Neue Serie auf RTL
Ufos und Humor im Tiefflug
Thomas Gehringer,
29.12.2010 07:47 Uhr
Sie will die Weltherrschaft an sich reißen: Kathrin (Martina Hill), die Doppelagentin mit der scharfen Bombe. Foto: RTL
Stuttgart - Angela Merkel steht, an den Händen gefesselt und mit einem Sack über dem Kopf, vor einem Erschießungskommando in der Wüste und erwartet den Tod. Neben ihr drei Agenten des "Sonderkommandos Deutschland", die es nicht geschafft haben, die Kanzlerin aus den Händen islamistischer Terroristen zu befreien.
Merkel bedankt sich bei den Agenten für ihren Einsatz und nimmt es ansonsten gelassen: Ihre Umfragewerte seien ohnehin mies, sagt sie und kichert. Doch da geht der Wahnsinn erst richtig los in der Agentenparodie "Undercover Love", in dem der preisgekrönte Serienautor Bora Dagtekin ("Türkisch für Anfänger", "Doctor's Diary") nach Herzenslust übertreiben darf. Und Dagtekin lässt sich nicht lumpen und bastelt aus Naziufos, die unter dem Berliner Olympiastadion parken, und dem Dreikampf zwischen der sexy Agentin Kathrin (Martina Hill), ihrem braven Kollegen Johannes (Henning Baum) und dessen ahnungsloser Ehefrau Susanne (Nadja Kling) eine durchgeknallte Story zusammen. Wer dabei etwas anderes als Spaß sucht, hat schon verloren.
Die Privatsender bevorzugen in ihren TV Movies romantische Komödien, historische Eventfilme und natürlich Krimis. Bei "Undercover Love" gibt es eigentlich eine Mixtur aus allem, RTL parodiert sich hier also gleich selbst. Und natürlich die halbe Filmgeschichte, denn Bora Dagtekin zitiert, was das Zeug hält. Bereits die Grundidee von dem Agenten, der seiner Frau den eigenen Beruf verheimlicht, stammt aus "True Lies" mit Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis. Kathrin beschreitet mit einem "Hasta la vista" auf den Lippen den Weg zur Weltherrschaft, und Johannes hat in der Garage einen Wagen stehen, der James Bond alle Ehre machen würde, zumal es sich um einen BMW handelt. Gegen Ende schleicht noch in Gestalt von Kurt Krömer ein ARD-Komiker durch die Versorgungsschächte des Berliner Olympiastadions, aber bei RTL bringt er es freilich nicht weit. Für das große Finale hat sich der Autor eine lustige Ufoverfolgungsjagd durch unsere Hauptstadt ausgedacht. Die Agentenzentrale ist ausgeschaltet, doch auch eine naive Hausfrau, die sonst mit ihrer Ente jeden Mülleimer streift, kann die Welt retten, sofern sie nur eifersüchtig genug auf ihre Widersacherin ist. Nun ja.
Man könnte, wenn man wollte, einen spießigen Unterton in dem abstrusen Spaß entdecken. Die böse Kathrin befehligt einen Damentrupp in knallbuntem Leder, dessen Mitglieder aus irgendeinem Grund als "faschistische Emanzen" bezeichnet werden. Aber nur, wer nicht alle Untertassen im Schrank hat, bemüht bei einem solchen Film die Political Correctness. Hier muss alles derart kräftig überzeichnet werden, dass es bisweilen schmerzt. Da fliegt schon mal eine Bohne ins Nasenloch des Gegenübers. Gut, das gehört zum Slapstick-Geschäft. Doch auch die Dialoge, sonst die unbestrittene Stärke von Bora Dagtekin, bleiben eher auf niedriger Flughöhe. Auf die Dauer nervt selbst eine Martina Hill, die uns doch bei "Switch reloaded" und der "Heute-Show" ans Herz gewachsen ist. Hier spielt sie "ein größenwahnsinniges Lady-Gaga-Girl auf High Heels", wie sie selbst über ihre Rolle treffend sagt. Der Witz dieser Figur aber ist leider begrenzt und schnell erzählt, danach ist spürbar die Luft raus.
Henning Baum, bei RTL sonst "Der letzte Bulle", hat seine schönste Szene gleich zu Beginn, als er mitten im Handgemenge mit Terroristen mit seiner Frau über die Marke des noch zu besorgenden Klopapiers telefoniert. Am überzeugendsten ist da noch Anja Kling, die mit Wonne ihre gängige Rolle als attraktive Mutter parodiert, die das Fernsehen sonst für sie bereithält. Das ändert jedoch auch nichts daran, dass das Geturtel des Ehepaars, das wie "Susi-Busi" und "Honey-Bunnie" klingt, von Anfang an arg anstrengend ist.
