OB Schuster zu Stuttgart 21 "Projekt taugt nicht für Glaubenskrieg"
Thomas Faltin und Erik Raidt, 07.07.2010 10:51 Uhr
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OB Schuster könnte sich eine Philharmonie hinter dem Bonatzbau vorstellen, um den Straßburger Platz aufzuwerten. Foto: Sobek
OB Schuster könnte sich eine Philharmonie hinter dem Bonatzbau vorstellen, um den Straßburger Platz aufzuwerten. Foto: Sobek
""Stuttgart 21 taugt nicht für einen Glaubenskrieg.""
Über die Stimmung in der Stadt

Stuttgart - Hinter dem Bahnhof soll eine neue Innenstadt entstehen, wenn die Gleise einst abgebaut werden. OB Schuster plädiert für kulturelle, architektonische und ökologische Höhepunkte.

Herr Schuster, die StZ hatte drei Architekten gebeten, Perspektiven für das künftige Stadtviertel hinter dem Hauptbahnhof aufzuzeigen. Herausgekommen ist: viel Grün, viel Wasser und ökologisches Bauen. Wie sieht Ihre Vision aus?


Ich kann gut nachvollziehen, dass zwei von drei Architekten in Ihrem Zukunftsszenario dem Wasser im neuen Stadtviertel eine wichtige Rolle eingeräumt haben. Heute erleben viele Stuttgarter den Neckar nur am Rande. Wichtig wäre mir, dass das neue Stadtviertel Vielfalt, Ästhetik und Funktionalität verbindet und zugleich Maßstäbe im Ökologischen setzt.

Sie haben jetzt die Chance, sich festzulegen: Ich, Wolfgang Schuster, setze mich für eine ökologische Modellstadt hinter dem künftigen Hauptbahnhof ein.


Wir haben die Chance, dort eine CO2-freie Stadt zu bauen. Das ist heute noch sehr anspruchsvoll - aber bis zum Baubeginn in zehn Jahren wird es genügend Knowhow geben, um dieses Ziel zu erreichen. In den Städten und Megastädten der Zukunft wird zudem die E-Mobilität eine wichtige Rolle spielen. Auch dafür bietet diese neue Stadt, die hinter dem Bahnhof entstehen wird, ein Experimentierfeld.

Wie realistisch ist es denn, dass die Vision einer ökologischen Stadt verwirklicht wird?


Die Weichen sind gestellt: Die Stadt hat bewusst alle heutigen Gleisflächen gekauft, um später keinen Verwertungsdruck zu haben. So können wir den Takt vorgeben: bei den ökologischen Standards, bei den neuen Wohnformen und bei den Arbeitsplätzen der Zukunft. Dafür brauchen wir Visionen. Wenn wir uns jetzt schon im Klein-Klein verfangen, würden wir eine historische Chance vertun.

Sie sprechen von einer "neuen Stadt". Das Viertel wird die City dramatisch verändern. Gleichzeitig muss es zur bestehenden Stadt passen - was soll in der neuen Mitte typisch "stuttgarterisch" sein?


Schon heute ist Stuttgart eine grüne Stadt mit 5000 Hektar Wald, 39 Prozent der Gemarkung stehen unter Landschafts- und Naturschutz - die höchste Quote aller deutschen Großstädte. Die Stuttgarter erreichen in durchschnittlich 300 Meter Entfernung öffentliches Grün. Mir ist es wichtig, dass auch die neue City diesen ökologischen Anforderungen entspricht. Im Übrigen: typisch stuttgarterisch ist das Sparen.

Das klingt wenig sexy als Vision.


Wir wollen im neuen Viertel nicht an Fantasie und an Kreativität sparen - wir sparen stattdessen an fossiler Energie, Schadstoffausstoß und an nicht wiederverwendbarem Material. Nehmen Sie das Rathaus. Wenn es je abgerissen würde, wäre die Baumasse zum Teil Sondermüll. Künftig müssen wir nachhaltig bauen. Wenn wir in zehn Jahren anfangen, hinter dem Bahnhof zu bauen, sollen Verfahren eingesetzt werden, die heute noch erforscht werden.

Bisher streiten alle nur über den Hauptbahnhof - Ihnen als OB ist es nicht gelungen, die Bevölkerung für den Tiefbahnhof und die neue Mitte in der Stadt zu begeistern.


Wir hatten ursprünglich doch einen völlig anderen Zeitplan. Wenn alles wie geplant gekommen wäre, wäre der Durchgangsbahnhof schon in Betrieb. Wir haben über all die Themen nach meiner ersten Wahl 1997 intensiv mit einer breiten Öffentlichkeit diskutiert. Damals gab es eine offene Bürgerbeteiligung. Als dann 2001 und 2002 die Entscheidungen im Gemeinderat endgültig fielen, war eine Mehrheit der Bürger für das Projekt. Dann folgte eine Hängepartie: Es war lange Zeit unklar, ob das Projekt überhaupt kommt. Nun haben wir Gewissheit.

Kommentare (132)
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JUL
22
Rainer Daeschler, 14:06 Uhr

Glaubensfrage par excellence

"Projekt taugt nicht für Glaubenskrieg"? Aber ohne Bekenntnis für Stuttgart 21 wird man in Stuttgart nicht Bürgermeister, wie erst kürzlich unmissverständlich deutlich gemacht wurde.

JUL
15
Valentin Bayha, 02:47 Uhr

@sogenannter Herr "fakten"

Wenn Sie keine Antwort auf meine Argumente haben, dann reden Sie von "heißer Luft", versteifen sich auf die Zahlen von Demoteilnehmern und bringen Parkschützerzitate, die mir übrigens bekannt sind. Allein das ändert nichts an der großen Ablehnung des Projekts in der Bevölkerung und meinen vorgenannten Argumenten.

JUL
14
fakten, 14:51 Uhr

Valentin Bayha

Ach,wie verbittert Sie sind! Das kann ich nachvollziehen. Lassen wir daher einen Ihrer Parteischützer zu Wort kommen: •".... Erich Raasch Nr. 9785 Also, gleioch am Anfang: werde das noch ein paarmal einstellen, entschuldigung also bei den Viel-Lesern. *Das waren am Samstag zu wenig. Das hat nicht ausgereicht , das erhoffte Zeichen zu setzen. *Zählung: macht Euch mal die Mühe und zählt in der Menge (Montags oder auf Bildern(von Oben)) ca 50 Leute ab. Mit der Maßeinheit kommt man ganz gut voran. Montags: im schnitt ca max2000. Am Samstag: Ich habe 8000 (+) geschätzt. ( einmal lka voll sind ca 800, auch gut zum schätzen) Also Vorsicht mit Kritik an der Polimei. Die sind manchmal ein bisserl niedrig aber nicht so weit weg glaube ich. *Folgerung:Werbung:Landesweit: Die Grünen und die Linke haben einen Landesverband und sind bei jedem Wahlkampf in der Lage, flächendeckend zu plakatieren. S21 wäre eigentlich DER Wahlkampf für sie. Der BUND hat auch Ortsverbände, oder? Der Widerstand beschränkt sich auf Stuttgart, einige Ausnahmen ausgenommen (SPD Bietigheim). ..." Alles andere, sehr geehrter Herr Bayha, was Sie von sich gegeben haben, ist nur heiße Luft und Sie wissen das. SIE, die Gegner haben unter Einschluss jeglichen Realitätsverlustes eine Scheinwelt aufgebaut und so langsam müssen SIE sich mit den Fakten abfinden. Und das ist gut so. www.das-neue-herz-europas.de

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