OB-Wahl in Stuttgart Zeit der Großprojekte geht zu Ende

Thomas Braun, 02.08.2012 14:22 Uhr

Stuttgart - Dass der amtierende Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) gerne Bagger fährt, ist kein Geheimnis. Wo immer es galt, symbolisch einen Neubau auf den Weg zu bringen, war der Rathauschef zur Stelle – zur Not tat es auch ein normaler Spaten. Und in der Tat hat die Stuttgarter Innenstadt unter seiner Ägide einen wahren Bauboom erlebt. Besonders die Immobilienbranche wird Schusters Abgang deshalb bedauern.

Etwa seit Mitte der 90er Jahre – Schuster war 1996 erstmals ins Amt gewählt worden – klopfen Investoren und Baumogule im Stuttgarter Rathaus an. Beflügelt von der guten wirtschaftlichen Lage im Land suchten sie das Gespräch mit der Rathausspitze und trafen dabei meist auf offene Ohren. Heraus gekommen sind dabei etwa der Technologiepark in Wangen, das runderneuerte Bosch-Areal im Stuttgarter Westen und die Schwabengalerie in Vaihingen, aber auch architektonische Unikate wie die Museen von Daimler und Porsche und diskussionswürdige Objekte wie das Carl-Benz-Center beim Stadion und die Bankenpaläste beim Hauptbahnhof.

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Die OB-Denkmäler sind bereits gebaut

Derlei Gestaltungschancen bieten sich dem neuen Oberbürgermeister vorerst nicht. Mit Steuergeldern zu realisierende Denkmäler wie das Kunstmuseum am Kleinen Schlossplatz, die neue Stadtbibliothek hinter dem Hauptbahnhof, aber auch die Messe auf den Fildern und die Revitalisierung des alten Messegeländes auf dem Killesberg mit dem Mix aus Studios für Kreative, Handel, Dienstleistungen und Wohnungen sind bereits gebaut. Dem Schuster-Nachfolge bieten sich unabhängig davon Möglichkeiten, die Stadt bürgerfreundlich weiterzuentwickeln: Er oder sie kann versuchen, Bad Cannstatt näher an den Neckar zu bringen, und es gilt, die Stadt vom überbordenden Durchgangs-, Ziel- und Quellverkehr zu befreien, um die Schadstoffwerte in der Luft zu senken. Handlungsmöglichkeiten eröffnen sich etwa an der „Kulturmeile“ und in den Innenstadtbezirken mit einem flächendeckenden Anwohnerparken. Der Rosensteintunnel zwischen Löwentor und B 10 wird – abhängig vom Wahlausgang – zur Disposition gestellt oder eben gebaut.

Mitunter wollte der OB zu hoch hinaus, um den Standort im Wettbewerb zu positionieren. Erinnert sei an den Trump-Tower, der über das Planungsstadium nie hinauskam. Die City-Prag ist seitdem weithin bekannt, um die Entwicklung der Brache muss sich aber der nächste OB kümmern.

 
 
Kommentare (22)
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SEP
01
Der Entfilzer, 23:40 Uhr

Wer die alten Seilschaften abwählen will, muss Turner verhindern!

'Besonders die Immobilienbranche wird Schusters Abgang bedauern.' Richtig, aber der Grad des Bedauerns könnte sehr unterschiedlich ausfallen. Die Immobilienmafia hat bereits ihren Wunschnachfolger für Herrn Schuster nominiert. Mit Turner soll künftig alles genauso glatt laufen wie bisher. Man zahlt heute gerne an seinen anonymen Unterstützerverein, wenn man dafür später ein erlesenes Stück vom großen Kuchen (Gleisfeld) abbekommt. Wenn die Rechnung aufgeht, knallen die Sektkorken und das Bedauern weicht bester Champagnerlaune. __________________________________________________________ Vor Fritz Kuhn hat man in diesen illustren Kreisen die größte Angst, das beweisen die gebetsmühlenartig diffamierenden Kommentare gegen ihn. Im Interesse der 'ehrenwerten Herren' soll damit die öffentliche Meinung beeinflusst werden. Fritz Kuhn hätte von allen OB-Kandidaten im zweiten Wahlgang gegen Turner zweifellos die größten Chancen und ist nicht korrumpierbar. Er ist derjenige, an dem sich die alten CDU-Seilschaften die Zähne ausbeißen werden. Fazit: Wer entfilzen will wählt Kuhn, dabei gibt es kein Vertun.

SEP
01
Jadoch, 13:54 Uhr

groß

Da haben wohl noch nicht alle begriffen, dass S21 kein Großprojekt ist. Es ist zwar riesig teuer, ist aber ein Verkleinerungsprojekt. Weniger Schienenverkehr und extra so gemacht, dass nach der Verkleinerung eine dann dringend nötige Vergrößerung absolut nicht machbar ist. Vier gequetschte Bahnsteige sind das äußerste, was drin ist. Ein Prestigeprojekt ist es allerdings schon: das Stuttgarter Prestige beruht künftig auf dem Anspruch, alternativlos größtmögliche Dummheit walten zu lassen.

AUG
21
Florian Braun, 13:52 Uhr

Stadtentwicklung & ECE

'... Alexander Ottos Männer (ECE) tun so, als würden sie mitten in der Stadt bauen, aber das neue Center wäre um die zweihundert Meter von der 1A-Lage entfernt. Für einen Konsumenten, wie Eckhard Brockhoff ihn sich vorstellt, sind zweihundert Meter ein Halbmarathon. Dieser Einkäufer fährt ins Center, parkt, shoppt, fährt nach Hause. Er bräuchte keine Fußgängerzone mehr. .... So lief das in Hameln, wo ECE vor vier Jahren eine Stadtgalerie eröffnete. Für die 1A-Lage stellt eine aktuelle Analyse jetzt bis zu 23,3 Prozent weniger Besucher fest. Aus 1A wurde so C. So läuft das oft. ECE kommt, verspricht ein besseres Einkaufsleben für die Stadt. Wenn das Center dann da ist, veröden Teile der Fußgängerzone. ECE aber managt ein volles Center und plant schon woanders. Kritische Berichte in den Lokalzeitungen gibt es nicht ganz so häufig. Sollte das Center kommen, würde es ja teure Anzeigen schalten. Beginnt doch eine Diskussion, hat ECE viele Zahlen, die zeigen, dass alles gut wird....' http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=/2012/07/14/a0035

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