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Night Beats im Keller Klub Voll auf die Fresse-Rock

Von Tanja Simoncev 

Die amerikanische Experimental-R&B-Band Night Beats lieferte am Montag ein lautstarkes Konzert im Keller Klub ab. Es war eine musikalische Performance wie man sie selten sieht in Stuttgart, findet unsere Autorin.

Ein wortkarges Power-Trip, das seine Instrumente sprechen lässt: Die Night Beats aus Seattle. Foto: Tanja Simoncev 12 Bilder
Ein wortkarges Power-Trip, das seine Instrumente sprechen lässt: Die Night Beats aus Seattle.Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Bääämmm, von der ersten Minute an, ist die amerikanische Band Night Beats da, lautstark, auf den Punkt. Wer neben der Box steht, hat keine Chance - hier wird gerockt, was das Zeug hält. Es ist eine musikalische Performance, wie man sie selten sieht in Stuttgart. Allein das Genre wirft Fragen auf. Es ist schwierig, sich für eine Musikrichtung zu entscheiden, am Ende klingt es wie klassischer Rock'n'Roll mit Psychedelic-, Surf-, Desert- und Rock-Elementen. Und auch die Band wirkt zunächst wie eine klassische Kombo bestehend aus einem Gitarristen, einem Bassisten und einem Schlagzeuger. Doch die US-Boys sind anders, während Frontmann Danny Lee Blackwell mit seiner Baskenmütze aussieht wie ein Che-Guevara-Lookalike, erinnert Bassist Jakob Bowden mit Moustache und Cowboyhut an Benicio del Toro und Drummer James Traeger hätte auch als Roadie durchgehen können. Zusammen sind sie auf alle Fälle eins: richtig gute Musiker oder anders: ein wortkarges Power-Trio, das seine Intrumente sprechen lässt.

Sam Cookes Erbe

Zurück auf Anfang: Der aus Dallas stammende Danny Lee Blackwell rief die Night Beats 2009, als er nach Seattle umgezogen war, ins Leben. Zusammen mit Jugendfreund James Traeger schrammten sie zunächst als Duo mit Gitarre und Bass durch die Gegend, bevor sie kurze Zeit später von Jakob Bowden – ebenfalls aus Dallas stammend – verstärkt wurden, der den Posten des Bassisten übernahm - Traeger wechselte an die Drums. Benannt nach Sam Cookes 1963 veröffentlichtem Album „Night Beats“ und beeinflusst von Künstlern wie Buddy Holly, Fela Kuti, Etta James, James Brown und Leonard Cohen veröffentlichten die Musiker eine ganze Menge an Singles und Kassetten, bevor sie 2011 ihr selbstbetiteltes Debüt auf den Markt brachten. „Sonic Bloom“, Album Nummer Zwei erschien 2013 und sorgte dafür, dass die Band mit den Black Lips, The Jesus And Mary Chain oder The Black Angels auf Tour gehen konnte. Bei ihrem aktuellen, dritten Werk „Who Sold My Generation“, das sie kürzlich im Keller Klub präsentierten, zeigt die Band musikalische Spuren der legendären texanischen Rockband 13th Floor Elevators auf der Höhe ihres Erfolges 1969. Aufgenommen mit Produzent Nic Jodoin und Gastbassist Robert Levon (Black Rebel Motorcycle Club), ist die Platte laut Kritikern weit mehr als nur ein weiteres Garage/R&B-Album, sondern eher ein zeitgemäßer Blick auf den amerikanischen Underground.

Einmal im Jahrtausend

Und tatsächlich schaffen es die Musiker mit drei Leuten ein überaus breites Soundvolumen zu kreieren. Die Musik erinnert immer wieder auch an den Garagen-Rock der 60er Jahre, allerdings als etwas schrammeligere und daher mutigere Version des britischen Beats wie man ihn von den Beatles, Stones oder Kinks kannte, gemixt mit einheimischen Rock'n'Roll- und R&B-Elementen. Schlagzeug und Bass sorgen dabei für den harten Beat, die Gitarre vervollständigt den Sound. Es ist schon schön mitanzusehen, wie Blackwell einfach nur über seine Gibson streicht und damit dieses außergewöhnliche Klangvolumen herstellt bzw. vervollständigt. Bei vielen Songs wird außerdem versucht, das Ganze in einem Crescendo auf die Spitze zu treiben und eine Rückkopplung vom Allerfeinsten zu provozieren. In diesem Zusammenhang soll auch die Vorband Odd Couple aus Berlin nicht ungenannt bleiben. Denn das Duo mit Gitarren, Drums und Händen, das ebenfalls verstärkt durch einen Bassisten auftrat, spielte eindringlichen, schweißnassen Rock’n’Roll und wartete mit Soundeffekten auf, die man selten um die Ohren gehauen bekommt. So oder so löste der Abend vor allem bei den Fans, die von Anfang an mitwippten oder sogar headbangten, wahre Gefühlsausbrüche aus. Unter ihnen war Vicky, die für die Night-Beats-Boys sogar schon nach Chicago und New York reiste und nicht müde war, zu betonen: "So eine Band erlebt man in Stuttgart nur einmal im Jahrhundert." Gut, dass es am Montag soweit war.

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