|
|
Bild 1 von 87 |
|
Unterdessen arbeiteten die Mitarbeiter der betroffenen Softwarefirma daran, das Problem zu lösen, so Markus Vogt, der Pressesprecher der Stadt. Die Brandschutztüren seien bis auf Weiteres an eine Notstromversorgung angeschlossen worden, das Personal komme nur zum Einsatz, um Risiken ausschließen zu können. „Für diese Kosten sind wir nicht bereit zu zahlen“, sagte Vogt mit Blick auf das Unternehmen.
Ungeachtet dieser Missklänge lobten die Redner bei der Einweihungsfeier das 79 Millionen Euro teure Bauwerk des koreanischen Architekten Eun Young Yi. Der Galeriesaal sei „ein grandioses Statement für die Buchkultur“, sagte Ingrid Bussmann, die Direktorin der Stadtbibliothek. „Wir sind davon überzeugt, dass auch in Zeiten von E-Books, Tablet-Computern und Apps für Smartphones das Buch eine Zukunftschance hat.“
Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster nahm Bezug auf die Kritik an der strengen Form des Gebäudes. Die Architektur der Bibliothek trage mit dazu bei, dass sich ihre Nutzer auf das Wesentliche konzentrieren könnten, „im bewussten Kontrast zur lauten, bunten und flüchtigen Eventkultur unseres Alltags“.
Doch am Freitagabend war die Bibliothek zweifellos selbst ein Teil der Eventkultur. Ihre Fassade strahlte blau und weiß in die Nacht hinaus, feenhafte Wesen auf Stelzen empfingen die geladenen Gäste im Eingangsbereich. Diese erkundeten voller Neugier den Bau – treppauf, treppab wanderte der größte mobile Sektempfang der Stadt durch das Gebäude. Blick nach links, Blick nach rechts, ungläubiges Murmeln beim Betreten des eindrucksvollen Galeriesaals: Stuttgarter wie Auswärtige haben gestern das erste Haus am Mailänder Platz mit den neugierigen Augen von Touristen gesehen.
Für die Gäste war die Feier nur ein Appetithäppchen – am Freitag und im Laufe der nächsten Woche serviert die Bibliothek ein kulturelles Mehrgängemenü. Die Bibliothekschefin Ingrid Bussmann bat die Nutzer vorsorglich um Nachsicht: „Noch funktioniert nicht alles so, wie wir es uns wünschen.“ Daran dürften jene Gäste noch länger gedacht haben, die das Haus mit nassen Schuhen verließen.
