NS-Gedenkstätte in Stuttgart Finanzierung für Hotel Silber gesichert

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Das Land hat sich überraschend bereit erklärt, die gesamte Miete in Höhe von 250.000 Euro zu bezahlen. Damit trägt es zwei Drittel der Betriebskosten des Hotels Silber, die Stadt ein Drittel. Nun werden die Rufe lauter, dass das zweite Stockwerk doch Teil der Gedenkstätte wird.

Der linke Teil des Gebäudes soll Museum werden – aber ohne zweites und drittes Stockwerk. Foto: Zweygarth
Der linke Teil des Gebäudes soll Museum werden – aber ohne zweites und drittes Stockwerk. Foto: Zweygarth

Stuttgart - Die Finanzierung der geplanten Gedenkstätte im Hotel Silber ist endgültig geklärt. Das Land Baden-Württemberg hat sich am Donnerstag beim Runden Tisch aller Beteiligten überraschend bereit erklärt, die bislang strittige Miete in Höhe von 250.000 Euro allein zu übernehmen. Schon länger klar ist, dass Stadt Stuttgart und Land je die Hälfte der jährlichen Betriebskosten in Höhe von einer halben Million Euro tragen. Unterm Strich bezahlt das Land also zwei Drittel, die Stadt ein Drittel der laufenden Kosten.

Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) hatte die Entscheidung wegen der Miete persönlich getroffen. Mit dieser Wende verknüpfen die Bürgerinitiativen, die sich seit Jahren für die Gedenkstätte einsetzen, neue Hoffnungen. Wenn die Stadt 125.000 Euro spare, könne sie dieses Geld einsetzen, damit das zweite Obergeschoss des Gebäudes doch in die Ausstellung integriert werden könne, sagte Harald Stingele, der Sprecher der Initiative. Im Juli diesen Jahres war die zweite Etage der früheren Gestapo-Zentrale an der Dorotheenstraße 10 aus Kostengründen aus den Planungen herausgenommen worden. Gerade diese Etage besitze aber große Authentizität, so Stingele. Dort hatten die Gestapo-Chefs ihre Büros.

Es scheinen nur noch 65.000 Euro im Jahr zu fehlen

100.000 Euro bräuchte man jährlich zusätzlich, um doch noch das frühere größere Konzept umzusetzen; auch fielen für die zweite Etage 90.000 Euro Miete an. Abzüglich der eingesparten 125.000 Euro fehlten 65.000 Euro jährlich. „Eine Lösung ist jetzt zum Greifen nah“, sagte Stingele. Das Land selbst deutete dezent an, dass die Stadt sich bewegen dürfe: „Eine Ausweitung über drei Stockwerke hinaus ist vorstellbar, würde aber zusätzliche Mittel von anderer Seite erfordern“, heißt es in einer Mitteilung.

Die Stadt Stuttgart will es aber beim jetzigen Stand belassen: Denn es sei ein Gesamtpaket ausgehandelt worden, zu dem die Miete gehöre, aber auch die Sanierungskosten des Staatstheaters, sagte der städtische Sprecher Sven Matis. Man kann dies wohl so interpretieren, dass die Stadt bei den Mehrkosten für das Staatstheater dem Land entgegen gekommen ist. Endgültig entscheiden aber die Stadträte noch im Dezember. SÖS/Linke und SPD fordern die große Lösung: „Alles andere ist einer Landeshauptstadt unwürdig“, sagte Martin Körner, der SPD-Spitzenkandidat für die Kommunalwahl. Die Grünen haben sich aber wie alle anderen Fraktionen für die kleine Lösung ausgesprochen. Andreas G. Winter von der grünen Fraktion blieb gestern trotz der Wende reserviert: „Wir werden nochmals darüber reden. Aber wir sollten das Erreichte nicht kleinreden.“