New Fall Festival in Stuttgart Aller guten Dinge sind zwei

Von  

Die Konzertreihe New Fall Festival findet vom 15. bis 19. November zum zweiten Mal an verschiedenen Orten in Stuttgart statt, der Konzertsommer am Mercedes-Benz-Museum wird 2018 ebenfalls fortgesetzt und die Grünen entdecken ihr Herz für Popkultur.

Tritt am 19. November in der Carl-Benz-Arena auf: Michael Kiwanuka Foto: New-Fall-Festival
Tritt am 19. November in der Carl-Benz-Arena auf: Michael Kiwanuka Foto: New-Fall-Festival

Stuttgart - Stuttgart ist kein einfaches Pflaster, wenn es um die Produktion von Pop-konzerten geht. Spielflächen in einer geeigneten Größe sind rar, der Brandschutz ist das höchste Gut dieser Stadt, und die Politik hat bisher nach der Steinzeit-Maxime gehandelt, wonach man E-Musik sehr gerne finanziell fördert, während man den Fördertopf für U-Musik nicht einmal mit spitzen Fingern anfasst oder gar öffnet.

Das könnte sich mit dem New-Fall-Festival, einer aus Düsseldorf importierten Konzertreihe, die nächste Woche zum zweiten Mal in Stuttgart stattfindet, nun ändern. Die Grünen im Stuttgarter Gemeinderat würden die Veranstaltung künftig gerne mit 40 000 Euro finanziell unterstützen. Einen entsprechenden Antrag haben sie bei den derzeit stattfindenden Haushaltsberatungen gestellt. „Es ist beeindruckend, welche Künstler das Festival im vergangenen Jahr nach Stuttgart geholt hat. Deshalb erachten wir eine Förderung für strategisch sinnvoll“, sagt Andreas Winter, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat.

Bisher hat sich die Stadt mit der Förderung von Popkultur schwer getan

Für Stuttgart wäre eine Förderung ein Novum. Bisher hatte sich die Stadt mit der Popkultur eher schwer getan. „Die Trennung zwischen U-Musik und E-Musik ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Es gibt entweder gute Musik oder weniger gute Musik“, sagt Andreas Winter. In anderen Städten hat man das schon früher erkannt. In Düsseldorf wird das New-Fall-Festival seit der dritten Auflage im Jahr 2013 von der Stadt, vom Land Nordrhein-Westfalen und von verschiedenen Stiftungen in nicht geringem Maße finanziell unterstützt.

„Ein Festival wie das unsere mit dem Anspruch, qualitativ hochwertigen Pop an ungewöhnlichen Orten stattfinden zu lassen, kann ohne Förderung gar nicht funktionieren“, sagt der Festivalchef Hamed Shahi von der SSC Music Group in Düsseldorf. „Von daher freue ich mich, dass es nun auch in Stuttgart eine modernere Denke und ein Verständnis dafür gibt, dass Popkultur es wert ist, unterstützt zu werden.“

Förderung des New Fall Festivals als Weckruf?

Unter Stuttgarts Veranstaltern kommt der Vorstoß, das New-Fall-Festival zu fördern, vorsichtig formuliert, nur so mittelgut an. „Als Stuttgarter Unternehmen haben wir unsere Spielstätte Wizemann ganz ohne Förderung auf die Beine gestellt. Ohne finanzielle Unterstützung der Stadt sind wir abhängig von einer guten Auslastung unserer Location“, sagt Matthias Mettmann, Geschäftsführer der Agentur Chimperator live und verantwortlich für das „Im Wizemann“. Mettmann kennt die Stuttgarter Veranstalterszene wie kaum ein Zweiter. Vor seinem Wechsel zu Chimperator war er beim lokalen Veranstalter Music Circus Concertbüro angestellt. „Vielleicht funktioniert die mögliche Förderung des New-Fall-Festivals ja als eine Art Weckruf“, so Mettmann weiter. „Wenn die Pop-struktur in Stuttgart gezielt gefördert werden würde, würden alle davon profitieren.“

Das sieht auch Hamed Shahi ähnlich: „Ich habe nie verstanden, wieso zum Beispiel eine Veranstaltung wie das Stuttgart- Festival nicht gefördert wurde. Nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in anderen Städten, ist so etwas längst Usus. Da haben die Kommunen erkannt, wie wichtig hochwertige Popveranstaltungen sind“, sagt Shahi. „Ich würde mich freuen, wenn wir in Stuttgart als Türöffner funktionieren könnten.“

Der Konzertsommer am Mercedes-Benz-Museum wird auch 2018 stattfinden

Nun will sich Shahi aber erst einmal auf die am kommenden Mittwoch beginnende zweite Auflage des New-Fall-Festivals in Stuttgart konzentrieren. Die Premiere im vergangenen Jahr wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen sehr wohlwollend aufgenommen. In diesem Jahr kommen zwei neue Spielstätten in Stuttgart hinzu: Austra und die Tune-Yards spielen am 17. November in der Straßenbahnwelt in Bad Cannstatt. Olli Schulz, Tom Odell und Michael Kiwanuka haben die nicht ganz einfache Aufgabe, die ansonsten eher für Jobmessen bekannte Mehrzweckhalle Carl-Benz-Center zum Leben zu erwecken. Die weiteren Konzerte finden im Neuen Schloss und in der Liederhalle statt.

Dabei geht nicht nur das New-Fall-Festival in eine zweite Runde. Auch in Bezug auf den Konzertsommer, der in diesem Jahr zum ersten Mal am Mercedes-Benz-Museum stattgefunden hat, heißt es, „aller guten Dinge sind zwei“: „Wir können zwar noch keinen konkreten Termin vermelden aber zumindest bestätigen, dass der Konzertsommer auch 2018 stattfinden wird“, sagt Matthias Mettmann, der die Koproduktion von Museum und Chimperator mit ins Leben gerufen hat. Für die Zukunft wünscht sich Mettmann übrigens eine engere Zusammenarbeit der hiesigen Veranstalter. „Wir sollten uns zusammentun und die Futterneid-Thematik beenden. Dann ginge es uns allen besser.“