OB-Wahl in Stuttgart Zeit der Großprojekte geht zu Ende

Von Thomas Braun 

Die Zeit der Großprojekte in Stuttgart geht langsam aber sicher zu Ende. Der Nachfolger von OB Wolfgang Schuster wird sich um Wohnungsbau und Verkehrsberuhigung kümmern müssen.

Der neue Stuttgarter Oberbürgermeister steht vor großen Herausforderungen bei der Stadtentwicklung. Doch was wünschen sich eigentlich die Bürger für ihre Stadt? Wir haben nachgefragt. Foto: dpa 6 Bilder
Der neue Stuttgarter Oberbürgermeister steht vor großen Herausforderungen bei der Stadtentwicklung. Doch was wünschen sich eigentlich die Bürger für ihre Stadt? Wir haben nachgefragt.Foto: dpa

Stuttgart - Dass der amtierende Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) gerne Bagger fährt, ist kein Geheimnis. Wo immer es galt, symbolisch einen Neubau auf den Weg zu bringen, war der Rathauschef zur Stelle – zur Not tat es auch ein normaler Spaten. Und in der Tat hat die Stuttgarter Innenstadt unter seiner Ägide einen wahren Bauboom erlebt. Besonders die Immobilienbranche wird Schusters Abgang deshalb bedauern.

Etwa seit Mitte der 90er Jahre – Schuster war 1996 erstmals ins Amt gewählt worden – klopfen Investoren und Baumogule im Stuttgarter Rathaus an. Beflügelt von der guten wirtschaftlichen Lage im Land suchten sie das Gespräch mit der Rathausspitze und trafen dabei meist auf offene Ohren. Heraus gekommen sind dabei etwa der Technologiepark in Wangen, das runderneuerte Bosch-Areal im Stuttgarter Westen und die Schwabengalerie in Vaihingen, aber auch architektonische Unikate wie die Museen von Daimler und Porsche und diskussionswürdige Objekte wie das Carl-Benz-Center beim Stadion und die Bankenpaläste beim Hauptbahnhof.

Die OB-Denkmäler sind bereits gebaut

Derlei Gestaltungschancen bieten sich dem neuen Oberbürgermeister vorerst nicht. Mit Steuergeldern zu realisierende Denkmäler wie das Kunstmuseum am Kleinen Schlossplatz, die neue Stadtbibliothek hinter dem Hauptbahnhof, aber auch die Messe auf den Fildern und die Revitalisierung des alten Messegeländes auf dem Killesberg mit dem Mix aus Studios für Kreative, Handel, Dienstleistungen und Wohnungen sind bereits gebaut. Dem Schuster-Nachfolge bieten sich unabhängig davon Möglichkeiten, die Stadt bürgerfreundlich weiterzuentwickeln: Er oder sie kann versuchen, Bad Cannstatt näher an den Neckar zu bringen, und es gilt, die Stadt vom überbordenden Durchgangs-, Ziel- und Quellverkehr zu befreien, um die Schadstoffwerte in der Luft zu senken. Handlungsmöglichkeiten eröffnen sich etwa an der „Kulturmeile“ und in den Innenstadtbezirken mit einem flächendeckenden Anwohnerparken. Der Rosensteintunnel zwischen Löwentor und B 10 wird – abhängig vom Wahlausgang – zur Disposition gestellt oder eben gebaut.

Mitunter wollte der OB zu hoch hinaus, um den Standort im Wettbewerb zu positionieren. Erinnert sei an den Trump-Tower, der über das Planungsstadium nie hinauskam. Die City-Prag ist seitdem weithin bekannt, um die Entwicklung der Brache muss sich aber der nächste OB kümmern.

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Wer die alten Seilschaften abwählen will, muss Turner verhindern!: 'Besonders die Immobilienbranche wird Schusters Abgang bedauern.' Richtig, aber der Grad des Bedauerns könnte sehr unterschiedlich ausfallen. Die Immobilienmafia hat bereits ihren Wunschnachfolger für Herrn Schuster nominiert. Mit Turner soll künftig alles genauso glatt laufen wie bisher. Man zahlt heute gerne an seinen anonymen Unterstützerverein, wenn man dafür später ein erlesenes Stück vom großen Kuchen (Gleisfeld) abbekommt. Wenn die Rechnung aufgeht, knallen die Sektkorken und das Bedauern weicht bester Champagnerlaune. __________________________________________________________ Vor Fritz Kuhn hat man in diesen illustren Kreisen die größte Angst, das beweisen die gebetsmühlenartig diffamierenden Kommentare gegen ihn. Im Interesse der 'ehrenwerten Herren' soll damit die öffentliche Meinung beeinflusst werden. Fritz Kuhn hätte von allen OB-Kandidaten im zweiten Wahlgang gegen Turner zweifellos die größten Chancen und ist nicht korrumpierbar. Er ist derjenige, an dem sich die alten CDU-Seilschaften die Zähne ausbeißen werden. Fazit: Wer entfilzen will wählt Kuhn, dabei gibt es kein Vertun.

