberbürgermeister Till hinterfragt hat. Zwar kämen ihm das Einsparen der Abrisskosten von rund neun Millionen Euro sowie eventuelle Erlöse aus dem Verkauf des Grundstücks sehr gelegen. Er befürchtet aber auch Einschränkungen, etwa wenn es um mögliche Erweiterungsflächen oder um die Parkplatzsituation geht. „So sind die geplanten Parkflächen lediglich auf den Bedarf der Klinik ausgelegt“, stellt er klar.

Für Schmid sind deshalb noch etliche Punkte zu prüfen. Unter anderem sehe die Neubau-Planung einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des neuen Hauses vor. „Für Rettungshubschrauber gibt es jedoch europaweit Vorschriften, wenn es um Anflugwinkel geht“, ergänzt er. Bleibe das drei Geschosse höhere Bestandsgebäude stehen, könne es in dieser Hinsicht eventuell Probleme geben. „Gegebenenfalls müsste man also mindestens drei Stockwerke abtragen“, zeigt der zuständige AFK-Geschäftsführer eines davon schon mal auf.

Laufende Neubau-Projekte liegen im Zeitplan

Auch wenn die Gerüchte, die zurzeit rund um die Klinik am Eichert kursieren, etwas anders zu wissen glauben, mit der – vorsichtig formuliert – angespannten Parksituation müssen Beschäftigte, Patienten und Besucher noch mindestens acht Wochen zurechtkommen. Der Parkhaus-Neubau wird, wie Britta Käppeler, die Sprecherin der Alb Fils Kliniken, erklärt, „planmäßig im Januar eröffnet“. Dass zuletzt bereits von Ende November die Rede gewesen sei, erschließe sich ihr nicht, fügt sie hinzu. „Wir haben noch keine Einfahrt und auch sonst ist noch viel zu tun, so dass es mich mehr als überraschen würde, wenn das Parkhaus mit seinen mehr als 900 Stellplätzen noch in diesem Jahr fertig würde.“

Der Neubau der Kindertagesstätte im Bergfeld steht und wird zurzeit innen hergerichtet. Im Frühjahr soll das Gebäude bezugsfertig sein und seiner Bestimmung übergeben werden. In der neuen Kita werden 80 Kinder Platz finden und damit 22 mehr als bisher.

Auch der Bau der 167 neuen Personalappartements liegt im Plan. Mit einer Fertigstellung im dritten Quartal 2018 wird gerechnet. Schon zuvor soll der Abriss der bisherigen Kita beginnen. Im Herbst würden dann auch die seitherigen Wohnungen der Beschäftigten abgebrochen, um die Fläche für den Klinikneubau vollends frei zu bekommen.

Wie hoch der Landeszuschuss für das Neubauprojekt ausfällt, ist nach wie vor offen. Für Januar wird der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha im Eichert erwartet. Womöglich hat er den Förderbescheid in der Tasche.