Neuer Hauptbahnhof in Wien
Viel Dreck - und niemand ärgert sich
Erik Raidt,
13.03.2010 10:44 Uhr
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Abbrucharbeiten: in Wien wird das Skelett des alten Südbahnhofs entkernt. Foto: öbb
Wien - Österreichs Hauptstadt bekommt die volle Dröhnung. Dort, wo einst der Südbahnhof stand, klopft und hämmert es, es raus raucht und ächzt, kreischt und rattert. Der Lärm der Baumaschinen, der Laster und Bagger fügt sich zu einem Sound zusammen, für den kein Mensch Eintritt zahlen würde und bei dem sich die Philharmoniker ihre Ohren zuhalten würden. Am Gürtel, der die historische Wiener Innenstadt einschließt, tut sich eine gewaltige Wunde in der Erde auf. Aus dem Matsch wächst der neue Hauptbahnhof empor.
Es ist Stuttgart 21 nach Wiener Art. Die Parallelen sind unübersehbar: In beiden Städten wird ein Kopf- durch einen Durchgangsbahnhof ersetzt. In beiden Fällen entsteht auf nicht mehr benötigten Gleisflächen ein neuer Stadtteil, gewinnt die City Tausende von Wohnungen und leidet davor jahrelang unter einer Baustelle, die den Alltag der Menschen verändert. Wer in Wien jenes gewaltige Bauland sieht, in dem die Betonbrocken wie Schneeflocken vom Skelett des einstigen Bahnhofs rieseln, der blickt auch in die Zukunft von Stuttgart. In Wien läuft die Baustelle für den neuen Bahnhof seit Dezember 2009 auf Hochtouren – hier ist zu besichtigen, was auf Stuttgart zukommen könnte.
Seit das große Graben begonnen hat, ist die Gegend zwischen Süd- und Ostbahnhof ein Ort des Übergangs und der Provisorien. Wenn Karl-Johann Hartig in seinem Revier unterwegs ist, taucht er ein in U-Bahn-Eingänge, die wie Containerschlünde aussehen. Hartig, 60, leitet das Projekt "Hauptbahnhof Wien" für die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Er geht an Bauzäunen vorbei, streift sich den Schmutz von den Schuhen, sieht Schilder, die auf Umwege hinweisen. Die Wiener müssen Wege neu lernen, weil sich ihre Stadt häutet. Zweifellos bietet diese Kulisse eine Menge Anlässe, um sich bis zur Weißglut aufzuregen. Und der Wiener grantelt gerne. Über die Politik, über Theaterskandale, auch über die Verspätungen vieler Züge. Aber auffallend selten über den Wiener Hauptbahnhof, über diese Baustelle, auf der mehr Grünfläche entsteht und ein ganz neues Stadtviertel mit Restaurants, Kultur, Hotels, Büros, Wohnungen und einer Shoppingmall.
Das Konzept könnte der Werbebroschüre von Stuttgart 21 entnommen sein. Auch in Wien gibt es eine Bürgerinitiative, die skeptisch ist. Sie kämpft um die Erhaltung des Weltkulturerbes, um weniger himmelstürmende Hochhäuser, um Bäume und gegen Verkehrsbehinderungen. Aber der Widerstand richtet sich nicht gegen das Gesamtprojekt, es gibt keine Montagsdemos und keine Bürgerbewegung. Wien hat keinen Wutbahnhof. Warum nur?
Es ist Stuttgart 21 nach Wiener Art. Die Parallelen sind unübersehbar: In beiden Städten wird ein Kopf- durch einen Durchgangsbahnhof ersetzt. In beiden Fällen entsteht auf nicht mehr benötigten Gleisflächen ein neuer Stadtteil, gewinnt die City Tausende von Wohnungen und leidet davor jahrelang unter einer Baustelle, die den Alltag der Menschen verändert. Wer in Wien jenes gewaltige Bauland sieht, in dem die Betonbrocken wie Schneeflocken vom Skelett des einstigen Bahnhofs rieseln, der blickt auch in die Zukunft von Stuttgart. In Wien läuft die Baustelle für den neuen Bahnhof seit Dezember 2009 auf Hochtouren – hier ist zu besichtigen, was auf Stuttgart zukommen könnte.
Seit das große Graben begonnen hat, ist die Gegend zwischen Süd- und Ostbahnhof ein Ort des Übergangs und der Provisorien. Wenn Karl-Johann Hartig in seinem Revier unterwegs ist, taucht er ein in U-Bahn-Eingänge, die wie Containerschlünde aussehen. Hartig, 60, leitet das Projekt "Hauptbahnhof Wien" für die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Er geht an Bauzäunen vorbei, streift sich den Schmutz von den Schuhen, sieht Schilder, die auf Umwege hinweisen. Die Wiener müssen Wege neu lernen, weil sich ihre Stadt häutet. Zweifellos bietet diese Kulisse eine Menge Anlässe, um sich bis zur Weißglut aufzuregen. Und der Wiener grantelt gerne. Über die Politik, über Theaterskandale, auch über die Verspätungen vieler Züge. Aber auffallend selten über den Wiener Hauptbahnhof, über diese Baustelle, auf der mehr Grünfläche entsteht und ein ganz neues Stadtviertel mit Restaurants, Kultur, Hotels, Büros, Wohnungen und einer Shoppingmall.