Merkel bedankt sich bei den Agenten für ihren Einsatz und nimmt es ansonsten gelassen: Ihre Umfragewerte seien ohnehin mies, sagt sie und kichert. Doch da geht der Wahnsinn erst richtig los in der Agentenparodie "Undercover Love", in dem der preisgekrönte Serienautor Bora Dagtekin ("Türkisch für Anfänger", "Doctor's Diary") nach Herzenslust übertreiben darf. Und Dagtekin lässt sich nicht lumpen und bastelt aus Naziufos, die unter dem Berliner Olympiastadion parken, und dem Dreikampf zwischen der sexy Agentin Kathrin (Martina Hill), ihrem braven Kollegen Johannes (Henning Baum) und dessen ahnungsloser Ehefrau Susanne (Nadja Kling) eine durchgeknallte Story zusammen. Wer dabei etwas anderes als Spaß sucht, hat schon verloren.
Da fliegt schon mal eine Bohne ins Nasenloch des Gegenübers
Die Privatsender bevorzugen in ihren TV Movies romantische Komödien, historische Eventfilme und natürlich Krimis. Bei "Undercover Love" gibt es eigentlich eine Mixtur aus allem, RTL parodiert sich hier also gleich selbst. Und natürlich die halbe Filmgeschichte, denn Bora Dagtekin zitiert, was das Zeug hält. Bereits die Grundidee von dem Agenten, der seiner Frau den eigenen Beruf verheimlicht, stammt aus "True Lies" mit Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis. Kathrin beschreitet mit einem "Hasta la vista" auf den Lippen den Weg zur Weltherrschaft, und Johannes hat in der Garage einen Wagen stehen, der James Bond alle Ehre machen würde, zumal es sich um einen BMW handelt. Gegen Ende schleicht noch in Gestalt von Kurt Krömer ein ARD-Komiker durch die Versorgungsschächte des Berliner Olympiastadions, aber bei RTL bringt er es freilich nicht weit. Für das große Finale hat sich der Autor eine lustige Ufoverfolgungsjagd durch unsere Hauptstadt ausgedacht. Die Agentenzentrale ist ausgeschaltet, doch auch eine naive Hausfrau, die sonst mit ihrer Ente jeden Mülleimer streift, kann die Welt retten, sofern sie nur eifersüchtig genug auf ihre Widersacherin ist. Nun ja.
Man könnte, wenn man wollte, einen spießigen Unterton in dem abstrusen Spaß entdecken. Die böse Kathrin befehligt einen Damentrupp in knallbuntem Leder, dessen Mitglieder aus irgendeinem Grund als "faschistische Emanzen" bezeichnet werden. Aber nur, wer nicht alle Untertassen im Schrank hat, bemüht bei einem solchen Film die Political Correctness. Hier muss alles derart kräftig überzeichnet werden, dass es bisweilen schmerzt. Da fliegt schon mal eine Bohne ins Nasenloch des Gegenübers. Gut, das gehört zum Slapstick-Geschäft. Doch auch die Dialoge, sonst die unbestrittene Stärke von Bora Dagtekin, bleiben eher auf niedriger Flughöhe. Auf die Dauer nervt selbst eine Martina Hill, die uns doch bei "Switch reloaded" und der "Heute-Show" ans Herz gewachsen ist. Hier spielt sie "ein größenwahnsinniges Lady-Gaga-Girl auf High Heels", wie sie selbst über ihre Rolle treffend sagt. Der Witz dieser Figur aber ist leider begrenzt und schnell erzählt, danach ist spürbar die Luft raus.
Henning Baum, bei RTL sonst "Der letzte Bulle", hat seine schönste Szene gleich zu Beginn, als er mitten im Handgemenge mit Terroristen mit seiner Frau über die Marke des noch zu besorgenden Klopapiers telefoniert. Am überzeugendsten ist da noch Anja Kling, die mit Wonne ihre gängige Rolle als attraktive Mutter parodiert, die das Fernsehen sonst für sie bereithält. Das ändert jedoch auch nichts daran, dass das Geturtel des Ehepaars, das wie "Susi-Busi" und "Honey-Bunnie" klingt, von Anfang an arg anstrengend ist.
RTL, Donnerstag, 20.15
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Kalauerparade
Klingt ja mal wieder nach ganz großem Kino made in Germany... Danke für das Preview, dann kann ich am Donnerstagabend was Sinnvolleres mit 90 Minuten Lebenszeit anfangen, als mir diese klischeebeladene, pseudo-lustige Kalauerparade zu geben...