Noa Bank 13.000 Kunden vom Aus betroffen
Martin Dowideit, 20.08.2010 11:14 Uhr
Kunden der Noa Bank müssen ab einer Einlagensumme von 50.000 Euro um ihr Geld bangen. Foto:dpa
Kunden der Noa Bank müssen ab einer Einlagensumme von 50.000 Euro um ihr Geld bangen. Foto:dpa
Stuttgart - Das Aus der im November vergangenen Jahres gegründeten Noa Bank trifft in Deutschland etwa 13.000 Privatanleger sowie etliche Dutzend Mittelständler, die an eine Tochter des Instituts Forderungen abgetreten haben. Für die Kunden wird das mündliche Versprechen der Bundesregierung vom Oktober 2008, wonach Bankeinlagen auch oberhalb der gesetzlichen Mindestsicherung sicher seien, nicht greifen. "Nach unseren Kenntnissen ist die drohende Insolvenz der Noa Bank keine Folge der Finanzkrise, sondern auf Managementfehler zurückzuführen", so ein Sprecher des Finanzministeriums. "Daher greift die Garantie nicht.

"Vor fast zwei Jahren war Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor Fernsehkameras im Kanzleramt getreten und hatte gesagt: "Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein." Die Zusage war nicht befristet, sei jedoch auf die Finanzkrise bezogen gewesen, heißt es jetzt. Derzeit seien keine Fälle absehbar, wo als Nachwirkung der Finanzkrise Spareinlagen gefährdet seien, so der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Das Online-Banking des Instituts ist abgestellt


Der Stuttgarter Zeitung sind allein zwei Fälle bekannt, in denen Anleger 50.000 Euro bei dem Institut angelegt hatten und durch angelaufene Zinsen höhere Forderungen als die Sicherungsgrenze haben. So hat etwa Sandra Schmidt (Namen geändert) 50.000 Euro Festgeld bei der Bank angelegt und damit einen Anspruch auf mehr als 1.000 Euro Zinsen, die über den gesetzlich gesicherten Betrag hinausgehen. Ähnliches gilt für den Stuttgarter Ingenieur Manfred Wiesmüller. Er hatte im April 50.000 Euro auf ein Tagesgeldkonto bei der Noa Bank eingezahlt. Einige Meldungen hatten ihn in der Zeit zwar skeptisch werden lassen, doch er buchte nur zweimal angelaufene Zinsen ab. Seit Juli dürften jetzt etwa 100 Euro an weiteren Zinsen angelaufen sein, die über die Grenze der gesetzlichen Einlagensicherung hinausgehen und jetzt verloren sind. "Ich habe nicht geglaubt, dass die Zusage der Kanzlerin noch greifen würde", sagt er. Die überschüssigen Forderungen können dann nur noch aus der Insolvenzmasse gedeckt werden, sollte das Institut diesen Weg gehen. Die Noa Bank hatte anders als die meisten anderen Finanzinstitute keinen höheren Einlagenschutz über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken angeboten.

Noch ist der Entschädigungsfall nicht offiziell von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ausgerufen. Theoretisch ist noch eine Abwicklung der Kundenansprüche über die Bank selbst möglich. Derzeit darf sie wegen des am Mittwochabend verhängten Moratoriums aber kein Geld auszahlen. Wiesmüller hat das bereits feststellen müssen: Das Online-Banking des Instituts ist abgestellt. Die Aussicht auf die gesetzliche Entschädigung beruhigt ihn aber, auch wenn der Prozess einige Monate in Anspruch nehmen könnte.

Vor allem Kleinunternehmen und Mittelständler sind betroffen


Die Pleite der Tochtergesellschaft Noa Factoring trifft vor allem Kleinunternehmen und Mittelständler im ganzen Land. Ein Großhändler aus Baden-Württemberg etwa hatte alle Forderungen aus offenen Rechnungen an die Gesellschaft abgetreten. Er muss jetzt um mehr als 160000 Euro bangen. Seit vergangener Woche hatte der Unternehmer bereits Unregelmäßigkeiten bemerkt, als Zahlungen von Noa auf ein Firmenkonto zwar im Internet als angewiesen angezeigt wurden, das Geld aber tatsächlich nie eingetroffen ist. Welche Ansprüche er gegenüber dem Insolvenzverwalter durchsetzen könne, stehe noch in den Sternen. "Um die Ehrlichkeit in der Finanzbranche ist es generell sehr schlecht bestellt", sagt Alexander Mohaupt, Geschäftsführer eines Chauffeur- und Kurierdienstes aus Talheim nahe Heilbronn. Er hatte nur geringe Beträge über Noa abgewickelt und irgendwann Gerüchte über die zweifelhafte Solidität des Finanzierers gehört. Doch aus den Verträgen habe er nicht mehr aussteigen können.

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