Neue Weinsteige Werbe-Anhänger sollen verbannt werden
Frederike Poggel, 07.09.2011 10:32 Uhr
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 Foto: Marc Hippler
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Stuttgart - Die Weinsteige gleicht einem Hindernisparcours. Zumindest für Radfahrer, die sich nicht in den Verkehr auf der kurvenreichen, zweispurigen Strecke einordnen wollen: Das ohnehin schon schmale Trottoir wird an manchen Stellen ganz versperrt von parkenden Autos und mit Werbung übersäten Anhängern. Am Ausweichen auf die Straße, die jeden Tag von 40.000 Autos befahren wird, führt stellenweise kein Weg vorbei.

Seit Jahren verärgert das Thema die Stuttgarter, längst haben die Grünen beantragt, einen ordentlichen Radweg entlang der schönsten Aussichtsstrecken auszubauen. Doch jetzt kommt erstmals Bewegung in die Sache: Die Stadt plant, eine Zweirad-Route von der Liederhalle bis nach Degerloch auszubauen. 1,9 Millionen Euro soll der Ausbau Schätzungen zufolge kosten. Der Posten steht in den anstehenden Haushaltsberatungen im Herbst auf dem Programm.

Die Werbung ist ärgerlich, aber legal

Mit dem Radweg würde ein Teil der Parkplätze an der Hangseite, die das Fortkommen für Passanten und Sportler derzeit so erschweren, ganz wegfallen. Derzeit wird geprüft, welche und wie viele Buchten für die Anwohner an der Weinsteige erhalten bleiben müssen. Bis es so weit ist, versucht die Stadt sich an einer Zwischenlösung: "Wir wollen den Seitenstreifen auf Parkplätze für Autos beschränken", sagt Bernd Eichenauer, der Leiter der Stuttgart Verkehrsbehörde.

Das heißt: die vielen großen, oft mit schlüpfriger Werbung beklebten Anhänger dürfen bald nicht mehr entlang der Weinsteige abgestellt werden. Davon scheint es immer mehr und vor allem immer auffälligere zu geben: "Besonders in der langgestreckten Linkskurve kurz vor Degerloch oben stehen immer viele", sagt Bernd Eichenauer. Einen zeitlichen Rahmen kann er für das Anhängerparkverbot noch nicht benennen, außer: das Thema solle in den nächsten Wochen angegangen werden.

14 Tage lang an einem Standort

Nur so kann die ärgerliche, aber bisher legale Werbung am Straßenrand eingedämmt werden. Laut Straßenverkehrsordnung darf ein Anhänger, ob beklebt oder nicht, bis zu 14 Tage lang an einem Standort abgestellt werden. Erst ab dem 15. Tag wird ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro fällig. Bei mehrmaligen Verstoß drohen sogar bis zu 500 Euro Bußgeld. Die Krux: auch wenn der Anhänger um nur ein paar Zentimeter versetzt wird, ist es zulässig, dass er weitere zwei Wochen stehen darf.

Der jetzige Vorstoß der Stadt dürfte ganz im Sinne des Grünen-Stadtrats Michael Kienzle sein, der die Anhänger, rollende Werbetafeln, als "peinliche Sexreklame" geißelt. FKK-Clubs werden da angepriesen, Segelflug-Veranstaltungen, Matratzen-Fabrikverkäufe, Biergärten. "Dass auf öffentlicher Fläche geworben wird, ist uns ein Dorn im Auge", sagt auch Sven Matis, Sprecher der Stadt.

Kienzle sieht die Panoramaroute als vergeudet an: "Oft sieht man an der Strecke völlig verlorene Touristen, die von der Hangkante auf die Stadt runterschauen", sagt der Stadtrat. "Es ist auch einfach eine Frage, wie man seine Stadt erlebt."

Kommentare (20)
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SEP
09
TOPCTEH, 09:19 Uhr

Werbetafeln

Nicht nur die Werbeanhänger behindern die Sicht, sondern vor allem viele (mit Billigung der geldgierigen Stadt?!?) aufgestellte Werbetafeln. Besonders kriminell aufgestelle Exemplare, welche für abbiegende Fahrzeuglenker die Sicht auf die Straße überquerende Fußgänger behindern, finden sich beispielsweise an den Kreuzungen Theodor-Heuss-/Geschwister-Scholl-Str., Schloss-/Büchsenstr. sowie Breitscheid-/Falkertstr.! Aber Fußgänger scheinen ja neben den Radfahrern in der "Autostadt" keine Priorität zu genießen.

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SEP
08
Sven Steinreich, 11:09 Uhr

@ 12:44 Uhr Stuttgarter Bürger

Ich fahre mindestens einmal in der Woche aus der Innenstadt hoch nach Degerloch, auf verschiedenen Strecken und bin treffe dabei immer Gleichgesinnte. Es gibt durchaus einen Bedarf an geeigneten Radwegen, insbesondere flachere als die vorhandenen. Deshalb wäre es super, wenn an der Weinsteige hoch ein geeigneter Aussichts-Radweg gebaut werden würde. ---- Ach ja übrigens, bin da schon öfter als Radfahrer hoch und die Abgase sind nicht wirklich ein Problem (wegen dem Gasmaskenkommentar hier). Ganz im Gegensatz zu den rücksichtlsosen Autofahrern übrigens.

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SEP
08
Der andere Radfahrer, 09:03 Uhr

@Radlfahrer

Ich fahre grundsätzlich nicht Slalom um die Fußgänger, ich fahre immer defensiv und vorsichtig. Die Königstraße nutze ich nur, wenn die normalen Ost-West-Verbindungen durch die Stadt versperrt sind, weil ein Fest oder ein Konzert statt findet oder weil man eine Baustelle auf dem Radweg eingerichtet hat. Ich finde es erstaunlich, dass Sie mich aufgrund meines Beitrags gleich als Fahrrad-Rowdy einschätzen können. Ein hoch auf gut gepflegte Vorurteile! Den von Ihnen erwähnten Fahrradstreifen an der Theodor-Heuss-Straße versuche ich fast täglich zu nutzen, was aber fast immer an falsch parkenden Autos oder Baustellenfahrzeugen scheitert. Es vergeht kein Tag, an dem man nicht auf die stark befahrene Autospur wechseln muss, um an den Hindernissen vorbei zu kommen. Besonders schlecht gelungen sind die Enden der Radstreifen an der Rotebühlkreuzung wie auch an der Fußgängerampel bei der Parkhauseinfahrt am kleinen Schlossplatz. Der Radler darf sich dort mit Fußgängern, ein- und ausfahrenden Autos, Parkplatzsuchenden und Gästen des Straßencafes auseinander setzen. Bei der Planung des Radverkehrs kommt es halt nicht darauf an, an einzelnen Stellen einen Radweg zu markieren, sondern darauf ein durchgängiges und logisches System zu haben. Und davon ist Stuttgart sehr weit entfernt, ja man könnte geradezu meinen, es gibt niemanden in der Stadtverwaltung, der von diesem Thema eine Ahnung hat.

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