Nürtingen Tüv-Stellungnahme zur Nanzwiese wirft Fragen auf

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Der Tüv bescheinigt der Fläche unter einer Hochspannungsleitung eine geringe Strahlenbelastung. Laut der Stadtverwaltung könnten dort nun Flüchtlingswohnungen gebaut werden. Die Bürgervereinigung Roßdorf sieht das ganz anders.

Der geplante Bau von Flüchtlingswohnungen unter einer Hochspannungsleitung  im Nürtinger Stadtteil Roßdorf ist umstritten. Foto: Pascal Thiel
Der geplante Bau von Flüchtlingswohnungen unter einer Hochspannungsleitung im Nürtinger Stadtteil Roßdorf ist umstritten.Foto: Pascal Thiel

Nürtingen - Der Nürtinger Gemeinderat soll am Dienstagabend erneut über den Bau eines Wohnblocks für Flüchtlinge auf der Nanzwiese im Stadtteil Roßdorf beraten. Allerdings seien die Informationen über das direkt unter einer 380 000-Volt-Leitung geplante Vorhaben lückenhaft, kritisiert die Stadtteilvertretung Bürgervereinigung Roßdorf. Die Sitzungsunterlagen umfassen lediglich die alte Verwaltungsvorlage vom 10. November. Von einer gutachterlichen Stellungnahme, die der Tüv im Auftrag der Stadt vorgelegt haben soll, findet sich keine Spur.

Bauausschuss verzichtet auf detailliertes Gutachten

Auf Nachfrage erklärt das Rathaus, dass die vor vier Wochen bekannt gewordene Prüfung „einen weit unter dem Grenzwert liegende Strahlenbelastung“ ergeben habe. Der Bauausschuss hatte deshalb entschieden, kein ausführliches Gutachten über mögliche Gesundheitsrisiken in Auftrag zu geben. Die Stadtverwaltung ist davon überzeugt, dass die Nanzwiese bebaut werden könne. Der Gemeinderat soll am Dienstag den Weg für eine Planung frei machen. „In der Sitzung wird die Zusammenfassung der Stellungnahme verlesen“, erklärt der Rathaussprecher Clint Metzger.

Gegen das Bauprojekt wehrt sich die Bürgervereinigung Roßdorf (BVR) aus städtebaulichen Gründen und aus Sorge vor Gesundheitsschäden durch elektromagnetische Felder. Für die Stadtteilvertretung wirft der Verweis auf die Tüv-Stellungnahme viele Fragen auf: „Welche Messinstrumente wurden verwendet? Gab es eine Einzelmessung? Wenn ja, in welchem Abstand zur Leitung? Gab es eine Messreihe? Wenn ja, in welchem Zeitraum und in welchen Abständen zur Leitung? Wurden die Schwankungen der magnetischen Flussdichte berücksichtigt?“

Stadtteilvertretung wartet vergeblich auf Antworten

Antworten auf solche technischen Fragen stehen bisher aus. Für Detlef Walser vom Lenkungskreis Wohnen im Roßdorf lässt dies nur einen Schluss zu: „Offenbar hatte man niemals die Absicht, auf die berechtigten Bedenken einzugehen und auf Augenhöhe mit den Roßdorfern zusammen zu arbeiten“, schreibt Walser an die Nürtinger Rathausspitze.

Was die BVR befürchtet habe, sei nun eingetreten: „Irgendjemand bestätigt, dass die Grenzwerte unter der Leitung viel niedriger sind, somit kann man bei eventuellen späteren Gesundheitsproblemen wie weiland Pilatus, seine Hände in Unschuld waschen“, heißt es in dem an den Oberbürgermeister Otmar Heirich und die Sozialbürgermeisterin Claudia Grau gerichteten Schreiben.

In anderen Ländern gelten niedrigere Grenzwerte

Dem Vernehmen nach liegt die Belastung der Nanzwiese in einem Bereich zwischen acht bis zwölf Mikro-Tesla. Dies ist die Einheit zur Messung von Magnetfeldern. Der Grenzwert liegt in Deutschland bei 100 Mikro-Tesla. In Ländern wie der Schweiz (ein Mikro-Tesla), Italien (0,5) und Schweden (0,2) liegt die Schwelle weit niedriger.

Durch ihr Vorgehen „konterkariert“ die Stadtverwaltung laut Walser auch die Bemühungen des BVR-Lenkungskreises. Dieser wirbt seit einigen Wochen intensiv dafür, dass Privateigentümer Wohnraum an Flüchtlinge vermieten. Doch selbst wenn diese Initiative Erfolg hätte oder wenn sich Alternativstandorte im Roßdorf fänden, bliebe die Nanzwiese in der Planung, heißt es aus dem Rathaus.