Neuffen Mit wendigen Wagen durch enge Kurven

Von Philipp Braitinger 

Das legendäre Bergrennen wird nicht wieder aufleben. Dennoch könnte am Albtrauf an die große Rennsportveranstaltung angeknüpft werden.

Die Boliden vergangener Tage könnten nochmal richtig in Schwung kommen. Foto: SDMG 11 Bilder
Die Boliden vergangener Tage könnten nochmal richtig in Schwung kommen. Foto: SDMG

Neuffen - Die kraftstrotzenden Sportautos haben nichts von ihrer Faszination verloren. Die Interessensgemeinschaft Bergpreis Schwäbische Alb setzt sich dafür ein, dass das legendäre Bergrennen in Neuffen eine Fortsetzung findet. Allerdings nicht mehr als eine Rennveranstaltung. „Wir wollen eine Berggleichmäßigkeitsfahrt machen“, erklärt der Sprecher der Interessengemeinschaft Michael Turco. Einen Vorgeschmack bekamen tausende Besucher kürzlich beim „Eselhock“ in Neuffen, bei dem Benzingeruch geschnuppert und ein Blick auf rund 40 historische Fahrzeuge geworfen werden konnte, die einst beim legendären Bergrennen mitgefahren sind.

In den kommenden Jahren könnten die Oldtimer nicht nur durch die Stadt, sondern erneut über die Neuffener Steige fahren. Das hoffen zumindest Turco und seine Mitstreiter. Viele von ihnen kennen das Bergrennen noch aus Kindheitstagen. Entstanden sei die Idee vor acht Jahren bei einer Espressorunde unter Freunden. Seitdem hat sie der Gedanke nicht mehr losgelassen. „Es hat sich ein richtiger Enthusiasmus entwickelt“, so Turco.

Es kam zu tödlichen Unfällen

Die Fahrer der Sportautos kämpften von 1964 bis 1983 beim Rennen auf der Straße von Neuffen nach Hülben um Ruhm und Ehre. Unter den Piloten waren Größen wie Hans-Joachim Stuck, Sepp Greger und Leopold Prinz von Bayern. Die Ergebnisse zählten als Wertung für einige deutsche und europäische Motorsportwettbewerbe.

Als Teenager habe er bereits vor dem eigentlichen Rennen die großen Lastwagen der Rennteams beobachtet, erinnert sich der 55-jährige Michael Turco. Beim Rennen waren mehr als 30 000 Zuschauer dabei. „Es war ein sensationelles Spektakel.“ Doch das ist lange her. Das gefährliche Rennen wurde eingestellt, weil ein Junge bei einem Unfall mit einem Rennwagen auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Ein Fahrer hatte die Kontrolle über seinen Wagen verloren und kam von der Strecke ab. Der Junge stand als Zuschauer am Straßenrand und wurde von dem Fahrzeug erfasst.

Außerdem lockte das Rennsportereignis, an dem auch Motorradfahrer teilnahmen, regelmäßig Amateure nach den Wettbewerben auf Zweirädern auf die Strecke. Es kam zu mehreren tödlichen Verkehrsunfällen. Schließlich wurde die Straße für Motorradfahrer an Wochenenden gesperrt. Der Kurs hat lange Zwischengeraden, auf denen ordentlich beschleunigt werden kann. Ferner gibt es enge Haarnadelkurven. „Die Strecke hat schnelle und langsame Passagen, es ist alles dabei“, sagt Turco. Es ist ein Weg, auf dem sowohl Motorrad- als auch Autopiloten ihr fahrerisches Können unter Beweis stellen konnten. Doch beim Kampf um die Sekunden waren neben verantwortungsbewussten Fahrern ehemals auch Hasardeure unterwegs. Letztere sollen sich bei einer Neuauflage auf der 4,2 Kilometer langen Strecke mit 18 Kurven und einem Höhenunterschied von 280 Metern nicht mehr herausgefordert fühlen. Falls alles klappen sollte, würden die historischen Fahrzeuge die alte Rennstrecke in gemächlicherem Tempo als früher abfahren.

Ein erster Versuch ist vor drei Jahren gescheitert

Für die Berggleichmäßigkeitsfahrt würde der Deutsche Motorsportbund (DMSB) die Strecke begutachten und eine Zeitvorgabe geben, die nicht unterschritten werden darf. Die Fahrer dürfen also nicht zu schnell fahren. Außerdem soll der Naturschutzbund (Nabu) im Vorfeld Aspekte des Naturschutzes benennen.

Das Lager der Fahrer soll im Ort sein. Für die acht Ehrenamtlichen der Interessengemeinschaft und ihre 60 bis 100 Unterstützer wäre die Organisation eine Mammutaufgabe, die aber erst begonnen werden kann, wenn das Esslinger Landratsamt grünes Licht gegeben hat. Der erste Versuch, eine Genehmigung für eine Berggleichmäßigkeitsfahrt zu bekommen, sei im Jahr 2015 gescheitert. „Wir haben einen auf den Deckel gekriegt“, erinnert sich der Motorsportfreund Turco. Das soll sich nicht wiederholen.

Rückendeckung für die Pläne der Interessengemeinschaft kommt aus dem Neuffener Rathaus. Das Oldtimerevent könnte nämlich den Fremdenverkehr ankurbeln, erklärt der Bürgermeister Matthias Bäcker. In der jüngsten Vergangenheit sei dieser Wirtschaftszweig stetig gewachsen. So sei die Zahl der Ferienwohnungen in den vergangenen sechs Jahren von vier auf 16 gestiegen. Der im Jahr 2011 eröffnete Wohnmobilstellplatz habe seine Kapazitäten von vier auf acht und jüngst auf 16 Plätze ausgeweitet. Bis 2019 sollen es 24 Plätze sein. Auf der Messe für Caravan, Motor und Touristik (CMT) in Stuttgart wirbt die Gemeinde regelmäßig mit einem eigenen Stand. „Wenn die Leute sehen, wie schön es in Neuffen ist, kommen sie wieder“, ist sich der Bürgermeister sicher.

Er hofft, dass die Fahrt in den kommenden Jahren wie geplant stattfinden kann. Ein Knackpunkt sei allerdings, dass die Neuffener Steige inmitten geschützter Naturräume liege. Die Naturschutzbehörde des Landratsamts treibe die Sorge um, dass die Zuschauer auf ihren Wegen zu den besten Plätzen entlang der Strecke schützenswerte Pflanzen zertrampeln und Tiere vertreiben würden. Deshalb sollen die Zuschauer nur an einigen ausgewiesenen Bereichen zugelassen werden, erklärt Matthias Bäcker. Hinzu kämen Sicherheitsbedenken der Verkehrspolizei.

Wie lange es noch dauert, bis die Neuffener das Oldtimerevent auch über die Gemeindegrenzen hinaus durchführen dürfen, lässt der Schultes offen. Er rechnet damit, dass die erste Gleichmäßigkeitsfahrt in frühestens drei Jahren stattfinden wird. Bis dahin solle die Fahrt der Oldtimer durch den Ort nach und nach ausgeweitet werden. „Wir gehen mit einer Salamitaktik vor. Wir müssen uns in kleinen Schritten vorarbeiten“, meint Bäcker – bis die alten Boliden wieder über die Steige knattern.