Nicole Fritz wird Direktorin der Kunsthalle Tübingen Mehr Kompetenzen für die neue Chefin

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In den vergangenen Monaten hat es kräftig geknirscht zwischen dem Kunsthallenleiter und dem Stiftungsvorstand. Mit der neuen Direktorin Nicole Fritz rüstet sich die Kunsthalle Tübingen zum Neubeginn.

Nicole Fritz will das Potenzial der Kunsthalle in viele Richtungen entwickeln. Foto: Susi Donner
Nicole Fritz will das Potenzial der Kunsthalle in viele Richtungen entwickeln. Foto: Susi Donner

Tübingen - Die Kunsthalle Tübingen bekommt eine neue Leitung: Nicole Fritz, die derzeit das Kunstmuseum Ravensburg leitet, wechselt nach Tübingen und wird zum Januar 2018 ihr neues Amt antreten. Die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin folgt auf Holger Kube Ventura, der Ende April seine überraschende Kündigung bekannt gegeben hatte und die Kunsthalle Ende September verlassen wird – nach nur eineinhalbjähriger Amtszeit. Grund hierfür waren Konflikte mit Götz Adriani, dem Stiftungsvorstand und früheren Leiter der Kunsthalle, mit dem es Differenzen über die inhaltliche Ausrichtung des Ausstellungsprogramms gegeben haben soll.

Nicole Fritz ist als neue Direktorin nun dezidiert für die „Konzeption, Organisation und Realisierung von Ausstellungen“ zuständig, wie es in der Ausschreibung heißt. Der Schwerpunkt des Programmes soll auf Klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst liegen – zwei Bereiche, mit denen die 48-jährige Museumsfrau seit langem befasst ist. Nicole Fritz ist schon viel herumgekommen in der Kunstszene und war an mehreren Häusern in Baden-Württemberg tätig. Sie hat in Tübingen Kunstgeschichte und Empirische Kulturwissenschaft studiert und ihre Doktorarbeit über Joseph Beuys geschrieben. Nach dem Studium war Fritz zunächst wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kunsthalle Baden-Baden, danach wurde sie Kunstkuratorin an der Akademie Schloss Solitude. Außerdem hat sie 2006 für das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg das Ausstellungsprojekt „Kunst lebt! Die Welt mit anderen Augen sehen“ koordiniert.

Nicole Fritz will auch offene Prozesse in der Stadt initiieren

Nach weiteren Stationen als Kuratorin hat Nicole Fritz schließlich 2011 die Leitung des Kunstmuseums Ravensburg übernommen, das sich damals noch im Bau befand und 2013 eröffnet wurde. „Ich bin eine Frau, die aufbaut und gesellschaftliche Bewegung und Prozesse initiiert“, sagt Nicole Fritz. Nach dem Aufbau des Ravensburger Museums freue sie sich auf die Kunsthalle Tübingen, weil sie viel Potenzial besitze, das Fritz „in viele Richtungen entwickeln“ will. Während Nicole Fritz sich in Ravensburg auf die Sammlung des Hauses konzentriert hat, reize sie an Tübingen, dort internationalere Ausstellungen machen zu können. Sie will einerseits monografische Ausstellungen von der Moderne bis in die Gegenwart machen, aber auch Themenausstellungen, die ihr besonders am Herzen liegen. „Aber ich werden mich auch in offene Prozesse begeben und schauen, was mir aus der Stadt entgegen kommt, und mit welchen Akteuren man etwas gemeinsam machen kann.“

Nicole Fritz sei „mit Sicherheit nicht nur eine Bereicherung für Tübingen, sondern darüber hinaus für die gesamte südwestdeutsche Kunstregion und womöglich schon bald der neue Fixstern überhaupt“, schreibt Hans Baumgart, der Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung in einer knappen Pressemitteilung. Götz Adriani, der Vorsitzende des Vorstands der Stiftung, wollte sich zu der Entscheidung dagegen nicht äußern und wiegelte Anfragen mit „Kein Kommentar“ ab. In Folge der Unstimmigkeiten zwischen ihm und dem bisherigen Leiter Holger Kube Ventura wird Adriani vorzeitig zum Jahresende aus der Stiftung ausscheiden. Um fortan Konflikte zu vermeiden, wird Nicole Fritz von Januar 2018 an als neue Direktorin zugleich alleiniger Vorstand der Stiftung Kunsthalle Tübingen.