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Noch viel Arbeit für NS-Forscher
"Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg", 26.03.2011 02:46 UhrZwanzig Bücher in zehn Jahren - das kann sich sehen lassen. "Wir sind sehr effizient", sagt Klaus-Michael Mallmann, der wissenschaftliche Leiter der Forschungsstelle Ludwigsburg. Die dünne Personaldecke macht sie mit Kontakten zu NS-Experten in aller Welt wett. Obwohl kaum ein Kapitel der Geschichte so gut erforscht ist wie der Nationalsozialismus in Deutschland und die in seinem Namen begangenen Verbrechen, gibt es noch immer Lücken. Klaus-Michael Mallmann wird die Arbeit nicht so schnell ausgehen.
Sein Büro hat der Historiker in der Schorndorfer Straße 58 in Ludwigsburg. Das Stockwerk teilt er sich mit Mitarbeitern der Außenstelle des Bundesarchivs, die sich der Akten annehmen, die die Juristen der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen eine Etage tiefer für ihre Ermittlungen nicht mehr benötigen. "Das ist ein Riesenvorteil, dass wir die Akten des Hauses nutzen können", sagt Klaus-Michael Mallmann.
Vor zehn Jahren gaben die Akten den Ausschlag bei der Standortwahl. Mit ein Grund, in Ludwigsburg die Forschungsstelle zu installieren, war, dass die Universität Stuttgart damit die von Eberhard Jäckel begründete Tradition der NS-Forschung fortführen konnte. Dafür gab es auch zunächst Geld vom Land. Von April 2001 bis 31. Juni 2007 unterstützte das Wissenschaftsministerium die Einrichtung mit rund 355 000 Euro. Seit Mitte 2007 trägt die Universität Stuttgart allein die Kosten.
Der Forschungsstellen-Direktor Wolfram Pyta lässt Mallmann weitgehend freie Hand bei der Arbeit. Als er vor zehn Jahren die Stelle als wissenschaftlicher Leiter antrat, musste er entscheiden, was die Forschungsstelle leisten kann. Denn die Personalausstattung ist dünn: Martin Cüppers unterstützt Mallmann bei der wissenschaftlichen Arbeit, Heidrun Baur bei Verwaltungsaufgaben. Deshalb verabschiedete sich Mallmann schnell von Ideen, Ausstellungen zu konzipieren, Jahrbücher herauszugeben und die NS-Geschichte mit der Hilfe von Medienpädagogen im Schulunterricht etwa stärker zu verankern.
"Wir müssen uns auf eine Sache konzentrieren", sagte sich der Historiker damals. Er entschied sich für eine Buchreihe bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. Im Herbst erscheint Band 20. "Bei uns klopfen mittlerweile Leute an und fragen, ob sie bei uns mitmachen können", so Mallmann. Längst berücksichtigt er bei seiner Arbeit nicht mehr nur Archivalien der Zentralen Stelle, sondern auch Material aus Archiven auf der ganzen Welt. Dabei helfen dem heute 62-Jährigen über Jahre hinweg gewachsene Beziehungen zu Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen.
Obwohl die NS-Zeit gut erforscht ist, tauchen immer wieder neue Aspekte auf. Mit der Öffnung der Archive im Osten habe es eine gigantische Explosion des Wissens gegeben, sagt Mallmann: "Die Quellenbasis hat sich deutlich verbreitert." Zudem sitzen jüngere Wissenschaftler auf den Lehrstühlen, die mit neuen Fragestellungen an die Zeit des Nationalsozialismus herangehen. Trotz der Fülle der Untersuchungen entdeckt Mallmann Lücken: "Das große Grundlagenwerk zu Auschwitz fehlt noch." Auch fragt sich der Historiker, welche Rolle die Universitäten bei der Wegbereitung des Nationalsozialismus spielten. Eine Frage, die noch unbeantwortet ist.


