New York Die Penn Station wird wieder auferstehen

Von Sebastian Moll 

Unterirdisch, unübersichtlich schmutzig: Der Pennsylvania-Bahnhof in New York gilt als „Vorhölle“. Jetzt soll er grundlegend modernisiert werden. Doch ein Anlieger kann der Stadt noch Probleme bereiten.

Brutalistische Moderne: durch gesichtslose Eingänge betreten die Fahrgäste in New York heute


 den Bahnhof. Foto: Mauritius
Brutalistische Moderne: durch gesichtslose Eingänge betreten die Fahrgäste in New York heute den Bahnhof.Foto: Mauritius

New York - Man wird selten etwas Gutes zu hören bekommen, wenn man New Yorker auf die Pennsylvania Station anspricht, den größten Fernbahnhof der Metropole. Bewohner wie Besucher der Stadt hassen diesen Ort inbrünstig und meiden ihn, wenn sie es nur können.

Der Architekturkritiker der New York Times, Michael Kimmelmann, sprach der Stadt aus der Seele, als er jüngst die Penn Station, die täglich von mehr 650 000 Personen frequentiert wird, als Vorhof zur Hölle bezeichnete. Der Bahnhof ist ein Gewirr unterirdischer Gänge mit niedrigen Decken, in dem man leicht die Orientierung verliert. Man bekommt Beklemmungen in den schäbig wirkenden Hallen, durch die unvorstellbare Menschenmassen durchgequetscht werden.

Gouverneur Cuomo bewilligt drei Milliarden

Kimmelmann und eine wachsende Schar einflussreicher Mitstreiter fordern deshalb schon seit einiger Zeit die Vollsanierung des Bahnhofs, der vor mehr als 50 Jahren an die Stelle einer prachtvollen neoklassizistischen Halle gesetzt wurde. Jetzt hat man sie erhört. Am Dienstag gab Andrew Cuomo, der Gouverneur des Staates New York, bekannt, dass er drei Milliarden Dollar für den Neubau der Penn Station bewilligen wird.

Es ist der erste Schritt zur Wiedergutmachung einer der größten Bausünden des modernen New York. Als die grandiose Penn Station, unter anderem in Glen Millers Song „Chatannoga Choo Choo“ unsterblich gemacht, 1963 gesprengt wurde, sprach die New York Times von einem beispiellosen Akt des Vandalismus.

Der Bahnhof gilt als Schandfleck

Der Komplex, der an die Stelle des alten Fernbahnhofs, von dem aus die Züge bis nach Chicago und New Orleans abfuhren, traten, gilt heute als Schandfleck. Überirdisch wurde der Bahnhof durch die Veranstaltungs-Arena Madison Square Garden ersetzt – einem brutalistischen Beton-Rundbau im pragmatischen Siebziger-Jahre Stil. Der Bahnverkehr wanderte unter die Erde, wo heute die Passagiere unter Neonlicht zwischen den Gleiszugängen der U-Bahn und drei Fernbahn-Betreibergesellschaften umherirren.

Diese Hässlichkeit führte seinerzeit immerhin dazu, dass New Yorker Bürger ein ähnliches Schicksal für die Grand Central Station verhinderten. Eine Bürgervereinigung, angeführt von Jackie Onassis, erreichte, dass der Prunkbahnhof im Osten der Innenstadt unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die Bauherren des Pan Am Wolkenkratzers über der Grand Central Station mussten um den Bahnhof herum bauen und zu dessen Sanierung beisteuern. Wie die neue Penn Station aussehen wird ist indes noch ungewiss. Fest steht bislang alleine, dass das gegenüber liegende Hauptpostamt, ein prunkvoller neoklassizistischer Bau, auch einbezogen wird. Somit wird zumindest ein Teil des Fernverkehrs wieder überirdisch durch eine wahrhaftige Bahnhofshalle führen.

Was wird aus dem Madison Square Garden werden?