groß: Da haben wohl noch nicht alle begriffen, dass S21 kein Großprojekt ist. Es ist zwar riesig teuer, ist aber ein Verkleinerungsprojekt. Weniger Schienenverkehr und extra so gemacht, dass nach der Verkleinerung eine dann dringend nötige Vergrößerung absolut nicht machbar ist. Vier gequetschte Bahnsteige sind das äußerste, was drin ist. Ein Prestigeprojekt ist es allerdings schon: das Stuttgarter Prestige beruht künftig auf dem Anspruch, alternativlos größtmögliche Dummheit walten zu lassen.

Stadtentwicklung & ECE: '... Alexander Ottos Männer (ECE) tun so, als würden sie mitten in der Stadt bauen, aber das neue Center wäre um die zweihundert Meter von der 1A-Lage entfernt. Für einen Konsumenten, wie Eckhard Brockhoff ihn sich vorstellt, sind zweihundert Meter ein Halbmarathon. Dieser Einkäufer fährt ins Center, parkt, shoppt, fährt nach Hause. Er bräuchte keine Fußgängerzone mehr. .... So lief das in Hameln, wo ECE vor vier Jahren eine Stadtgalerie eröffnete. Für die 1A-Lage stellt eine aktuelle Analyse jetzt bis zu 23,3 Prozent weniger Besucher fest. Aus 1A wurde so C. So läuft das oft. ECE kommt, verspricht ein besseres Einkaufsleben für die Stadt. Wenn das Center dann da ist, veröden Teile der Fußgängerzone. ECE aber managt ein volles Center und plant schon woanders. Kritische Berichte in den Lokalzeitungen gibt es nicht ganz so häufig. Sollte das Center kommen, würde es ja teure Anzeigen schalten. Beginnt doch eine Diskussion, hat ECE viele Zahlen, die zeigen, dass alles gut wird....' http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=/2012/07/14/a0035

Zur Unkenntlichkeit entstellt...: ...wurde Stuttgart während der Amtszeit von OB Schuster durch einfallslose, häßliche Protzbauten. Nach längerer Abwesenheit erkannte ich Stuttgart nicht wieder. Das Charakteristische ist verschwunden, grauer Beton wohin man schaut. Die Innenstadt ist eine unwohnliche, kalte und unmenschliche Betonwüste geworden. Für Stuttgart typische Geschäfte und Bauten sind abgerissen worden....es gibt nur noch die gleichen Kettenläden wie in jeder anderen Großstadt. Ich hätte nie geglaubt, daß gerade die Schwaben bzw. Stuttgarter so wenig traditions- und kulturbewusst sind und ihr architektonisch-kulturelles Erbe so wenig achten.

Hat lange gedauert bis vielen klar wurde, das Großprojekte nicht gleich bessere Lebensqualität bringen: Mit dem vielen Geld kann man vieles machen, das den Leuten wirklich was bringt. Zum Beispiel viele, viele Jahre gratis öffentlicher Nahverkehr, oder viele Stellen im Sozialbereicht schaffen, damit Kranke und Alte in Deutschland nicht so vernachlässigt werden. Auch eine nachhaltige Landwirtschaft könnte endlich mal überall auf dem Weg gebracht werden, damit nicht weiterhin mehr Energie beim produzieren von landwirtschaftlichen Erzeugnissen verbraucht wird, als dann wieder herauskommt. Kunst gehört auch nicht in Museen eingesperrt, Kunst gehört auf die Straße, der Bauzaun bei Stuttgart 21 hat gezeigt, wie das geht, Kunst für alle und gratis. Hoffentlich wird endlich mal wieder langfristig gedacht und für Mensch und Umwelt sinnvolles mit dem Geld der Bürger gemacht.

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