NSU-Prozess Leben eines Opfers nur knapp gerettet

Von red/dpa 

Das Geld wurde knapp, da überfiel mutmaßlich einer der NSU-Terroristen eine Sparkasse in Zwickau. Dabei fiel ein Schuss, das Opfer überlebte nur knapp. Ein Nebenkläger wertet die Tat als versuchten Mord.

Der mutmaßliche NSU-Terrorist Uwe Bönhardt soll bei einem brutalen Banküberfall im Jahr 2006 einen Auszubildenden der Sparkasse lebensgefährlich verletzt haben. Foto: Bundeskriminalamt BKA-HANDOUT
Der mutmaßliche NSU-Terrorist Uwe Bönhardt soll bei einem brutalen Banküberfall im Jahr 2006 einen Auszubildenden der Sparkasse lebensgefährlich verletzt haben.Foto: Bundeskriminalamt BKA-HANDOUT

München - Ein brutaler Banküberfall des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt in Zwickau hätte nach Aussage von Medizinern auch tödlich ausgehen können. Ein Auszubildender der Sparkassenfiliale überlebte einen Bauchschuss im Oktober 2006 nur dank einer schnellen Not-Operation. Das sagten zwei Ärzte und ein Sachverständiger am Dienstag im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München aus.

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, einer der Nebenkläger-Vertreter, wertete den Schuss auf den jungen Mann am Rande der Verhandlung „als versuchten Mord“. In der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft heißt es dazu, Böhnhardt habe „dessen Tod billigend in Kauf“ genommen.

Auch für diese Tat muss sich die Hauptangeklagte Beate Zschäpe verantworten. Sie ist die einzige Überlebende des NSU-Trios, dem auch Böhnhardt und Uwe Mundlos angehörten. Den Mitgliedern des „Nationalsozialisitschen Untergrunds“ wird vor allem die Serie von zehn Morden vor allem an Kleinunternehmern mit ausländischen Wurzeln angelastet.

Zwei Ärzte, die an der Not-OP des Zwickauer Bankangestellten beteiligt waren, schilderten seine Verletzungen als gravierend. „Das war ein Bauchschuss mit Einschuss- und Ausschussöffnung“, sagte der leitende Chirurg. Der Getroffene habe viel Blut verloren. Die Milz hätten sie nicht retten können und entfernt, sagte der Mediziner.

Der Münchner Rechtsmediziner Oliver Peschel bestätigte Aussagen der Ärzte, der junge Man habe nur dank der Operation überlebt. Der Verlust der Milz könne aber auch heute noch Krankheiten auslösen, die „zu 40 bis 50 Prozent“ tödlich verliefen.

Das Opfer hatte bereits vergangene Woche ausgesagt

Das Opfer hatte bereits vergangene Woche als Zeuge ausgesagt. Der Täter habe ihn mit der Pistole bedroht und die sofortige Öffnung des Tresors verlangt. Er habe den Räuber angegriffen, als der ihm den Rücken zudrehte. Dann fiel der Schuss.

Ein Kripo-Ermittler zeigte am Dienstag Fotos einer Überwachungskamera, die das bestätigen. Darauf ist der Täter zu sehen, der mit einem Revolver auf den Azubi zielt. Weitere Bilder zeigen ein „Gerangel“, wie der Beamte sagte. Anschließend ist der junge Bankangestellte auf dem Boden zu sehen.

Für die Aufklärung dieses Überfalls hat sich das Gericht drei Prozesstage Zeit genommen und ihn damit detaillierter behandelt als die anderen Banküberfälle, die dem NSU zugeschrieben werden.

Am Mittwoch soll der Prozess weitergehen. Allerdings muss laut Strafprozessordnung bis Verhandlungsbeginn über den letzten Befangenheitsantrag entschieden werden, den Zschäpe und ihr mutmaßlicher Helfer Ralf Wohlleben vergangene Woche gestellt hatten.