Eine weitere Idee sieht vor, einen Teil der 33-sten Straße für den Autoverkehr zu sperren und somit den überirdischen Zugang für die Bahnfahrer zu ermöglichen. Das größte Problem für einen wirklich würdigen Bahnhof wird jedoch der Madison Square Garden bleiben.

Der Betreiber des Garden, der Geschäftsmann Tom Dolan, hat sich in der Vergangenheit beharrlich geweigert den Standort im Zentrum von Manhattan direkt über allen Bahnverbindungen aufzugeben. Im vergangenen Jahr hat die Stadt jedoch auf Drängen der Bahnhofs-Sanierer die Lizenz zur Betreibung des Garden auf weitere zehn Jahre begrenzt. Der Vorstoß von Gouverneur Cuomo, der sich als Großbauherr ein Denkmal setzen möchte, setzt Dolan unter Druck. In seiner Ankündigung der Bahnhofssanierung nannte Cuomo die Penn Station „der Stadt New York nicht würdig.“ Der Bahnhof wird mit oder ohne Dolans Kooperation neu gebaut, im Zweifel spielt New York einfach auf Zeit. Der Bau von zwei neuen Gleistunneln unter dem Hudson hat bereits begonnen.

Der Westen Manhattans erhält ein neues Gesicht

So wird in den nächsten Jahren im Westen Manhattans eine moderne Verkehrsdrehscheibe entstehen, die viele Hunderttausend Pendler täglich aus ihrer unterirdischen Vorhölle befreit. Der Bahnhof wird an ein neues Stadtviertel angebunden sein, dass derzeit entlang des Hudson-Flusses entsteht. Zusammen genommen wird der Komplex der kompletten Westseite der Stadt ein neues Gesicht geben.

Auch der Madison Square Garden wird hier einen Platz finden. Man hat Tom Dolan bereits einen neuen Standort ein Stück südwestlich von seinem jetzigen angeboten. Früher oder später wird Dolan dieses Angebot wohl annehmen. Und sei es nur, weil er nicht länger als derjenige dastehen möchte, der die Entwicklung eines kompletten Viertels lahm legt.

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3 KommentareKommentar schreiben

Erinnert an S21: Beim Lesen dieses Artikels drängte sich mir ein Vergleich mit S21 auf: Ein leistungsfähiger Kopfbahnhof wird hier durch einen leistungsschwächeren Tiefbahnhof ersetzt. In New York geschah das vor rund 50 Jahren und wird derzeit wieder korrigiert. Auch in Stuttgart ist das markante Architekturkleinod "Bonatzbahnhof" schon teilzerstört und soll durch einen behinderten feindlichen Tiefbahnhof mit "U-Bahn-Charme" ersetzt werden. Spätestens bei Brand oder dem ungewollten Wegrollen eines Zuges aufgrund der viel zu großen Gleisneigung, aber auch im Berufsverkehr wegen der Enge auf den Bahnsteigen, kann dieser Bahnhof rasch zur "Vorhölle" mutieren. Der Große Unterschied zur Penn Station besteht darin, dass bei uns die Bürger, die den falschen Werbesprüchen der Bahn und des Desinformationsbüros von S21 aufgesessen sind, erst noch die Augen geöffnet werden, wenn sie selbst dieses überholte Bahnhofskonzept beim eigenen Erleben erkennen. Die New - Yorker haben erfreulicherweise diese Erfahrung schon hinter sich und wissen heute, was sie einst dummerweise verschmäht hatten. Das erinnert mich an den Satz: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Spät, Später oder Zu spät: Stuttgart + New York, da liegen Welten dazwischen. Der Governeur spendiert mal kurz 3 Milliarden $. Bei uns wird um jeden Cent gefeilscht für etwas, was wir absolut nicht brauchen = eine längere underground-Strassenbahnhaltestelle. Ob es Ironie des Artikelverfassers ist ?

Bahnhöfe: waren mal die Kathedralen des Fernwehs. Dann sind sie verkommen, weil die Leute sich lieber in Luft-Terminals aufhalten.

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