O-Ton Berlinale Die einen verdauen, andere kauen
Katja Bauer, 18.02.2011 08:23 Uhr
Colin Firth (rechts) und Helena Bonham-Carter gemeinsam mit Regisseur Tom Hooper auf der Berlinale. Foto: dpa
Colin Firth (rechts) und Helena Bonham-Carter gemeinsam mit Regisseur Tom Hooper auf der Berlinale. Foto: dpa
""Ich bin seit zwei Monaten in der glücklichen Lage, dass ich erst mal die Preise verarbeiten kann, die ich schon bekommen habe.""
Colin Firth, oscarnominierter Schauspieler

Berlin - Könige und andere Mitglieder des Adels sind an rückhaltlosen Beifall sicher von Kind an gewöhnt, aber was Colin Firth am Mittwochabend bei seinem Berlinale-Besuch erlebte, war außergewöhnlich. Das Publikum, das am späten Abend Firth und die ebenfalls angereiste Helena Bonham-Carter in dem für zwölf Oscars nominierten Historiendrama "A King's Speech" sehen konnte, applaudierte und jubelte minutenlang. Und die Journalisten bei der Pressekonferenz klatschten ebenfalls hemmungslos.

Der Film startete tags drauf in den Kinos und hatte streng genommen mit dem Festivalprogramm nichts zu tun - aber solche Extraeinladungen an erfolgreiche Produktionen sind die Coups, mit denen Dieter Kosslick der Berlinale einen Extraschimmer verleiht. Firth jedenfalls bedankte sich sehr und lobte das Publikum in Berlin als "unglaublich". Als Meister britischen Understatements versicherte der inzwischen mit Golden Globe und Bafta-Award Ausgezeichnete, sich mit seiner zweiten Oscarnominierung mental gar nicht sehr zu beschäftigten, denn: "Ich bin seit zwei Monaten in der glücklichen Lage, dass ich erst mal die Preise verarbeiten kann, die ich schon bekommen habe."

Schauspieler filmen selber


Schauspieler wie er haben wahrscheinlich in jeder Minute gut zu tun, aber die meisten anderen Kollegen brauchen furchtbar viel Geduld. Es gehört zum Job, oft stundenlang in irgendwelchen Wohnwagen am Filmset zu warten, meistens in Kostüm und Maske. Statt die Glühbirnen rund um den Schminkspiegel zu zählen oder mit dem I-Pad zu spielen, machen jetzt manche während des Wartens Kunst. "Set Hacking" heißt ein Wettbewerb unter Kollegen, den der Schauspieler Johannes Brandrup ins Leben gerufen hat. Die Aufgabe: wer unbeschäftigt am Set rumhängt, dreht einfach in dieser Zeit seinen ganz eigenen Film. Den schickt er an eine Jury, und am Ende jedes Jahres wird der Set-Hacking-König gewählt.

Einige Schauspieler haben ihre Werke bereits eingereicht, und man kann sie hier » bewundern. Unsere bisherigen Favoriten: Mark Keller, der in einer Sitzung beim Psychiater in die Abgründe seiner fiesen Figur Dr. Kahnweiler aus "Der Bergdoktor" taucht. Und, unerreicht, Franz Dinda, in Flecktarnuniform am Set ein Schaf mimend, das einen Berg Heu verzehrt. Mäh!
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