Noch ein Film übers Sterben: „Freunde fürs Leben“ Bloß nicht pietätvoll

Von Kathrin Horster 

Wenn die Ärzte zugeben, dass sie nichts mehr für einen tun können, darf man verzweifeln. Der spanische Film „Freunde fürs Leben“ zeigt aber ein anderes Abschiednehmen von der Welt.

Dicke Freunde (von links: Javier Cámara, Hund Truman und Ricardo Darín) halten auch angesichts des Todes zusammen. Foto: Ascot Elite
Dicke Freunde (von links: Javier Cámara, Hund Truman und Ricardo Darín) halten auch angesichts des Todes zusammen.Foto: Ascot Elite

Stuttgart - Je älter man wird, desto schneller rennt die Zeit. Dennoch, wer bereitet sich schon mit Mitte Fünfzig ernstlich auf den Tod vor? Arbeits- und Familienleben, Freundschaften, Hobbys, die Aussicht auf Enkelkinder und Jubiläen: man hat viel um und vor sich, das man nicht verpassen will.

Aber Julián (Ricardo Darín) weiß, dass er im Gegensatz zu den meisten seiner Bekannten all das nicht mehr erleben wird. Seit langem kämpft er mit einer Krebserkrankung, übt weiter den Beruf des Schauspielers aus, als könne ihn das Festhalten am Alltag vorm Tod bewahren. Doch nun gilt er als „austherapiert“ – Ende der Fahnenstange. Und jetzt?

Diese Frage müssen sich auch Filmemacher stellen, die solch einen bleischweren Stoff auf die Leinwand wuchten wollen. Nicht zu schnulzig darf es werden, aber humorvoll durchaus, gleichzeitig seriös, dabei bloß nicht betulich-pietätvoll! Dass die Kumpel-Abschiedskomödie „Freunde fürs Leben“ all diese möglichen Auflagen spielend erfüllt und ganz nebenbei Spaß macht, grenzt an ein kleines Wunder.

Rührend und komisch

Dem sterbenskranken, doch erstaunlich rüstigen Julián stellt der Regisseur Cesc Gay einen guten Freund zur Seite. Dieser Tomás (Javier Cámara), glücklich verheirateter Informatiker und Vater, ist nicht nur das perfekte Gegenstück zu Julián, er gibt die Mittlerfigur zwischen dem Todgeweihten und dem Publikum ab.

Zusammen mit Tomás lässt man sofort alle respektvolle, überängstliche Distanz hinter sich, denn Julián ist ein Mann mit Ecken und Kanten, einer, den man mögen muss und manchmal verfluchen kann. Es ist rührend und komisch, den Freunden dabei zuzusehen, wie sie etwa nach festgelegten Kriterien eine neue Familie für Juliáns Hund Truman suchen oder im Restaurant auf alte Bekannte treffen, mit denen Julián, früher ein notorischer Schürzenjäger, nicht nur nette Erinnerungen verbindet.

Beide Männer versuchen, mit Witz, Pragmatismus und Ehrlichkeit der herben Lage zu begegnen. Nur manchmal hadert Julián doch mit sich, etwa wenn er seinen Truman früher loslassen soll, als geplant. Cesc Gay zeigt, dass das Abschiednehmen zwar nicht leicht vonstatten geht, aber gelingen kann. Ganz ohne Pathos; fast wie im richtigen Leben.

Freunde fürs Leben. Spanien, Argentinien 2015. Regie: Cesc Gay. Ricardo Darín, Javier ­Cámara, Dolores Fonzi.108 Minuten. Ohne ­Altersbeschränkung.

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