Stuttgart - Abitur - und was dann? Ein Studium soll es auf jeden Fall sein. Nur: welches? Trotz Praktika sind viele Elft- und Zwölftklässler ratlos. Mit 17 oder 18 müssen sie eine der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens treffen, ohne gründlich darauf vorbereitet zu sein. Der kostenlose, anonyme Orientierungstest http://www.was-studiere-ich.de soll helfen, Neigungen und Fähigkeiten besser einzuschätzen. Der Zugang zum Online-Test ist kinderleicht. Eine umständliche Anmeldung ist nicht erforderlich. Jeder Teilnehmer kann die Auswertung mit einem persönlichen Passwort beliebig oft abrufen. Interessiert es mich, Diagramme und Tabellen zu erstellen? "Wenig", klicke ich auf der Skala an, die von "gar nicht" bis "sehr" reicht. Mag ich unerforschten Fragen nachgehen? Ja, "sehr" sogar. In zehn Minuten sind die 80 Fragen beantwortet. Das so ermittelte Interessensspektrum wird automatisch mit Studiengangs- und Berufsprofilen abgeglichen. 650 Experten wurden zu Rate gezogen, um die Profile detailliert zu definieren und damit eine Datenbank zu füttern. Entwickelt haben den Test Wissenschaftler der Universitäten Hohenheim und Konstanz.
In meinem persönlichen Profil wird mir ein hohes allgemeines Studieninteresse bescheinigt. Sprache und Forschung sind mir demnach wichtig, Systematisierendes und Technisches eher suspekt. Das überrascht mich wenig. Deshalb habe ich Politische Wissenschaft und Journalistik studiert und nicht Physik oder Wirtschaftsinformatik. Dafür hat es die binnen Sekunden ausgespuckte lange Liste mit Studiengangs- und Berufsempfehlungen in sich. Gut zu meinem Profil passt immerhin der tatsächlich ausgeübte Beruf: der einer Redakteurin. Auf den ersten Plätzen tun sich jedoch erstaunliche Alternativen auf: Dramaturgin, Kommunikationstrainerin, Theaterpädagogin, Politikerin! Aber soll ich gleich Stücke inszenieren, nur weil ich gerne ins Theater gehe? Ebenso verblüfft reagiert der Kollege. Er kann jetzt über eine Laufbahn als Wirtschaftssinologe oder Insolvenzverwalter nachdenken, während der Kollegin eine Karriere als Synchronsprecherin oder Fernsehmoderatorin nahegelegt wird.
In erster Linie werden Berufe zugeordnet
Der zweite Teil des Tests enthält Übungen zum sprachlichen, rechnerischen, bildhaften und räumlichen Denken. Die eineinhalb Stunden Bearbeitungszeit sind gut investiert. Danach erfährt man, ob man für seinen Traumberuf tatsächlich befähigt ist.
Dass in diesem Test in erster Linie Berufe zugeordnet werden und man darüber zu den Studiengängen kommt, ist bundesweit einmalig. Abiturienten setzen sich bei Durchsicht der Listen auch mit weniger bekannten Berufen und hochspezialisierten Studiengängen auseinander. "Wir verstehen uns als eine Art Partnerbörse, die Hochschulen und Studierende zusammenführt", erläutert Benedikt Hell von der Universität Konstanz. Angesichts des stetig wachsenden Angebots an Studiengängen ein kluger Ansatz. Ein weiterer Pluspunkt: das Profil lässt sich korrigieren, indem man die zehn Interessensfelder neu gewichtet. Prompt erscheint eine modifizierte Auswertung. Ein solch spielerischer Ansatz inspiriert gerade Jüngere, frühzeitig über ihre Zukunft nachzudenken. Nur Testteilnehmer mit vielen Interessen sind angesichts der zahlreichen Vorschläge schnell überfordert. 829 Berufe sind zurzeit gelistet und mehr als 1200 Studiengänge hinterlegt.
Dafür gehen auch diejenigen nicht leer aus, die alle Fragen mit "Das interessiert mich gar nicht" beantwortet haben. "Ästhetischer und plastischer Chirurg" rangiert bei ihnen ganz oben auf der Empfehlungsliste. Damit kann man zumindest viel Geld verdienen. Allerdings wirft diese Auswertung Zweifel auf. Es sei ein eher geringes allgemeines Studieninteresse gegeben, heißt es. Mit anderen Worten: muss es wirklich ein Studium sein? In diesem Fall muss wohl ein leibhaftiger Berufsberater helfen.
Test zur Studienwahl »