O-Ton Berlinale Das hätte Jesus auch geschmeckt

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Ein Filmfestival ist wie ein gutes Essen: Ohne die richtigen Zutaten kann es nicht gelingen. Doch die Berlinale 2013 hat alles, was es für einen guten Jahrgang braucht. Katja Bauer listet die sechs wichtigsten Ingredienzien auf.

Diese Berlinale könnte ein guter Jahrgang werden. Foto: dpa 99 Bilder
Diese Berlinale könnte ein guter Jahrgang werden.Foto: dpa

Stuttgart - Was macht die Berlinale zur Berlinale? Filme, klar. Aber das original Festivalgefühl wird aus ganz anderen Zutaten zusammengerührt – und nur, wenn die stimmen, dann kann es ein guter Jahrgang werden. Diese Berlinale, so viel kann man schon nach der Eröffnung sagen, hat alles, was es dafür braucht.

1. Das Wetter: Zu Berlin im Februar gehört zwingend der klatschnasse, schräg fallende Pappschnee. Die fiesen Flocken kamen pünktlich zum Anmarsch der Eröffnungsgäste und legten sich wie abgefallene Saurierschuppen auf das „Big Hair“ der Damen und die pechschwarzen Smokingschultern der Herren.

2. Die Berlinackte: Dieses Festival könnte sich niemals an einem Nippelgate erhitzen. Wir sind schließlich nicht in Amerika. Was nichts daran ändert, dass es regelmäßig irgendeiner Frau einfällt, der Welt hier ihren blanken Busen zeigen zu wollen, wofür eine Boulevardzeitung vor Jahren das Wort Berlinackte erfand. Darauf mussten wir in diesem Jahr keine halbe Stunde warten. Vor dem Filmpalast stürmten am Donnerstagabend vier Unterstützerinnen der ukrainischen Frauenrechtsbewegung Femen mit nackten Oberkörpern den Teppich. Die Damen landeten erst vor den Kameras, dann kurzfristig im Polizeigriff. Und lieferten Zutat Nummer

Auf den Skandal wird noch gewartet

3. Der Protest: Die Berlinale ist schließlich ein politisches Festival, und als solches kommt sie keinesfalls ohne spontane Agitprop-Auftritte leidenschaftlicher Weltveränderer aus. Was hiermit erledigt wäre. Die vier Frauen protestierten gegen vaginale Verstümmelung. Man kann sich fragen: Wieso bei einem Filmfestival? Die Antwort gab es in großen Buchstaben auf einem Femen-Oberkörper: „Cutting is not only about Cinema.“ (Schneiden hat nicht nur was mit Kino zu tun). Das leuchtet doch ein.

4. Die Erkenntnis des Tages: Es gibt eigentlich keinen Prominenten, der nichts zum Festival zu sagen hat. Und so kommt man einfach nicht umhin, ab und zu etwas zu lernen. Zu Beginn kam die Erkenntnis des Tages auf jeden Fall vom Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki. Der sagte nämlich in einem Interview: „Jesus wäre bestimmt auch gerne ins Kino gegangen.“ Weshalb? Weil man da mit Hilfe erfundener Geschichten mit der Wahrheit konfrontiert werde. Etwas anderes habe Jesus in seinen Gleichnissen eigentlich auch nicht gemacht. „Er hat Geschichten erfunden.“

5. Die seltsame Antwort: Gehört zu jeder Berlinale-Pressekonferenz wie die peinliche Autogrammjagd mancher Filmjournalisten und liegt nicht immer an den seltsamen Fragen, die gestellt werden. Den Auftakt machte Zhang Ziyi, Hauptdarstellerin von „The Grandmaster“, als sie über die Arbeitsweise des Filmemachers Wong Kar Wai berichtete, der offenbar seine Schauspieler an der sehr kurzen Leine führt und in wenige Gedanken einweiht. Ihr Kollege Tony Leung hatte vorher schon ein bisschen darüber erzählt, wie das so ist. Der Regisseur lasse die Schauspieler im Unklaren darüber, wen sie eigentlich spielten: „Ich weiß, dass Wong Kar Wai ein Skript hat, aber uns hat er es jedenfalls nie gezeigt.“ Zhang Ziyi schien das nichts ausgemacht zu haben: „Obwohl ich nicht wusste, was ich da eigentlich machte, bin ich die glücklichste Schauspielerin der Welt.“ Fehlt noch:

6. Der Skandal: Wir warten.

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