Neue Wundbehandlung
Das moderne Pflaster heißt Plasma
Robert Gast,
04.02.2011 08:20 Uhr
Trifft das Plasma auf Bakterien, werden diese tödlich geschädigt. Foto: MPI
""Wenn sich die Wirksamkeit von kalten Plasmen in weiteren Studien bewährt, könnten die bestehenden Methoden zur Wundbehandlung ergänzt werden.""
Andreas Körber, Uniklinik Essen
Mediziner schätzen, dass etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an einer dauerhaften Öffnung der Haut leiden, die trotz Therapie nach drei Monaten noch nicht verheilt ist. Der Grund sind meistens Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen, wie sie bei Diabetikern und bettlägerigen Menschen vorkommen. Außerdem siedeln sich oft Bakterien in der Wunde an, wodurch die Heilung zusätzlich behindert wird. Bei der Behandlung versuchen Ärzte vor allem, die Blutzirkulation im Gewebe anzuregen und die Zahl der Erreger in der Wunde zu verringern. Obwohl es viele Therapien gibt, eignet sich kaum eine als einheitliches Verfahren bei der Wundheilung.
Heilung aus dem Sonneninneren
Schon lange erproben Forscher in Deutschland den Einsatz von Ultraschall und Laserlicht bei der Wundbehandlung. Jetzt soll ein Stoff eingesetzt werden, der primär nichts mit Medizin zu tun hat. Wissenschaftler nennen ihn kaltes atmosphärisches Plasma. Sie hoffen, dass er einmal so selbstverständlich zur Wundbehandlung eingesetzt wird wie Kompressionsverbände heute. Plasma kommt vor allem in menschenfeindlichen Umgebungen vor: Sonneninneren zum Beispiel.
Forscher bezeichnen es als vierten Aggregatzustand, den Materie neben fest, flüssig und gasförmig annehmen kann. Sonnenplasma lässt sich mit hohem Aufwand auch auf der Erde herstellen: in Forschungsreaktoren zur Kernfusion wird Gas auf Zehntausende Grad Celsius erhitzt. Dabei entsteht ein Gemisch, das den Menschen bei direktem Kontakt sofort verstrahlen würde.
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