Neue Stuttgarter Innenstadt Drei Visionen für die City
Thomas Faltin und Erik Raidt, 15.06.2010 07:14 Uhr
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1. Entwurf Günther Schaller: Der Stuttgarter Architekt Günther Schaller hat für die StZ eine ökologische Modellstadt hinter dem Hauptbahnhof entworfen. Manches davon ist noch sehr futuristisch, wie das fliegende Solarmobil. Manches aber ist bereits Realität, wie ein Wärmespeicher unter dem angedachten See. In Riga hat Günther Schaller den Masterplan für die New Hanza City erstellt – vor allem das Energiekonzept macht dort Furore. Foto: Grafik: Schaller
1. Entwurf Günther Schaller: Der Stuttgarter Architekt Günther Schaller hat für die StZ eine ökologische Modellstadt hinter dem Hauptbahnhof entworfen. Manches davon ist noch sehr futuristisch, wie das fliegende Solarmobil. Manches aber ist bereits Realität, wie ein Wärmespeicher unter dem angedachten See. In Riga hat Günther Schaller den Masterplan für die New Hanza City erstellt – vor allem das Energiekonzept macht dort Furore. Foto: Grafik: Schaller
Stuttgart - Die Befürchtungen vieler Menschen sind groß, dass hinter dem Hauptbahnhof - sollte Stuttgart 21 verwirklicht werden - öde und lebensfeindliche Quartiere entstehen: Die LBBW-City lässt grüßen. Drei Architekturbüros stellen jetzt auf Bitten der StZ ihre Gegenentwürfe vor. Es handelt sich um Denkanstöße, die unabhängig voneinander angefertigt wurden - und die in einigen Punkten überraschende Gemeinsamkeiten aufweisen.

1. Entwurf: Günther Schaller


Man mag seinen Augen erst gar nicht trauen: Das könnte mitten in Stuttgart entstehen? Ein Segelboot fährt vom Neckar her in die Stadtmitte ein, an den Ufern eines Sees liegen Hausboote im grünen Schilf vor Anker, und ein solargetriebenes Flugobjekt bringt die Menschen, die gerade am Hauptbahnhof aus dem Zug gestiegen sind, in die Stadt. Der Stuttgarter Architekt Günther Schaller hat für die StZ in technischer, ökologischer und sozialer Hinsicht eine große Vision für die City entwickelt: "Diese neue Stadtmitte muss etwas sein, worüber man in der ganzen Welt spricht - und worauf sich alle Stuttgarter freuen können", sagt er.

Die reale Entwicklung betrachtet das Büro Günther Schaller und Peter Kyncl mit Sorge - das war der Ausgangspunkt der Überlegungen. Auf dem teils schon geplanten A-1-Gelände habe sich "eine in jeder Hinsicht durchschnittliche Quartiersbebauung etabliert", und selbst die neue Bibliothek ist für Schaller zu streng und zu sakral, um die neuen Quartiere zu beleben.

Das Rückgrat seines Gegenentwurfs bildet ein langgestreckter See, der sich zwischen dem A1-Gelände und dem Schlosspark vom Bahnhof in Richtung Bad Cannstatt zieht, und Anschluss hat an den bestehenden See in den Anlagen; auch eine Anbindung an den Neckar wäre denkbar. Links des Sees liegt ein teilweise überdachter Boulevard. Rechts davon entsteht eine ökologische Modellstadt, die bewährte Energiekonzepte, aber auch noch nicht ausgereifte Technologien im Feldversuch einsetzt.

Dazu gehört zum Beispiel die sogenannte Piezoelektrizität. In den Boulevard werden spezielle Matten eingelassen, die die Energie, die durch die Schritte der Spaziergänger entstehen, auffangen und in Strom umwandeln. Das Dach des Boulevards könnte mit Membranen ausgestattet sein, die durch die Kraft der Regentropfen in Schwingung geraten und so ebenfalls Energie produzieren. Unter dem See wäre ein großer Wärmespeicher versteckt, der die eingefangene Sonnenenergie zurückhält. Dieser letzte Punkt ist beileibe keine Utopie - Günther Schaller verwirklicht dies gerade bei einem großen Projekt in Riga, das Stuttgart 21 nicht unähnlich ist.

Zwei weitere Perspektiven sind Schaller wichtig. Zum einen könnten in der neuen Stuttgarter Mitte Stadt und Natur versöhnt werden: Das ist auf dem Entwurf durch die wilden Schilfufer und die begrünten Symbolhäuser angedeutet. Der Aushub des Sees würde nicht weggefahren, sondern damit würde der Übergang zwischen See und bestehendem Park zu einer Hügellandschaft modelliert. Zum anderen müssten in dieser neuen Mitte andere Lebensformen ermöglicht werden, weil gerade die Mischung Leben in ein Quartier bringt. Dies deutet Schaller durch die Hausboote an, die zeitweise oder durchgehend bewohnt werden.

"Wir haben vieles bewusst überhöht dargestellt", sagt Schaller, "denn nur dann können Anstöße zu einem Umdenken gegeben werden." Er fordert deshalb eine städtebauliche und architektonische Debatte auf höchstem Niveau, mit weltweit renommierten Städteplanern, Soziologen, Künstlern und Naturwissenschaftlern.

Kommentare (35)
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SEP
21
Ralf Sandner, 09:10 Uhr

Tja...

Schön dass die Architekten die Flügel erhalten wollen... ...leider wurde der Nordflügel schon amputiert und Mappus reisst mit dem Fehdehandschuh demnächst persönlich den Südflügel ab... Ansonsten sind die fliegenden Solarmobile ungefähr so realistisch wie die Versprechungen der S21 Planer was Kosten und Leistungsfähigkeit des Projekts angeht...

JUN
18
vancleef, 07:47 Uhr

Man möchte heulen

Man möchte heulen, wenn man sieht was möglich wäre! Statt dessen sollen wir für ein Projekt bezahlen, dass nach 20 Jahren Planung und 15 + x Jahren Bauzeit bei Fertigstellung 35 Jahre alt sein wird! Ein 35 Jahre alten Neubau!!

JUN
17
Bernd.S, 17:46 Uhr

wers glaubt

Was rasukommt, kann man in jedem Neubaugebiet betrachten. maximale Kosteneffizienz durch verdichtete Bauweise. Dazu ein paar Pseudobäumle und das wars. So wars bis jetzt in jedem neuen Wohngebiet - da werden gerade hier, wo die Baukosten in Realität bei 7-8MRD € liegen, schwebende Gärten und Seen angelegt. Haha - eher wahrscheinlich ist, daß so viel wie möglich Wohn und Bürofläche rausgepresst wird.

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