Niki Lauda Schwäbischer als ein Schwabe
Dominik Ignée, Wien, 08.03.2013 14:31 Uhr
Niki Lauda mag keine halben Sachen – er will den Titel.Foto: dpa
Wien - In Wien kehrt um 7.20 Uhr allmählich das Leben zurück. Die Kehrmaschinen dröhnen, die Rollläden der Geschäfte rattern nach oben, die ersten Bürger gehen zur Arbeit. Im Café Imperial am Kärntner Ring hat die Garderobenfrau schon ihren Dienst aufgenommen. Sie ist etwas älter, trägt einen hohen Dutt und hockt aufrecht auf dem Stuhl. So wie das Imperial präsentierten sich die Wiener Kaffeehäuser in den zwanziger Jahren.
Unter dem Kronleuchter sitzt in aller Herrgottsfrüh schon Niki Lauda. Graues Sakko, grauer Pulli, rotes Kapperl – ein Relikt alter Formel-1-Zeiten, so wie das Imperial ein Relikt des alten Wiens ist. Lauda bestellt ein Ei im Glas, ein Brot mit Schnittlauch, dazu eine Melange. Er blättert im „Standard“ und wundert sich ein bisserl über die Schlagzeile, wonach er bei der Fluglinie Alitalia einsteigen soll. „Davon weiß ich nichts“, sagt er. Den „Standard“ hält er eigentlich für ein seriöses Blatt. Er legt ihn beiseite.
Der Beckenbauer des Motorsports
Der Wiener Niki Lauda ist ganz woanders eingestiegen: im 680 Kilometer entfernten Stuttgart. Als Aufsichtsratschef des Formel-1-Teams Mercedes GP ist er seit zweieinhalb Monaten tätig – und nächste Woche geht in Melbourne die Saison mit der ersten sportlichen Standortbestimmung los. Die Schwaben haben nach drei Jahren der Erfolglosigkeit ein Gesicht gesucht und gleich den berühmtesten ehemaligen Rennfahrer engagiert, den es gibt. Lauda ist mindestens der Beckenbauer des Motorsports. Aber er wird kein silberfarbenes Kapperl tragen, die Mütze bleibt rot. Er wird Freigeist bleiben und die Formel-1-Rennen auch weiterhin beim Fernsehsender RTL kommentieren, denn er sieht da auch mit dem Mercedes-Parteibuch in der Brusttasche keinen Konflikt, „ich werde trotzdem sagen, was ich denke“. Und diejenigen, die nun glauben, der Daimler habe sich da nur eine prominente Frontfigur ins Haus geholt, die irren gewaltig. Lauda strebt nach Perfektion. Er wird Ernst machen bei Mercedes. Er ist so ordnungsliebend und detailversessen, wie man es nur sein kann. Das zieht sich durch sein Leben.
„Wie aus dem Hubschrauber“, verrät Niki Lauda im Imperial, werde er als Aufsichtsrat die Vorgänge im Team der Silberpfeile beobachten. Die operative Arbeit erledigt sein viel jüngerer österreichischer Landsmann Toto Wolff. Lauda, 64, verfügt über eine enorme Erfahrung – und hat ein überaus bewegtes Leben hinter sich. Es reicht vermutlich für drei. Da darf man die Frage stellen, ob es ein entspannteres Dasein nicht auch getan hätte. „Darüber denke ich nicht nach, ich lebe nicht in der Vergangenheit, das bringt nichts“, antwortet er kurz und knapp, wie er es immer tut.
50 Sekunden saß Lauda in dem brennenden Auto.dpa
Erst der Horrorcrash am Nürburgring machte den Österreicher weltberühmt, das sieht er selbst so. Hätte ein kleiner Junge das Desaster nicht zufällig mit seiner Super-8-Kamera gefilmt, gäbe es kein Dokument. „So siehst du halt aus, wenn du 50 Sekunden im Feuer hockst“, kommentierte er einmal lapidar seine Brandnarben im Gesicht. Doch das war nicht alles.
42 Tage nach dem Unfall fuhr er wieder Rennen.dpa
Im Imperial schickt sich der höfliche Ober an, das Glas mit dem Ei abzuräumen – doch eine zackige Handbewegung signalisiert ihm, dass der letzte Rest noch nicht ausgelöffelt ist. Für Niki Lauda gibt es nur leer oder voll, schwarz oder weiß. „Ich kann mit Grauzonen nichts anfangen, man muss sich für etwas entscheiden, da darf es dann ruhig auch mal das Falsche sein“, sagt er und zeigt auf die Orchidee auf dem Tisch. „Es gibt Leute, die sagen, da steht eine Blume, aber – nix ,aber‘, sage ich da. Steht hier eine Blume, oder steht hier keine Blume?“
Der Weltmeister vor dem Unfalldpa
Seine zweite Karriere: Lauda als Fluglinienchefdpa





F1: Schwäbischer als ein Schwabe vom 08.03.2013
Wann begreift der Daimler-Vorstand, dass die Qualität der Mercedes Fahrzeuge nicht von der Teilnahme beim DTM, Formel1 oder anderen unsinnigen und umweltschädlichen Aktivitäten abhängt? Kein Kunde kauft sich ein Mercedes und ist damit zufrieden, nur weil diese Auto-Marke in diesem Pseudo-Sportdiziplin vorne mitfahren könnte! Und die strengeren CO2-Ziele werden dadurch auch nicht schneller erreicht. Das Rennen und Wettbewerb findet im Verkaufsraum und Werkstatt statt, wonach ein Endkunde danach mit seinem gekauftem Produkt und der Dienstleistung dafür im Bekannten-, Freundes- und Nachbarskreis wirbt oder von einem Kauf abrät. Somit sollte die Daimler-Führung die 100-te von Millionen Euro für den F1-Einsatz besser in seinen Serienprodukten und in der Deutschen Entwicklungsarbeit, statt in ausländischen Entwicklungszentren in Indien oder in China, investieren. Andernfalls verkommt die Marke Mercedes-Benz langfristig nur noch zu einem 0815-Auto Produkt und ist den Premium-Zuschlag 'Made in Germany' nicht mehr wert!