Neujahrsempfang in Korntal-Münchingen Schultes warnt vor „unheilvoller Neiddebatte“

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Beim Neujahrsempfang in der Korntaler Stadthalle ist der Bürgermeister Joachim Wolf vor allem auf die Flüchtlingskrise eingegangen. Er rief zu mehr Verständnis für die Situation der Geflüchteten auf und warb für offene Diskussionen.

Beim Neujahrsempfang in der Korntaler Stadthalle ist der Bürgermeister Joachim Wolf vor allem auf die Auswirkungen der Flüchtlingskrise eingegangen. Foto: Pascal Thiel
Beim Neujahrsempfang in der Korntaler Stadthalle ist der Bürgermeister Joachim Wolf vor allem auf die Auswirkungen der Flüchtlingskrise eingegangen.Foto: Pascal Thiel

Korntal-Münchingen - Geht es nach dem Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf, so kann man das Jahr 2015 getrost als ein gutes Jahr bezeichnen – allerdings vor allem mit Blick auf seine eigene Kommune. Weltweit hingegen sei die Situation mit den zahlreichen Krisen und Kriegen, die viele Menschen zur Flucht zwängen, wohl kaum positiv zu beurteilen, sagte der Schultes beim Neujahrsempfang am Sonntag in der Korntaler Stadthalle. Die Auswirkungen dieser Krisen seien letztlich auch in Korntal-Münchingen zu spüren. Mit einem flammenden Plädoyer für Verständnis, Menschlichkeit und Pragmatismus warb Wolf deshalb dafür, die Flüchtlinge hier zu unterstützen – die Belange der Stadt und die Bedürfnisse ihrer Bürger dabei jedoch nicht aus den Augen zu verlieren.

Wolf warnte vor allem vor „Verführern am Rande der Gesellschaft“, die dafür sorgten, dass die Ängste der Skeptiker von Zuwanderung und Integration genährt würden. Um dies zu vermeiden, müsse öffentlich darüber diskutiert werden, wie diese Herausforderung zu bewältigen sei. „Diese Debatte gehört nicht in die Hinterzimmer, schließlich lebt die Demokratie von unterschiedlichen Meinungen.“

Schultes mahnt zu Weitblick

Auch er sehe die Flüchtlingskrise nicht durch die rosarote Brille, räumte Wolf ein. Die Aufnahme und Integration der vielen Menschen aus anderen Ländern werde sicher nicht leicht – allein schon, weil der ohnehin extrem angespannte Wohnungsmarkt in der Region immer enger werde. Zudem koste die Flüchtlingshilfe Geld. Doch er hoffe, dass es angesichts dessen nicht zu einer „unheilvollen Neiddebatte“ komme. Um dies zu verhindern, sei es erforderlich, wichtige Investitionen – beispielsweise in Schulen oder Kitas – nicht aufzuschieben oder gar zu streichen, nur um starre Schuldengrenzen einzuhalten. Vielmehr müssten notwendige Investitionen mit einem angemessenen Weitblick angegangen werden.

Dennoch: auch im Jahr 2016 sei viel gemeinsame Kraft vonnöten. Nicht zuletzt, weil sich die Zahl von derzeit 120 Flüchtlingen in Korntal-Münchingen voraussichtlich auf 400 bis 500 erhöhen werde. Er hoffe inständig, dass sich durch die Ereignisse in Köln in der Silvesternacht – zahlreiche Frauen wurden dort mutmaßlich von Migrantengruppen angegriffen und sexuell belästigt – nicht die Zweifel verstärkten, dass man die Situation nicht bewältigen könne. „Wieso sollten wir das nicht schaffen?“, fragte Wolf. Schließlich sei das nicht die erste Flüchtlingswelle hier und bisher sei die Kultur noch nicht verloren gegangen.

Optimismus für die Entwicklung der Stadt

Aber auch im Hinblick auf seine Kommune zeigte Wolf sich optimistisch: Die Planungen für das Neubaugebiet Korntal-West gingen gut voran und die neue Erhaltungs- und Gestaltungssatzung für Münchingen garantiere nun, dass der Stadtteil „etwas ganz Besonderes“ bleibe. Zudem seien nach jahrzehntelangen Diskussionen die Arbeiten für die Neue Mitte in Korntal im Gange – und die Eröffnung des neuen Vollsortimenters sei für 2016 geplant.

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