Nürtingen - Schon im Vorjahr hatte Brigitte Kuder-Bross 14 500 Kunstfreunde und damit einen Besucherrekord bei der von ihr damals organisierten Miró-Ausstellung melden können. Bei der am Sonntag zu Ende gegangenen Picasso-Schau hat sie in der Nürtinger Kreuzkirche sogar noch 250 Besucher mehr gezählt als ein Jahr zuvor. „Damit stößt die Ausstellungshalle wirklich an ihre Grenzen“, bilanziert die Galeristin: „An Sonntagen hat einen das Treiben hier oft eher an einen Bahnhof als an eine Galerie erinnert.“
In den sechs Ausstellungswochen sind Brigitte Kuder-Bross, die normalerweise die Galerie Die Treppe im Nürtinger Stadtteil Reudern leitet, wieder viele bekannte Gesichter begegnet. „Bei der nun schon traditionellen Neujahrsausstellung gibt es sehr viele Wiederholungstäter“, erzählt sie und berichtet, dass viele Besucher regelmäßig sehr weite Wege auf sich nehmen, um die Ausstellungen zu sehen.
Einen Picasso kauft man als Geldanlage
Das Erfolgsrezept von Brigitte Kuder-Bross sind berühmte Namen der Kunstszene. So waren in den Vorjahren unter anderem Werke von Hundertwasser, Dalí und Chagall zu sehen. Die Besucher stört es dabei offenbar wenig, dass die Galeristin keine Hauptwerke, sondern vor allem Drucke und Raritäten der bekannten Künstler zusammenträgt. Etwas anderes, sagt sie, wäre rein versicherungstechnisch in Nürtingen auch gar nicht möglich.
Schließlich müsse sie die Kunstschauen ohnehin schon stets als Verkaufsveranstaltungen organisieren, weil die Versicherungssummen für rein museale Ausstellungen um ein Vielfaches höher seien. Tatsächlich gekauft werde indes generell wenig – und bei Picasso sei es noch weniger gewesen als in den Vorjahren. „Einen Picasso kauft man vor allem als Geldanlage“, sagt Kuder-Bross. Solche Geschäfte würde man eher in einer richtigen Galerie tätigen.
Entspannter Umgang mit der Erotik
Groß ist wieder das Interesse von Schulen und Kindergärten an der Kunstschau in der Kreuzkirche gewesen. 239 der 474 Führungen seien für Kinder und Jugendliche gebucht worden, erzählt die Galeristin. Aus Rücksicht darauf hatte sie die erotischen Werke Picassos in das Dachgeschoss der Kreuzkirche verbannt, um den Kindern und Jugendlichen eine erotikfreie Führung bieten zu können. Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen. „Natürlich wollten alle genau diese Bilder sehen“, sagt Kuder-Bross. Die Kinder seien aber „sehr entspannt“ mit den Werken umgegangen. Kuder-Bross: „Aber verglichen mit dem, was heute im Internet frei verfügbar ist, ist Picasso ja auch wirklich harmlos.“

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