Fellbach
 
Neue Regeln verteuern das Bohren
"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", 23.02.2011 02:46 Uhr
Rems-Murr-Kreis Im Kreis gelten strenge Vorgaben, Experten sehen dies kritisch. Von Oliver Hillinger

Ein Sachverständiger, der während der gesamten Bohrung vor Ort sein muss, eine spezielle Haftpflichtversicherung und das Verbot, in eine Gipsschicht zu bohren - wer im Rems-Murr-Kreis Erdwärme nutzen möchte, der muss strenge Bedingungen einhalten. Das Landratsamt hat infolge der Senkungen im Schorndorfer Gebiet Rainbrunnen die Vorgaben für die so genannte oberflächennahe Geothermie deutlich verschärft.

Ein Merkblatt, das der Geschäftsbereich Umweltschutz erstellt hat, fasst die wesentlichen Punkte zusammen. Demnach ist im gesamten Kreisgebiet jetzt eine zusätzliche "Hilfs- und Sperrverrohrung" Pflicht. Sie soll verhindern, dass die unterirdischen Grundwasserschichten miteinander verbunden werden - so, wie es mutmaßlich bei Bohrungen in Schorndorf geschehen ist. Vorgeschrieben ist zudem, dass in den Schläuchen der Sonden keine Flüssigkeit verwendet werden darf, was das Grundwasser verunreinigen könnte. Zudem sind die Schutzzonen um Trink- und Mineralwasserbrunnen einzuhalten.

Für das Landratsamt bedeutet das einen deutlichen Kurswechsel. Noch Anfang des Jahres 2008 hatte das Kreishaus die Geothermie als kostengünstige Alternative beworben. "Die ökologischen und ökonomischen Vorteile der Geothermie liegen auf der Hand", hatte Landrat Johannes Fuchs damals in einer Mitteilung verkündet.

Auch Fachleute sehen das verschärfte Regelwerk kritisch. Erich Mands, der stellvertretende Vorsitzender des Bundesverbandes Geothermie, hält die Vorschriften zwar wegen des Grundwasserschutzes für sachgerecht. Er kritisiert jedoch, dass die Vorschriften pauschal im gesamten Kreisgebiet anzuwenden sind. Eigentlich sei das Landesamt für Geologie gefordert, die Bodenverhältnisse im Kreis zu kartieren und die Risikogebiete zu bestimmen. "Diese Vorschriften machen die erneuerbaren Energien sehr teuer", sagt Mands. Die so genannte Sperrverrohrung koste ein Mehrfaches der herkömmlichen Methode. Auch die Vorschrift, dass ein Sachverständiger die gesamte Bohrung beaufsichtigen muss, lasse die Kosten steigen. "Wenn die Amortisierung der Anlage mehr als 15 Jahre dauert, lohnt sich oberflächennahe Geothermie nicht mehr", sagt Mands.

Tatsächlich sind im Raum Schorndorf seit Bekanntwerden der Schäden im Gebiet Rainbrunnen kaum mehr Bohrungen vorgenommen worden. Das Landratsamt nennt lediglich eine Bohrung in der Schorndorfer Lutherstraße, die seither abgeschlossen worden sei.

Kommentare (0)
Anzeigen