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Neujahrsempfang Weilimdorf Klimawandel beginnt im Kopf
Leonie Hemminger, 26.01.2012 07:00 Uhr
Ortwin Renn erklärte den Besuchern des Neujahrsempfangs, welche Schritte bei der Energiewende dazugehören. Foto: Leonie Hemminger
Ortwin Renn erklärte den Besuchern des Neujahrsempfangs, welche Schritte bei der Energiewende dazugehören. Foto: Leonie Hemminger

Weilimdorf - Das Licht durfte angeknipst bleiben, während Ortwin Renn, Professor für Umwelt- und Techniksoziologie sowie Vorsitzender des Nachhaltigkeitsbeirats Baden-Württemberg, beim Neujahrsempfang der SPD im Weilimdorfer Bezirksrathaus seine Rede hielt. Aber hätten zwei Deckenlampen weniger womöglich auch ausreichend Licht gespendet? Renn regte die Zuhörer dazu an, sich darüber einmal Gedanken zu machen.

„Wenn wir über die Energiewende sprechen, heißt das, dass wir weniger Energie verbrauchen müssen“, sagte der 60-Jährige. Veränderungen kämen aber nicht von selbst. Vier Punkte seien auf dem Weg dorthin besonders relevant. Erstes Ziel sei, den Betrieb von Kernkraftwerken bis zum Jahr 2021 auslaufen zu lassen. Heute würden noch 22 Prozent unserer Elektrizität aus Kernenergie gewonnen. Das zweite Element der Energiewende sei vor allem aus Klimaschutzgründen entscheidend: Bis zum Jahr 2050 müsse der Anteil an fossiler Energie von derzeit 84 Prozent auf 20 Prozent reduziert werden. „Das wird nicht einfach sein“, betonte Renn. Schließlich bildeten fossile Energien insbesondere bei der Automobilindustrie, im Flugverkehr und bei der Stromerzeugung einen Schwerpunkt. „Der Zeitraum von 40 Jahren ist für die Reduzierung extrem kurz.“

Um die dabei entstehende Versorgungslücke zu füllen, müssten – drittens – regenerative Energieträger ausgebaut werden. Allerdings besäßen diese eine kritische Eigenschaft: Sie stehen nicht dauerhaft zur Verfügung. Denn wenn kein Wind weht, stehen Windräder still und produzieren keinen Strom. Damit aber nicht nach der Hälfte des Barts der Rasierapparat still stehe, brauche man Puffer, die dafür sorgen, dass Strom immer verfügbar ist.

Suche nach Speichermöglichkeiten von Strom

„Strom ist aber sehr schwer speicherbar“, sagt der Umweltsoziologe. Es müsse daher ein Steuerungssystem entwickelt werden, das dafür sorgt, dass genauso viel Energie gewonnen wie verbraucht wird. Sogenannte Pumpspeicherkraftwerke, bei denen mit überschüssiger Energie Wasser einen Hang hochgepumpt wird, um später beim Bergabfließen wieder Energie freizusetzen, seien unverzichtbar. „Sie brauchen aber sehr viel Raum, daher brauchen wir andere Speichervarianten“, erklärte Renn.

Den vierten Punkt der Energiewende bezeichnete der Professor als den schwierigsten: „Ein Wandel funktioniert nur, wenn wir im Stromverbrauch effizienter werden“, sagte Renn, und ergänzte: „Das ist möglich.“ Angefangen bei der Zahl der Glühbirnen, die angeknipst werden, bis hin zu alten technischen Geräten mit hohem Energiebedarf, könne jeder seinen Stromverbrauch in Frage stellen. Denn zwischen 1985 und 2004 seien alle technischen Geräte um 37 Prozent effizienter geworden; dennoch sei der Stromkonsum im selben Zeitraum um 24 Prozent gestiegen. „Effizienter Stromverbrauch ist technisch möglich, aber es bedarf zusätzlich einer Umwandlung in unserem Denken“, betonte der Professor.

Von dem Wunsch nach einer „eierlegenden Wollmilchsau“ müsse man sich ohnehin verabschieden, denn eine Lösung, die gleichermaßen umweltverträglich und preiswert sei und auch noch die Versorgung sicher stelle, gebe es nicht. Daher müsse auch für Lösungen wie Pumpspeicherkraftwerke, Überlandleitungen und Windkraftanlagen Verständnis geschaffen werden. „Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten, dass so etwas nötig ist.“

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