Neuer Syrien-Verein „Humanity Life“ Hilfseinsatz für die zweite Heimat

Von Annette Clauß 

Die Brüder Benjamin und Armin Deiri aus Waiblingen haben den Verein Humanity Life gegründet. Ihr Ziel ist es, syrischen Landsleuten zu helfen – denen, die im Ausland leben, und jenen, die nach Deutschland kommen.

Armin und Benjamin Deiri Foto: Stoppel
Armin und Benjamin DeiriFoto: Stoppel

Waiblingen - Armin und Benjamin Deiri aus Waiblingen kennen Syrien gut, denn es ist ihre zweite Heimat. Die beiden 27 und 31 Jahre alten Brüder, die teils in der Region Stuttgart, teils in Damaskus aufgewachsen sind, haben Syrien als einen Ort erlebt, an dem Muslime, Christen und Juden friedlich zusammenleben. Doch das sei vorbei, sagt Armin Deiri bedauernd: „Syrien ist inzwischen ein Spielplatz für ­Hobbykämpfer geworden.“ Der 27-Jährige spricht von einem „fiktiven ethnischen Konflikt“, der künstlich von diversen Interessengruppen geschürt werde.

Millionen sind auf der Flucht

Mit allen denkbaren schrecklichen Folgen für die ganz normalen Menschen, die dort gelebt haben und nun zu Millionen auf der Flucht sind. Auch die Oma und die Tante der Brüder sind nach Jordanien geflohen, ihr Onkel ist entführt worden. Die Eltern der Brüder sind bereits vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland zurück­gekehrt, weil ihnen das Risiko zu groß wurde. Benjamin Deiri zeigt einige Fotos der Karosseriebaufirma seines Vaters beziehungsweise dessen, was davon übrig geblieben ist: ein Haufen Trümmer.

Weil Armin und Benjamin Deiri dem Elend nicht einfach weiter zuschauen wollten, haben sie Humanity Life gegründet. Der Verein hat mehrere Ziele. Zum einen wollen die Brüder humanitäre Hilfe im Ausland, in den Grenzgebieten zu Syrien, leisten. Zum anderen wollen sie dabei helfen, dass syrische Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, möglichst gute Startbedingungen haben.

In den Camps in den Grenzgebieten Jordaniens, der Türkei und des Libanon fristen Millionen Flüchtlinge ein Dasein unter schlimmen Bedingungen. „Zehntausende sind schon verhungert“, sagt Benjamin Deiri. Mindestens zwei Millionen Kinder lebten in den Auffanglagern, die Armin Deiri folgendermaßen beschreibt: „So ein Camp ist wie ein Käfig.“ Von einer Schule können die Bewohner nur träumen, und doch sei Bildung immens wichtig, sagt Armin Deiri: „Es geht nicht nur darum, wie die Menschen jetzt überleben, sondern auch, wie sie in zehn Jahren überleben.“

Chaotische Lage im Land

Vom Verein gesammelte Lebensmittel, Kleider und Medikamente direkt nach Syrien zu bringen, halten die Brüder zumindest derzeit für zwecklos. Angesichts der chaotischen Lage im Land sei nicht zu gewährleisten, dass die Spenden bei den richtigen Empfängern landeten. „So ein Transport wäre wohl ein Fall für die Unesco“, sagt Armin Deiri. Hilfslieferungen in die Flüchtlingscamps hält er aber für machbar: „Wir sind schon im Gespräch mit mehreren Konzernen wegen Spenden, aber noch ist nicht alles unter Dach und Fach. Zum Beispiel suchen wir noch eine Spedition.“

Für die Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, wollen sich die Brüder und die übrigen Vereinsmitglieder ebenfalls einsetzen. „Sie kommen hier an und sprechen kein Deutsch, wissen nichts über das politische System und die unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten“, sagt Benjamin Deiri. Dem wolle Humanity Life abhelfen – mit Informationsveranstaltungen für die Geflüchteten zu diesen Themen, mit praktischer Hilfe bei Behördengängen und mit Deutschunterricht. Die Vereinsmitglieder haben sich vorgenommen, den syrischen Menschen die Ankunft und das Einleben möglichst leicht machen – um Frust und möglicherweise Kriminalität zu verhindern. Weitere Mitstreiter sind willkommen, zum Beispiel auch Leute, die in englischer Sprache referieren können. „100 Mitglieder wären optimal“, sagt Armin Deiri. Was die Zukunft Syriens angeht, so ist der Ausblick der Brüder eher pessimistisch: „Solange sich die internationale Gemeinschaft nicht auf ein bestimmtes Ziel einigt, wird der Konflikt noch lange dauern.“