Das Konzept könnte der Werbebroschüre von Stuttgart 21 entnommen sein. Auch in Wien gibt es eine Bürgerinitiative, die skeptisch ist. Sie kämpft um die Erhaltung des Weltkulturerbes, um weniger himmelstürmende Hochhäuser, um Bäume und gegen Verkehrsbehinderungen. Aber der Widerstand richtet sich nicht gegen das Gesamtprojekt, es gibt keine Montagsdemos und keine Bürgerbewegung. Wien hat keinen Wutbahnhof. Warum nur?
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Richtigstellung S21/Wien 2010
GüWa,27.10.2010 Hauptbahnhof in Wien im Vergleich zu S 21 Nachdem wir derzeit mit Artikeln zugeschüttet werden, die den Bürgerprotest gegen eine überteuerte und überhebliche Stadt- und Bahnplanung diffamieren, möchte ich der trefflichen Korrektur von Gü Wa über das Wiener Hbf Bahnprojekt zustimmen. Plakativ und pauschal erzeugt eine (interessierte oder uninformierte?) Presse Stimmungen mit Berichten, deren mangelnde Präzision früher die Entlassung des Autors zur Folge gehabt hätte. Jetzt müssen wir uns auch in Köln schon diese Form des zitierenden Anpassungsjournalismus gefallen lassen, der das angebliche geduldige und staatstragende Wiener Bürgerbewußtsein bei der Realisierung visionärer Projekte in Wien belobhudelt im Gegensatz zum Wutbürger in Stuttgart und bundesweit. Ich bin dem Kommentator GüWa für seine Richtigstellung sehr dankbar. Wünschenswert wäre ein ebenso deutliches Eingeständnis der dilletantischen Recherche seitens der von mir kritisierten Claqeur Presse .
Hauptbahnhof in Wien im Vergleich zu S 21
In Wien passiert Ähnliches wie in Stuttgart: Auch hier soll ein neuer Durchgangsbahnhof den bisherigen Kopfbahnhof ersetzen. Aber Proteste gibt es hier nicht. Doch der Vergleich hinkt massiv. Dass wir Wiener – selbst die Opposition! – den neuen Hauptbahnhof mehrheitlich begrüßen, während die Stuttgarter das Projekt S21 mehrheitlich ablehnen, könnte an einigen ganz wesentlichen Unterschieden liegen: 1. Der Wiener Hauptbahnhof ersetzt zwei Kopfbahnhöfe, zwischen denen eine Taxifahrt oder eine mühsame Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln liegt. Er schließt eine Eisenbahnlücke zwischen West- und Osteuropa und verknüpft erstmals die österreichischen Linien Westbahn, Südbahn, Ostbahn und Nordbahn. S21 wandelt lediglich einen Kopfbahnhof in einen Durchgangsbahnhof um. 2. Der Wiener Hauptbahnhof kostet € 930 Mio. (Bahninfrastruktur) bzw. € 1,2 Mrd. (Gesamtprojekt). S21 kostet hingegen nach Schätzung des Bundesrechnungshofes € 5,3 Mrd. Umgelegt auf die Bevölkerungszahlen ist S21 damit etwa zwölfmal so teuer als der Wiener Hauptbahnhof. Die Kosten in Wien sind im Projektverlauf relativ stabil geblieben (plus 130 Mio) während die Kosten in Stuttgart bereits um Milliarden Euro gestiegen sind. 3. Der Hauptbahnhof wird oberirdisch in einem relativ unattraktiven Teil Wiens gebaut, den abgerissenen Bauten weint niemand eine Träne nach, auch nicht das Denkmalamt. S21 wird unterirdisch mitten im Zentrum gebaut, betroffen sind denkmalgeschützte Bauten und der Stuttgarter Schlosspark. 4. Wien ist ein deutlich wichtigerer Bahnknotenpunkt als Stuttgart, das nur an einer transeuropäischen Achse liegt. Auch hat Wien drei Mal so viel Einwohner – und damit vermutlich Bahnreisende – als Stuttgart. 5. Die verkehrsplanerische Reife von S21 ist strittig, die des Wiener Hauptbahnhofs nicht. Hier wird lediglich die mangelhafte Anbindung an das innerstädtische Verkehrsnetz bemängelt. 6. Auch die Einbindung der Öffentlichkeit dürfte in Wien, wo ein Zentralbahnhof seit beinahe hundert Jahren diskutiert wird, deutlich besser gelaufen sein. In Stuttgart hingegen verhinderte der Oberbürgermeister trickreich eine Volksabstimmung, die 60.000 Bürger per Unterschrift gefordert hatten – 40.000 mehr als notwendig, um die Stadt zu einer solchen zu verpflichten. Er schuf frühzeitig vollendete Tatsachen, das Volk fühlt sich um sein Recht auf Mitbestimmung betrogen. Lässt sich Andreas Meyer-Feist, der Wien-Korrespondent der ARD, der diese augenfälligen Unterschiede kennen müsste, vor den Karren der S21-Befürworter spannen?
schau mer mal
wie das mit dem Wahlergebnis wird. Das wäre nicht die erste weitsichtige Prognose die in die Hose geht. Vielleicht reichen 2 Parteien nicht für eine Koalition ;-) Ansonsten tut es mir natürlich leid wenn ich hier bestimmte Erwartungen entäuscht habe :-))))))))))))) Am allermeisten tut es mir leid wenn etwas passiert was gar nicht passieren darf. S21 stirbt 2010 an Unterernährung.