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Nicht länger im Netz der EnBW gefangen

"Strohgäu Extra", vom 19.01.2012 02:46 Uhr
Ditzingen Die Stadt will die Gasleitungen erwerben und sich bald mit dem Energieriesen einigen. Der schränkt ein. Von Franziska Kleiner

Der Vertrag ist unterschrieben, die Weichen für den Erwerb des Gasnetzes sind gestellt: Gestern haben der Oberbürgermeister Michael Makurath sowie die Geschäftsführer der Ditzinger Stadtwerke, Frank Feil und Rainer Kübler, den bis 2031 laufenden Konzessionsvertrag für das Gasnetz unterzeichnet. Der Gemeinderat hatte beschlossen, das mit dem Vertrag eingeräumte Wegenutzungsrecht den neu gegründeten Stadtwerken zu übertragen. Drei Mitbewerber gingen leer aus.

Der Vertrag bildet laut dem OB "die Grundlage, um mit der EnBW zu verhandeln". Der Energiekonzern ist noch Eigentümer des Gasverteilnetzes. Die Energieversorgung Baden-Württemberg (EnBW) muss aber nicht nur das Netz, sondern auch Daten wie Alter und Lageplan der Gasleitungen überlassen. Daraus ergibt sich der Kaufpreis. Kübler rechnet mit einem "niederen einstelligen Millionenbetrag".

Laut Kübler wollen die Stadtwerke bis Sommer mit der EnBW Einigkeit erzielt haben. Zumindest in der Theorie teilt der Energieversorger diese Einschätzung. Eine Unternehmenssprecherin erklärt, dass die Stadt Ditzingen zwar "noch nicht auf uns zugekommen" ist. Doch man gehe davon aus, dass eine Einigung in Bezug auf das Entflechtungskonzept gewiss "schnell und kooperativ" erzielt werde. In der Praxis aber könnte sich die Übergabe bis Jahresende hinziehen - dann nämlich, wenn technische Komponenten ersetzt und dafür eigens bestellt werden müssen. "Die Lieferzeiten sind lang", erklärt die EnBW-Sprecherin. Den Geschäftsführer der Ditzinger Stadtwerke, Frank Feil, ficht das nicht an - unter einer Maßgabe: "Wir dürfen dadurch keinen finanziellen Schaden haben."

Die moderaten Töne, welche die EnBW in Bezug auf die Ditzinger anschlägt, sind neu. Nachdem die Stadt die Gründung eigener Stadtwerke beschlossen hatte und die EnBW als Partner ins Boot holen wollte, konnte sie sich mit dem Unternehmen nicht einigen. Die Verhandlungen scheiterten an einem Dissens über die Entflechtung des Gas- als auch des Stromnetzes (siehe "Chronik einer langen Entstehungsgeschichte"). Die Stromkonzession läuft nächstes Jahr aus. Die Ditzinger Stadtwerke müssen sich auch dafür bewerben.

Möglicherweise kommt den Ditzingern in den anstehenden Verhandlungen über den Netzerwerb der strategische Umbau des Energiekonzerns zupass. Nach dem auf Bundesebene beschlossenen Atomausstieg und der Umwandlung der EnBW zum Ökostrom-Unternehmen hat die Koalition des Landes vor wenigen Tagen einer Kapitalerhöhung um 400 Millionen Euro für den Karlsruher Konzern zugestimmt. Damit soll, wie berichtet, der Weg frei gemacht werden für eine Garantie des Landtags, um die Schuldenaufnahme durch die Landesgesellschaft Neckarpri abzusichern.

In den ersten zweieinhalb Monaten ihres Bestehens zählen die Ditzinger Stadtwerke bereits 350 Kunden. Um eine schwarze Null zu schreiben, muss das Unternehmen laut Feil einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent haben, benötigt also rund 2500 der insgesamt 13 000 Strom- und Gas-Kunden.

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